British Telecom und KPN gelten als positive Beispiele für Schuldenabbau
Experten empfehlen Telekomanleihen

Telekombonds sind für Analysten die klaren Favoriten für 2003. Viel hängt dabei jedoch davon ab, ob die Branchenschwergewichte Deutsche Telekom und France Télécom ihre Schulden wie versprochen senken können.

FRANKFURT/M. Wenn es um Telekomanleihen geht, sind sich Experten weitgehend einig. "Die gesamte Branche sollte sich im nächsten Jahr besser entwickeln als andere Unternehmensbonds", sagt Stephan Michel, Kreditanalyst bei Barclays Capital. Auch seine Kollegen etwa von JP Morgan, BNP Paribas, Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW), Deutscher Bank oder Bear Stearns meinen, dass Telekomanleihen im nächsten Jahr gut abschneiden werden. Der fortschreitende Schuldenabbau der Unternehmen sollte die Bonds beflügeln, heißt es.

Das Problem: Auch Anfang diesen Jahres waren sich die Experten einig und hatten Telekombonds auf ihren Empfehlungslisten. Auch damals wog das Argument des Schuldenabbaus schwer. Doch Telekomanleihen haben sich in diesem Jahr nicht gut entwickelt. Die Renditeaufschläge (Spreads) der Bonds gegenüber Staatsanleihen sind seit Jahresanfang kräftig auf inzwischen 185 Basispunkte gestiegen. Renditen und Spreads von Anleihen steigen,wenn die Kurse der Bonds sinken.

Worldcom-Debakel sorgte für falsch Prognosen

Schuld an den falschen Prognosen war unter anderem das Debakel um den US-Telekomkonzern Worldcom. Als das Unternehmen im Juni Bilanzfälschungen zugab und damit die Krise um Worldcom ihren Höhepunkt erreichte, liefen die die Spreads aller Telekombonds kräftig auseinander. Außerdem kamen die Branchenschwergewichte Deutsche Telekom und France Télécom mit ihrem Schuldenabbau nicht wie geplant voran.

Die schlechte Verfassung der Aktienmärkte ließ etwa den geplanten Börsengang der Telekom-Tochter T-Mobile scheitern. France Télécom geriet unter anderem wegen des Streits mit der deutschen Beteiligung Mobilcom in Misskredit. Den Konflikt mit dem Mobilfunkanbieter haben die Franzosen inzwischen beigelegt - mit dem Ergebnis: Der französische Telekomkonzern hat den Großteil der Verbindlichkeiten von Mobilcom übernommen.

"Von der Entwicklung von France Télécom und Deutscher Telecom wird auch im nächsten Jahr viel abhängen", sagt Barry Murphy von Bear Stearns. "Wenn sich diese beiden Unternehmen erholen, sollte davon die ganze Branche profitieren." Dabei bewertet er die Aussichten für beide Unternehmen positiv. France Télécom will Anfang Dezember die Pläne für den Abbau des Schuldenbergs von 70 Mrd. Euro konkretisieren. Analysten hoffen auf eine Kapitalerhöhung, staatliche Überbrückungskredite oder die Veräußerung von Vermögenswerten.

Die Deutsche Telekom hat Anfang November erklärt, sie wolle die Verschuldung bis Ende 2003 auf das Dreifache des operativen Ergebnisses senken. Derzeit sind die Schulden viermal so hoch wie das operative Ergebnis. Die Ratingagentur Standard & Poor?s gibt der Telekom sogar Zeit bis 2004, um dieses Ziel zu erreichen. Sie will die Ergebnisse zwar vierteljährlich überprüfen, sieht die Bonitätsbewertung der Deutschen Telekom - wie die aller großen europäischen Telekomfirmen - aber als stabil an. Moody?s bemängelt dagegen den mangelnden Erfolg des bisherigen Schuldenabbaus und überprüft derzeit das Rating der Telekom.

Dass die Reduzierung von Verbindlichkeiten trotz schwierigem wirtschaftlichen Umfeld möglich ist, haben in diesem Jahr unter anderem British Telecom und die niederländische KPN gezeigt. KPN senkte die Schulden drastisch durch die Ausgabe neuer Aktien, British Telecom gliederte das Mobilfunkgeschäft aus. Die Bonds von British Telecom und KPN haben sich in diesem Jahr überdurchschnittlich gut entwickelt. "Sie gelten als sicherer Hafen innerhalb der Telekombranche", sagt Michel von Barclays Capital. Auch im nächsten Jahr sollte dies der Fall sein. Die Bonds von France Télécom und Deutsche Telekom sollten sich aber besser entwickeln als diese beiden Unternehmen, wenn sie den Schuldenabbau schaffen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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