Britischer nationaler Markt für Finanzinstitute im Umbruch
Bankaktien steigen im Übernahmekarussell

Bank-Aktien sind heiß. Jedenfalls in Großbritannien. Hier dreht sich das Übernahmekarussell bei den Retailern. Abbey will mit der Bank of Scotland ins Bett, was Lloyds mit einer eigenen Offerte an Abbey mit aller Macht verhindern will. Die Aktionäre haben gut lachen, ihre Aktien steigen.

LONDON. Britanniens Bankenlandschaft ist im Umbruch. Wie die Haifische umschleichen die Retailbanken einander und welche nicht aufpasst, die wird geschluckt. Seit der Bank of Scotland der Konkurrent National Westminster im vergangenen Jahr von der Royal Bank of Scotland vor der Nase weggeschnappt worden ist, gilt die Bank of Scotland als kleinstes Institut unter den sechs großen britischen Retailbanken als Übernahmekandidat. Fast wöchentlich kusierten neue Gerüchte über entsprechende Gespräche in der Londoner City.

Von dem Fusionskarussel profitiert vor allem der Aktionär, der bereits früh in Banken investiert hat. Denn die Preise für die Aktien dieser Institute sind in den vergangenen Wochen fast ausnahmslos nach oben geschossen. So kletterten Abbey National seit Oktober von rund 800 Pence auf jetzt 1 200 Pence. Nicht ganz so ransant, aber dennoch deutlich, zog die Aktie von der Bank of Scotland an. Innerhalb von zweieinhalb Monaten verbuchte sie einen Wertanstieg von gut 120 Pence auf jetzt knapp 700 Pence. Nur der Lloyds-Aktie fehlte es an Sprungkraft, was sich erst in den letzten Tagen änderte.

Ähnlich wie der Bank of Scotland wurde in den letzten Monaten Abbey National als Übernahmekandidat gehandelt. Abbey ist zwar gemessen an der Marktkapitalisierung fast doppelt so groß wie die Bank of Scotland, aber zu klein, um alleine zu überleben, sagen viele Bankexperten. Die Royal Bank of Scotland ist nach der Übernahme von Nat West gemessen an der Marktkapitalisierung hinter HSBC die zweitgrößte Retailbank. Gefolgt von Lloyds TSB und Barclays.

Darum gilt ein Zusammenschluss der beiden kleinsten Institute in der Londoner City als "Dream Deal". Seit Monaten sprechen die beiden kleinen aber feinen Adressen miteinander und haben sich bis auf die Managmentstruktur verständigt, heißt es. Noch vor Weihnachten soll eine Vereinbarung getroffen werden, so haben beide Institute vor ein paar Wochen verkündet.

Nun aber ist in der vergangenen Woche Lloyds auf den Plan getreten: In der Angst, von der Übernahmewelle in Großbritannien überrollt zu werden, hat das Institut eilig das Zepter in den vergangenen Tagen in die Hand genommen und selbst mittlerweile zwei Übernahmeofferte an die Adresse von Abbey National verschickt. Obwohl die Abbey-Führung beide Angebote als zu gering abgelehnt hat, ist die Aktie weiter unermüdlich nach oben vorgestoßen und nicht mehr ganz 200 Pence vom Hoch im Juni 1999 entfernt. Auch die Anteilsscheine von Lloyds finden deutlich mehr Interessenten, als noch vor einigen Wochen. Ein Zeichen, dass offenbar der Markt einen Sinn in einer Fusion sieht.

Schon vor den jüngsten Ereignissen haben Analsten gesehen, dass in der Lloyds-Aktie noch Phantasie drin ist. Nach Meinung von der Credit Suisse First Boston (CSFB) ist die Bank unterbewertet. Sie empfehlen sie weiterhin zum Kauf. Dagegen bewerten die Analysten die Royal Bank of Scotland nur als haltenswert. Der Markt habe bereits die Chancen, die durch den Zusammenschluss mit Nat West entstanden sind, vorweggenommen.

Die noch Verlobte von Abbey, die Bank of Scotland, kommt bei Morgan Stanley Dean Witer nicht gut weg: Die US-Investmentbank ist eher skeptisch.

Aber trotz fundamentaler Unterschiede in der Bewertung der Aktien, so dürften die Kurse weiterhin von der Fusionsphantsasie getrieben werden, meinen jedenfalls die Händler an der Londoner Börse. Unterstützt würden die Aufwärtsbewegungen vom Marktumfeld. Viele Experten erwarten angesichts des abflachenden Wirtschaftswachstums sinkende Kapitalmarktzinsen. Davon haben Retailbanken oft profitiert, sagen die Analysten von Merrill Lynch.

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