Britischer Generalstabschef Michael Boyce:
Militäreinsatz könnte "mindestens" bis Sommer 2002 dauern

Der Militäreinsatz in Afghanistan könnte sich nach den Worten des britischen Generalstabschefs Michael Boyce "mindestens" bis zum Sommer 2002 hinziehen. Bei der Schwächung der Luftabwehr und der Zerstörung der Ausbildungslager des mutmaßlichen Moslemextremisten Osama bin Laden seien jedoch bisher "gute Fortschritte" erzielt worden, betonte Boyce in London. Einen Monat nach den Terroranschlägen flogen die USA die bisher schwersten Angriffe seit Beginn des Militäreinsatzes.

dpa-afx WASHINGTON/ISLAMABAD. Am Donnerstag und in der Nacht zuvor nahmen die Streitkräfte die Hauptstadt Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar sowie Dschalalabad unter Dauerbeschuss. Nach Angaben der Taliban kamen bei Angriffen auf ein mutmaßliches Ausbildungslager der Miliz mehr als zweihundert Zivilisten ums Leben. Taliban-Botschafter Abdul Salam Saif warf den USA die gezielte Tötung von Zivilisten vor.

Hoon: Einige Talibanführer sind bereits zur Oposition übergelaufen

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministers Geoff Hoon zeigten die Angriffe bereits Wirkung: Einige Milizenführer der Taliban seien bereits zur Opposition übergelaufen. Der britische Premier Tony Blair sagte in Kairo, den "Terroristen" werde es nicht gelingen, die Welt zu spalten und die arabische gegen die westliche Welt aufzubringen. Außenminister Jack Straw betonte, sein Land plane keine militärischen Aktionen gegen Irak oder andere Ziele außerhalb Afghanistans.

Mehr als zweihundert Menschen seien bei Luftangriffen auf das Dorf Kadam westlich von Dschalalabad gestorben, die meisten von ihnen Frauen, Kinder und ältere Menschen, sagte ein Taliban-Sprecher. Die den Taliban nahestehende Agentur AIP meldete unter Berufung auf einen Sprecher in Dschalalabad, bisher seien mindestens 50 Leichen geborgen worden. Auch in Kabul und Kandahar gab es demnach zahlreiche zivile Opfer. Die Angaben konnten nicht überprüft werden.

Zuvor hatten die US-Streitkräfte in der vierten Angriffsnacht nach eigenen Angaben Marschflugkörper und zweieinhalb Tonnen schwere Anti-Bunker-Bomben mit großer Durchschlagskraft abgeschossen. Augenzeugen berichteten von mindestens 30 sehr schweren Explosionen. Das Abwehrfeuer der Taliban-Luftabwehr fiel Beobachtern zufolge schwächer aus als in vorhergehenden Nächten. Auch Kandahar wurde Einwohnern zufolge heftig bombardiert.

USA: Zwei männliche Verwandte von bin Laden sind getötet worden

Ein ranghoher US-Regierungsbeamter teilte mit, seit Beginn der Angriffe seien zwei männliche Verwandte des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar getötet worden. Auch mehrere Anführer der Taliban wurden demnach getötet. Omar selbst blieb bei der Bombardierung seines Hauses in Kandahar am Dienstag unversehrt. Bin Laden hält sich den Taliban zufolge in den Bergen versteckt. Die Regierungen in Washington und London traten Gerüchten entgegen, wonach er gefasst worden sein soll. An der New Yorker Wall Street hatten Gerüchte über eine Ergreifung kursiert.

Taliban-Kämpfer hielten einen UN-Hilfskonvoi auf. Sie verlangten einen "nicht akzeptablen" Wegezoll, um die Nahrungsmittellieferungen für die Not leidende Bevölkerung durchzulassen, sagte ein Sprecher des Welternährungsprogramms der UNO in Islamabad. Demnach forderten die Taliban pro Tonne des 475 Tonnen schweren Transports 32 USD (69 DM/35 Euro) Steuern.

Pakistan hat den US-Streitkräften zwei Flughäfen zur Verfügung gestellt. Diese dürften jedoch nicht für militärische Aktionen genutzt werden, betonte ein Regierungsmitglied in Islamabad. In Quetta wurden für eine Demonstration am Freitag 50.000 Menschen erwartet. Bei einem Mann in Islamabad stellten die Behörden mehr als 2700 Granaten sicher, mit denen er möglicherweise einen Terroranschlag plante.

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