Britischer Emerging-Markets-Spezialist will mit Zweitnotierung Flagge zeigen
Standard Chartered Bank wagt sich an Hongkongs Börse

Die Bank will 400 Millionen Dollar aufnehmen. Die Emission gilt in Fernost als Indikator, ob die Märkte wieder Appetit auf Aktien haben.

HONGKONG. Im zweiten Anlauf soll der britischen Standard Chartered Bank diese Woche gelingen, was Turbulenzen an den Aktienmärkten im vorigen September vereitelten: Die lange angestrebte Zweitnotierung an der Hongkonger Börse. Die Emission, bei der die führende Emerging-Markets-Bank bis zu 400 Mill. $ (3,1 % des Grundkapitals) aufnehmen will, wird in Fernost mit Spannung verfolgt: Sie gilt als Indikator dafür, ob Anleger angesichts der langen Achterbahnfahrt der Märkte wieder Appetit auf Aktien haben.

Die Rahmenbedingungen haben sich im Vergleich zum Vorjahr allerdings kaum verbessert: Standard Chartereds Aktienkurs, der bislang nur in London geführter wird, liegt dank eines Kurssprungs in den vergangenen Tagen um 13 % auf Vorjahresniveau. Damit ist die Aktien im Vergleich zu ähnlichen Titeln nicht gerade günstig.

Standard Chartered macht mehr als zwei Drittel seines Geschäfts in Asien. Alleine 32 % des Gewinns stammen aus Hongkong. Das Listing dort ist für die Bank deshalb auch eine Marketing-Übung: "Wir brauchen das Kapital nicht", sagt Standard-Chartereds-Chef Mervyn Davies. Mit der Zweitnotierung will das in London ansässige Unternehmen stärkere Marken-Präsenz in seinem mit Abstand wichtigsten Einzelmarkt erreichen. Zusammen mit der britischen Großbank HSBC und der Bank of China zählt Standard Chartered in der ehemaligen Kronkolonie zu den drei Instituten, die Banknoten in Umlauf bringen dürfen.

Ein weiteres Ziel des Listings: Die Diversifizierung der Anlegerbasis. Die Bank macht mehr als zwei Drittel ihres Geschäfts in Asien, spielt aber für institutionelle Anleger aus der Region bislang keine Rolle.

Das neu aufgenommene Kapital soll für ein Aktienrückkaufprogramm und für eine Stärkung des Wachstums in den Schwellenländern verwendet werden. Die besten Expansions-Aussichten sieht die Bank in Fernost. In Taiwan und Südkorea sollen Lücken gefüllt wer-den. Das Hauptaugenmerk des Managements liegt jedoch auf Indien und China. In Indien ist Standard Chartered zur größten Auslandsbank avanciert. Das Land generiert dort 9 % des Konzerngewinns. In China drängt die Bank forsch in den Privatkundenmarkt vor und plant die Eröffnung einer Reihe von Filialen.

Analysten erwarten, dass Standard Chartered zum 1,9-fachen Buchwert in Hongkong in den Handel kommen - etwas billiger als die Aktie von HSBC, die beim 2,1-fachen Buchwert notiert. Der große Rivale hat seine Wurzeln wie Standard Chartered in Fernost und ist dort nach wie vor sehr stark vertreten. Doch ist das Geschäft von HSBC international viel breiter gestreut. Standard Charteres fast ausschließlicher Fokus auf Schwellenländer verspricht zwar Wachstumschancen, birgt aber auch erhöhte Risiken. "Ich würde HSBC Standard Chartered vorziehen, weil das Risikoprofil niedriger ist", sagt Fondsmanager Martin Lau von First State Investments.

Ein Plus für die Emission: In Hongkongern ist Standard Chartered eine bekannte Adresse. Andererseits hat die Bank gerade im Schlüsselmarkt mit schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Seit viereinhalb Jahren steckt die Stadt in einer Deflationsspirale: die Insolvenzrate ist hoch, Immobilienpreise fallen immer tiefer und die Arbeitslosigkeit liegt mit 7,4 % auf einem für Asien extrem hohen Niveau.

Die nach Bilanzsumme viertgrößte Bank der Finanzmetropole ist zwar Hongkongs führender Kreditkarten-Anbieter. Doch die Rückstellungen für faule Kredite drückten im ersten Halbjahr schmerzlich auf den Gewinn.

Ein weiteres Problem: Standard Chartered ringt um die Gunst der Anleger in harter Konkurrenz mit China Telecom. Der Festnetzriese bereitet derzeit einen 3,7 Mrd. $ schweren Börsengang (IPO) in Hongkong und New York vor. Das Handelsdebüt steht in der ersten Novemberwoche an. Und anders als die Bank of China (BoC), die im Juli mit ihrem 2,5 Mrd. $-IPO den Börsenturbulenzen erfolgreich Paroli bot, kann Standard Chartered nicht davon ausgehen, in die Benchmark-Indizes Hang Seng oder MSCI Hongkong aufgenommen zu werden. Das hatte den Kauf von BoC-Aktien für die meisten Fondsmanager zur Pflicht gemacht. "Wegen den schlechten Aussichten, in einen Index zu kommen, ist der Preis nicht sehr attraktiv", sagt Macquarie-Analyst Simon Ho. Als Preisobergrenze wurden für die Standard Chartered-Emission 103 HK$ festgesetzt. Der endgültige Ausgabekurs wird am Freitag anhand des Londoner Schlusskurses ermittelt, auf den Privatanleger 2 % Rabatt erhalten sollen. Für sie sind 10 % der Aktien reserviert. Doch bei Überzeichnung kann die Privatanlegertranche auf 30 % vergrößert werden.

Quelle: Handelsblatt

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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