Broadvision und negative Vorgaben belasten Kurse
Neuer Markt erholt sich leicht

Nach einem schwachen Handelsstart konnten die Indizes am Neuen Markt ihre Verluste bis zum Mittag zum Teil wieder abbauen.

Reuters FRANKFURT. Die deutschen Wachstumstitel haben sich zum Wochenschluss im Sog von Kursverlusten des Marktschwergewichts Broadvision leichter präsentiert. Nach einem schwachen Handelsstart konnten die Indizes am Neuen Markt ihre Verluste allerdings bis zum Mittag zum Teil wieder abbauen. Der Nemax-All-Share-Index lag am Freitag bis gegen 14.00 Uhr MEZ 3,35 % im Minus bei rund 2756 Punkten, während der Blue-Chip-Index Nemax-50 4,4 % auf 2723 Zähler einbüßte.

"Nach den Broadvision-Geschäftszahlen war der Markt heute Morgen furchtbar erschrocken", sagte ein Händler. Nach Vorlage negativer Quartalszahlen rutschte die Aktie gleich nach Handelsbeginn um mehr als 25 % und zog damit den Nemax-50 um knapp sieben Prozent in die Tiefe.

Broadvision hatte am Donnerstag nach Börsenschluss mitgeteilt, im vierten Quartal einen Pro-forma-Gewinn von 4,5 Mill. $ gegenüber 8,1 Mill. $ im Vorjahreszeitraum verbucht zu haben. Die Broadvision-Aktie verlor bis zum Mittag rund 23 % auf 12,95 Euro. Anfang Januar hatte das Papier bei 8,69 Euro ein Zwölfmonats-Tief erreicht. Im März vergangenen Jahres markierte die Aktien ihren bisherigen Höchststand bei 100,23 Euro.

Von der Talfahrt der Broadvision-Aktie sei auch das Marktschwergewicht Intershop in Mitleidenschaft gezogen worden, sagten Händler. Die Aktie verlor mehr als sechs Prozent.

Ebenfalls im Abwind lagen T-Online mit 5,6 % auf 14,16 Euro. Händler führten die Kursbewegung auf eine Herunterstufung durch die Investmentbankt Merrill Lynch zurück, nachdem T-Online, am Mittwoch negative Geschäftszahlen veröffentlicht hatte.

Neben Geschäftszahlen von Broadvision trübten eine Reihe von Gewinnwarnungen die Stimmung am Neuen Markt, hieß es. Das US-Internet-Unternehmen Excite-At-Home hatte am Donnerstag nach Börsenschluss in den USA eine Gewinnwarnung für das erste Quartal veröffentlicht. Der US-Chiphersteller PMC-Sierra hatte ebenfalls eine Gewinnwarnung bekannt gegeben. Am Freitagmorgen hatte der schwedische Telekomausrüster LM Ericsson mitgeteilt, im Schlussquartal 2000 einen deutlichen Gewinnrückgang vor Steuern verzeichnet zu haben. Zugleich kündigte der schwedische Konzern mit der Auslagerung seiner Handyproduktion die Streichung von mehreren tausend Arbeitsplätzen an.

New York schloss uneinheitlich

Die New Yorker Aktienmärkte haben am Donnerstag uneinheitlich geschlossen. US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte zuvor Unterstützung für die Steuersenkungspläne des amerikanischen Präsidenten Georg W. Bush signalisiert, was Händlern zufolge vor allem einigen Standardwerten Auftrieb gab. Der Technologiesektor sei indessen nach der Warnung des weltweit größten Faserkabel-Netzwerkherstellers Corning vor einer Abschwächung des Telekommunikationsmarktes belastet worden. Der Nasdaq-Composite-Index schloss 3,67 % tiefer auf 2754 Punkten.

"Zum Ende der kommenden Woche dürfte die Stimmung am Neuen Markt besser werden", sagte ein Händler. "Man hat in der letzten Zeit gesehen, dass der Markt nicht mehr nachhaltig auf schlechte Unternehmensnachrichten reagiert, sondern sich schnell wieder fängt." Allerdings sei bei beiden Indizes des Neuen Marktes ein Widerstand bei 2800 Punkten gegeben. Man könne nicht erwarten, dass der Markt von einigen wenigen überkauften Aktien getragen werde, sondern müsse abwarten, bis Investoren auch andere Werte kauften, hieß es.

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