Britischer Goldrausch macht Lust auf 2012
Großbritannien jubelt - und rätselt

Das hatte vor den Olympischen Spielen kaum ein Brite zu träumen gewagt: Der "Goldrausch" in Chinas Hauptstadt lässt das ungläubige "Team GB" sogar vom dritten Platz in der Medaillenwertung hinter China und den USA träumen. Sogar Englands äußerst kritische Medien sind "very amused"

HB LONDON/PEKING. Bereits drei Tage vor der Schlussfeier hatte die Gastgebernation der Spiele 2012 die Regierungsvorgabe von 41 Medaillen praktisch erfüllt. Die 18 Goldmedaillen vor dem finalen Wochenende bedeuten auf jeden Fall das beste Ergebnis seit 1908. Mit bescheidenden zehn hatte der Sportförderverband "UK Sport" vorsichtig gerechnet; nur ein Olympiasieg war es 1996 in Atlanta, als sich Großbritannien zum Gespött der Sportwelt gemacht hatte und nur auf Platz 36 der Länderwertung gelandet war.

"Die gute Performance war wichtig, um die Nation zu inspirieren, kurz bevor wir Gastgeber werden", betonte der Geschäftsführer der Britischen Olympischen Gesellschaft (BOA), Simon Clegg. Das für "London 2012" ausgegebene Ziel vom vierten Medaillenrang scheint auf einmal gar nicht mehr so unrealistisch. Und mit Medaillengewinnern wie der Siegerin über 400 Meter, Christine Ohuruogu, die nur einen Steinwurf vom zukünftigen Olympiagelände in Ost-London aufwuchs, erhalten die Spiele an der Themse bereits jetzt ihre ersten Gesichter.

Englands äußerst kritische Medien sind jedenfalls "very amused". Der "Daily Telegraph" schrieb von der britischen Renaissance", die "Sunday Times" beschwor die "Magie des Sports", und selbst Premierminister Gordon Brown brach vor seiner Abreise zur Schlussfeier in Euphorie aus: "Es verspricht so viel für 2012. Die ganze Nation ist vollkommen begeistert und wirklich stolz auf das, was erreicht wurde." Mittlerweile erhofft sich die Presse von der Olympia-Begeisterung alle möglichen positiven Effekte; vom Erfolg im Kampf gegen die Fettleibigkeit unter britischen Jugendlichen bis hin zur Stärkung des politischen Zusammenhalts des mit Blick auf Schottland gar nicht mehr so Vereinigten Königreichs.

Möglich gemacht hat der überraschende Erfolg vor allem bei den ironisch als "Sitzsportarten" apostrophierten Radfahren, Segeln und Rudern sowie beim Schwimmen, die nationale Lotterie, die seit ihrer Gründung Mitte der 1990er Jahre 40 Prozent des Sportförderetats stellt, während 60 Prozent aus staatlichen Quellen stammen.

Seite 1:

Großbritannien jubelt - und rätselt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%