Britta Steffen
Die Blockade im Kopf besiegen

Britta Steffen ist die zweitschnellste Frau der Welt über 100 Meter Freistil und die letzte DSV-Medaillenhoffnung. Über ihre Paradedisziplin soll sie die Ehre der deutschen Schwimmer retten. Das könnte sie schaffen – wenn sie den Kopf frei bekommt.

PEKING. Als Britta Steffen am Donnerstagmorgen Pekinger Zeit der Einzug in den Endlauf um Gold gelungen war, machte sie sich klein wie eine Maus - doch Sportdirektor Örjan Madsen traut dem deutschen Schwimm-Star auf der letzten Etappe zum Olympiasieg den großen Coup zu. „Britta hat im Halbfinale gepokert“, behauptete Madsen und bekräftigte: „Sie ist in der Lage Weltrekord zu schwimmen.“

Laut Madsen will die 24 Jahre alte Berlinerin im wichtigsten Rennen ihrer Karriere lieber auf einer äußeren Bahn starten und hatte deshalb etwas Tempo rausgenommen. „Und so etwas macht man nur, wenn man sich stark fühlt. Sie ist körperlich absolut fit und auch mental stabil“, erklärte der Sportdirektor und Cheftrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV).

Steffen versuchte in den Katakomben des „Wasserwürfels“ dagegen den Eindruck zu erwecken, als traue sie sich gar nichts zu. „Ich denke, dass Lisbeth Trickett uns im Endlauf alle in Grund und Boden schwimmen wird“, sagte die WM-Dritte über die Weltmeisterin und Weltrekordhalterin aus Australien.

Schon nach ihrem Vorlauf über 100 Meter Freistil steigt Britta Steffen aus dem Wasser und sagt, sie sei sehr "unrund" geschwommen. Und dass sie störe, "dass die anderen so schnell anschwimmen". Sie sei es nicht gewohnt, bei der Wende hinten zu sein.

Britta Steffen lag bei der Wende nach 50 Metern auf Rang sieben, und man musste ernsthaft fürchten, dass die einzige Top-Athletin des Deutschen Schwimmverbandes nicht einmal den Vorlauf übersteht. Zwar hatte sie als Zweite das Rennen beendet, aber dann sagt sie, dass sie froh sei, weiter zu sein.

Die 100 Meter Freistil sind Steffens Paradestrecke. Es braucht diesen Hinweis, um die ganze Verunsicherung der Berlinerin zu verstehen. Bis zum 27. März hielt sie den Weltrekord. Doch dann unterbot sie die Australierin Lisbeth Trickett. Seither weiß Steffen nicht mehr, wozu sie bei Olympia fähig ist: "Das hat mich schockiert", sagte sie damals. "Da habe ich mich erst mal ganz klein gefühlt."

Taktisches Geplänkel oder nicht – fest steht, dass Steffen mit angezogener Handbremse in 53,96 Sekunden als Sechste in den Endlauf schwamm. Ihre große Rivalin Trickett entging dagegen nur knapp und mit viel Glück dem Aus im Halbfinale, weil die Chinesin Pang Jiaying als Schnellste wegen eines Frühstarts disqualifiziert wurde.

Fakt ist: Offiziell ist Britta Steffen noch immer die zweitschnellste Frau der Welt über diese Distanz, die schnellste in Europa, und die Staffel ist sie am Sonntag in olympischem Rekord angeschwommen. Nur schwammen die anderen nach ihr. Zwar zählen deren Zeiten nicht offiziell, für Steffen haben sie gleichwohl Bedeutung. Sie hat gesehen, dass nicht nur Trickett (52,34), sondern auch die Holländerin Marleen Veldhuis (52,58), die Chinesin Jiaying Pang (52,69) und selbst die 41-jährige Amerikanerin Dara Torres (52,44) womöglich schneller sein werden als sie.

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