Britischer Telekomkonzern im Quartal tief in der Verlustzone - Auch Finanzchef gibt auf
BT leidet unter Führungskrise

British Telecom hat am Donnerstag für neue Unsicherheit bei den Investoren gesorgt. Der vor der Aufspaltung stehende Konzern steckt nicht nur in den roten Zahlen, nach Konzernchef Bonfield geht nun auch der Finanzchef. Analysten fürchten ein Führungsvakuum und einen weiteren Kursverfall.

Die Banner an der Zentrale von British Telecom (BT) in London hatten gestern Symbolkraft: "Interior working for BT", prangte dort in dicken Lettern als Entschuldigung für Bauarbeiten am Konzerneingang. Während dort schon die Kreissägen jaulten, wurden oben in der Vorstandsetage der British Telecommunications plc die internen Umbauten erneut neu begonnen. Der Konzern teilte mit, dass nach Chief Executive Peter Bonfield überraschend auch Finanzchef Philip Hampton vorzeitig gehen werde. Für beide Posten würden nun schnellstens Nachfolger gesucht, erklärte der ebenfalls erst vor einigen Monaten neu eingesetzte Chairman Christopher Bland.

Analysten sehen mit dem Verlust von zwei wichtigen Managern nun ein massives Führungsproblem bei dem britischen Telefonriesen zukommen, der gestern zudem einen Milliardenverlust für das zweite Quartal auswies. Als Reaktion auf die Neuigkeiten brach der BT-Kurs im Tagesverlauf um 5,5 % auf 319 Pence ein.

Immer schwieriger wird es auch für die Mobilfunksparte, die am 19. November unter dem Namen mmO2 an die Börse gebracht werden soll. Die Prognosen für den O2-Kurs sanken gestern in London ebenfalls nach den BT-Meldungen. Der Konzern wies dagegen die Sorge über ein Vakuum an der BT-Spitze als unbegründet zurück. BT-Chairman Bland streute sogar Optimismus. Er werde notfalls für eine kurze Zeit in eine Doppelrolle als Chief Executive und Chairman schlüpfen, kündigte er an. Obwohl der Ausblick für die Branche momentan schwierig sei, "haben die meisten BT-Sparten eine starke Marktposition und haben sich bislang als unverwüstlich erwiesen", so seine Standortbestimmung für den Konzern kurz vor der Abspaltung der Mobilfunksparte. Die verbleibende BT Group wird im wesentlichen das britische Festnetz sowie Internetaktivitäten betreiben.

BT will sich von weiteren Auslandsbeteiligungen trennen

Weitere Verkäufe oder Börsengänge von BT-Sparten seien nicht geplant, betonte Bland gestern. Er kündigte allerdings an, dass sich der Konzern von weiteren Auslandsbeteiligungen trennen möchte, darunter von dem Anteil an der französischen Cegetel. BT hat die meisten Beteiligungen bereits verkauft und damit seinen Schuldenberg um fast die Hälfte auf 16,5 Mrd. £ gedrückt.

Dennoch hat die bereits begonnene Zerschlagung und der neue Kurs den Konzern auch tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Vor allem das mit dem US-Konzern AT&T gegründete und vor kurzem aufgelöste Joint Venture Concert hat das Quartalsergebnis kräftig verhagelt. Wegen Abschreibungen für Concert musste BT im zweiten Quartal einen Vorsteuerverlust von 1,35 Mrd. £ ausweisen, so der Noch-Finanzchef Hampton. Nach einem Gewinn von 471 Mill. £ im Vorjahreszeitraum ist dies ein herber Rückschlag. Auch im operativen Geschäft wies BT einen Gewinnrückgang auf und erfüllte die Erwartungen der meisten Analysten nicht. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank von Juli bis September im Jahresvergleich um 7 % auf 1,46 Mrd. £. Viele Marktexperten in London hatten mit 1,5 Mrd. £ gerechnet.

Doch die Zahlen gerieten gestern in den Hintergrund. Mit Blick auf den Rücktritt des in der City sehr respektierten Finanzchefs stufte Merrill Lynch die Aktie umgehend von "accumulate" auf "neutral" zurück. Hampton selbst erklärte auf Nachfrage, er habe erst in dieser Woche entschieden, seinen im November 2002 auslaufenden Vertrag auf keinen Fall zu beenden. Zu den Gründen wollte er sich nicht weiter äußern. In London heißt es, dass Hampton und Chairman Bland nicht besonders gut miteinander auskommen, was Bland gestern jedoch zurückwies.

Schwierge Suche nach Finanzchef

Der von British Gas zu BT gewechselte Finanzchef galt zudem als möglicher Nachfolger für den Chefposten von Bonfield. Doch diese Chance scheint ihm nicht angeboten worden zu sein. Hampton will bei BT bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist. "Nun suchen sie nicht nur einen neuen Chief Executive, sondern sie brauchen auch noch einen neuen Finanzchef", kommentierte James Enck, Telekom-Analyst von Daiwa Institute of Research Europe die neue Lage. Dies könne schwierig werden und lange dauern.

Der Umsatz im Quartal blieb im Jahresvergleich relativ konstant und lag bei 5,3 Mrd. £. Allerdings zahlt der Konzern diesmal keine Zwischendividende, stellte seinen Aktionären gestern aber eine Jahresdividende in Aussicht. Diese wird aber nach den Worten des scheidenden BT-Chefs Bonfield künftig deutlich niedriger ausfallen.

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