British Telecom wittert Kaufchancen
BT: UMTS-Auktionen Gelegenheit für Übernahme

British Telecom wird seit Monaten kritisiert: Der ehemalige Monopolist reagiere zu langsam, verpasse die Abspaltung von Unternehmensteilen und verfolge die falsche Expansionspolitik in Europa. Europachef Pat Gallagher glaubt dennoch, dass British Telecom den richtigen Weg verfolgt

LONDON. Der Aktienkurs schwächelt seit Monaten, Presse- und Analystenberichte sind meist negativ. Trotzdem geben sich die Verantwortlichen von British Telecom (BT) betont gelassen. So sieht auch Pat Gallagher, Europachef des Unternehmens, sein Unternehmen auf dem richtigen Weg. BT habe im letzten Quartal ein "phänomenales Umsatzwachstum" von 36 % und immerhin einen Vorsteuergewinn von 561 Mill. £ verzeichnet. Dass der Gewinnrückgang nicht so stark ausgefallen sei wie erwartet, gebe ihm weitere Zuversicht, sagte Gallagher im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Gleichwohl reagierte der Aktienkurs von BT am Tag der Veröffentlichung der Zahlen mit einem Rückgang - wie so oft in diesem Jahr. Die Titel des 1984 privatisierten, ehemaligen Monopolisten sind seit Anfang des Jahres um mehr als 42 % gefallen.

Die schlechte Meinung an den Märkten hat mehrere Ursachen. Neben der starken Konkurrenz auf der Insel zählen dazu viele hausgemachte Gründe. So gestaltet sich nach Ansicht von Marktbeobachtern die Europaexpansion weniger effizient als bei europäischen Konkurrenten. Während Deutsche Telekom (mit One2One) und France Télécom (mit Orange) die Mehrheit an Partnern übernehmen, setzt BT bislang vor allem auf Minderheitsbeteiligungen. Gallagher verteidigt diese Strategie. Mit kleinen Anteilen begnüge man sich, um Verluste zu minimieren. "Wir streben jedoch immer die strategische Führung in den Unternehmen an." Zudem "haben wir schon vor drei Jahren angefangen, uns in Europa zu positionieren. Wir müssen nicht erst jetzt beginnen."

Das zahle sich bei der Vergabe von UMTS-Lizenzen bereits aus, weil einige europäische Partner Anteile abgeben könnten: "Wer weiß, ob alle bereit sind, die finanziellen Belastungen zu tragen, die sich aus dem Erwerb ergeben?" fragt er. Ob Gallagher damit auch einen künftigen Erwerb des 45 %-Anteils von Eon an der gemeinsamen Tochter Viag Interkom meint, ließ er offen: "Wir hoffen, dass sie im Telekom-Bereich bleiben. Wenn sie aber gehen wollen, halten wir sie nicht auf." Zur Versteigerung von UMTS-Lizenzen in Deutschland, die heute beginnt, sagte Gallagher lediglich: "Ich hoffe auf einen fairen Preis, der sowohl der Regierung genug Geld bringt als auch das neue Geschäft nicht gleich zerstört."

Dass sein Unternehmen bei Anteilsverkäufen europäischer Joint-Venture- Partner das Recht des ersten Zugriffs nutze, habe sich bei NS Telfort gezeigt. BT hat die niederländische Mobilfunkgesellschaft kürzlich vollständig übernommen. Die Miteigentümerin Nederlandse Spoorwegen hatte ihren 50-%-Anteil noch vor dem Erwerb der UMTS-Lizenz abgegeben, um sich auf ihr Kerngeschäft als Eisenbahngesellschaft zu konzentrieren.

Der ebenfalls starken Kritik an verkrusteten Strukturen trat BT im April mit dem Plan für einen radikalen Konzernumbau entgegen. Das Regionalprinzip wurde aufgehoben. Nun wird das Unternehmen in "Wachstumsbereiche" und "Festnetz" unterteilt. Gallagher sieht erste Erfolge. "Wir wollen 3 000 Mitarbeiter aus dem mittleren Management einsparen. Jetzt sind wir bei 2 200 angelangt."

Verstehen können viele Beobachter auch nicht, warum BT nicht, wie andere europäische Telekoms, Töchter an die Börse bringt. Bislang ist offiziell nur das Going-Public von Yell (Gelbe Seiten) geplant. "Wir werden in den nächsten sechs Monaten entscheiden, ob wir weitere Spinoffs an die Börse bringen", sagt Gallagher. Spekulationen in den britischen Medien, der ehemalige Monopolist könne sein britisches Festnetzgeschäft abspalten, wies BT zurück. Marktbeobachter erwarten, dass BT die Wachstumsbereiche Cellnet (Mobilfunk) oder Openworld (Internet) auslagern wird.

Zu Abspaltungen äußerte Gallagher sich differenziert. BT solle nicht zersplittert werden. Gründe für Spinoffs und Börsengänge seien aber vorhanden, etwa "frisches Geld und Akquisitionswährung". Man müsse den richtigen Zeitpunkt für einen Börsengang abpassen. "Wir wollen erfolgreich platzieren." Das sei in dem volatilen Umfeld nicht gewährleistet. Als schlechtes Beispiel nannte er den Börsengang von T-Online.

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