Brokat beantragt Insolvenzverfahren

Archiv
Brokat beantragt Insolvenzverfahren

Die Aktie des überschuldeten Finanzsoftwareherstellers Brokat AG ist am Freitag um 48 Prozent auf einen Tiefstand von 0,27 Euro eingebrochen, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, beim Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt zu haben.

Reuters/dpa FRANKFURT. Es bestehe derzeit keine realistische Chance mehr, die Überschuldung zu beseitigen, teilte das am Neuen Markt gelistete Unternehmen in einer Pflichtveröffentlichung mit. Die Verhandlungen mit den Gläubigern einer im Mai 2000 begebenen hochverzinslichen Anleihe seien gescheitert. Das operative Geschäft solle aus der ausgegliederten Brokat E Technologies GmbH-Finance & Co. KG heraus fortgeführt und damit die 150 Arbeitsplätze und Kundenbeziehungen gesichert werden. Brokat suche weiter nach einem Investor für die Tochter, hieß es. Volker Grub vom Insolvenzberatungsbüro Wellensiek Grub & Partner aus Stuttgart wird Insolvenzverwalter von Brokat, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Die Stuttgarter Gesellschaft hatte am 12. November mitgeteilt, überschuldet zu sein. Brokat-Sprecher Reiner Jung hatte damals im Anschluss an die außerordentliche Hauptversammlung gesagt, mit der Zustimmung der Aktionäre zum Sanierungskonzept im Rücken solle eine Einigung mit den Anleihegläubigern erzielt werden. Brokat habe keine andere Möglichkeit, der Überschuldung zu entkommen.

Verhandlungen mit Gläubigern

Der Finanzsoftwarehersteller hatte seit längerem mit den Gläubigern über eine Restrukturierung der Anleihe verhandelt, die nach Angaben des Unternehmens auch auf einen teilweisen Forderungsverzicht seitens der Gläubiger zielte. Brokat hatte dafür eine Barauszahlung von bis zu 60 Millionen Euro geboten und wollte es den Gläubigern ermöglichen, ihre restlichen Anteile gegen die Gewährung von jungen Brokat-Aktien als Sacheinlage in die Gesellschaft einzubringen. Die Anleihe mit einer Jahresverzinsung von 11,5 Prozent mit einem Volumen von ursprünglich 125 Millionen Euro läuft am 31. März 2010 aus. Ende August hatte Brokat mitgeteilt, Teile der Anleihe im Nennwert von 26,4 Millionen Euro zurückgekauft zu haben.

Die Brokat-Aktionäre hatten auf der außerordentlichen Hauptversammlung unter anderem der Gründung einer E-Finance-Tochter und verschiedenen Kapitalmaßnahmen zugestimmt. Den Verkauf des Mobile Business an das US-Unternehmen eOne Global hatten die Aktionäre auf Vorschlag des Aufsichtsrats abgelehnt. Die Transaktion war dann aber einige Tage später doch zu Stande gekommen, weil EOne nach Angaben von Brokat darauf verzichtet hatte, dass 80 Prozent der Anleihegläubiger dem Verkauf zustimmen müssen. Allerdings erzielte Brokat für sein Mobile-Geschäft nur einen Preis von 28,25 Millionen Euro und damit wesentlich weniger als die ursprünglich ausgehandelten 42 Millionen Euro. Durch den früheren Verkauf der US-Sparte Financial Applications erlöste Brokat Jung zufolge 17,6 Millionen Euro, hinzu waren 1,6 Millionen Euro Erlöse aus dem Verkauf von Gemstone und 18,1 Millionen Euro aus dem Verkauf von Personalisierungssoftware gekommen.

Umsatz gesunken

In den ersten neun Monaten war der Umsatz von Brokat früheren Angaben zufolge auf 45,4 Millionen Euro von 59,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum gesunken, das Nettoergebnis hatte sich wegen Sonderabschreibungen auf minus 970,6 Millionen Euro von minus 68,1 Millionen Euro verschlechtert. Bei liquiden Mitteln von 25,3 (Vorjahr: 115,365) Millionen Euro sank das Eigenkapital zum Ende September auf minus 75,89 (821,9) Millionen Euro und die Eigenkapitalquote damit bei einer Bilanzsumme von 74,61 (1 025) Millionen Euro auf minus 102 (80) Prozent. Zum 31. September 2001 weist Brokat in der Bilanz Verbindlichkeiten und Rückstellungen von 150,5 Millionen Euro aus.

Brokat hatte sich bei der Akquisition von Unternehmen übernommen und im August angekündigt, mit dem Verkauf von Geschäftsbereichen und einer deutlich verkleinerten Belegschaft sein Überleben zu sichern. Die Ende Juni 1 304 Mitarbeiter starke Brokat werde sich künftig mit rund 280 Angestellten auf das ursprüngliche Kerngeschäft E-Finance in Europa konzentrieren. Angesichts der schwachen konjunkturellen Entwicklung und hoher Integrationskosten für sieben übernommene Firmen habe Brokat die finanziellen Belastungen nicht mehr stemmen können, hatte es damals geheißen.

Die Brokat-Aktie wurde am Freitagmittag bei einem Plus von 1,92 Prozent auf 0,53 Euro wegen der Mitteilung vom Handel ausgesetzt und tendierte kurz nach Wiederaufnahme noch mit mehr als 30 Prozent im Minus bei 0,36 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%