Bronze im Eisschnelllauf: Nobody Boden holt erste Medaille für Deutschland

Bronze im Eisschnelllauf
Nobody Boden holt erste Medaille für Deutschland

Traumlauf ins "Bodenlose": Nobody Jens Boden hat zum Auftakt der Weltrekordhatz im Utah Olympic Oval mit dem Gewinn der Bonzemedaille im Eisschnelllauf für eine Sensation gesorgt.

dpa SALT LAKE CITY. Über 5 000 m bescherte der Dresdner dem deutschen Olympia-Team das erste Edelmetall in Salt Lake City und sorgte mit dem deutschen Rekord von 6:21,73 Minuten nach Bronze des Berliners Rene Schöfisch 1984 für die erst zweite Olympia-Medaille der Deutschen auf dieser Distanz.

Bei der Party kurz vor Mitternacht wurde der Strahlemann im Deutschen Haus mit Ovationen gefeiert und durfte sich zu später Stunde nicht nur sein angekündigtes "Bierchen", sondern auch einen Schluck Schampus gönnen. "Mann, war das ein stressiger Tag", meinte der Held, den am Morgen noch kaum einer gekannt hatte. Am Abend hatte er dann bei der Zeremonie auf dem "Medals Plaza" vor Rührung mit den Tränen gekämpft: "Den Tag werde ich nie vergessen".

Als einziger der favorisierten "fliegenden Holländer" war Europameister Jochem Uytdehaage mit dem hohen Erwartungsdruck zurecht gekommen. Er ließ die Oranjes in Weltrekordzeit von 6:14,66 Minuten ihr ersehntes zehntes Herren-Gold in der Olympia-Geschichte bejubeln. "Unglaublich, unbeschreiblich", suchte der 23-jährige Boden nach Worten und strahlte nach seinem ersten Rennen auf dem "Wundereis" von Salt Lake wie ein Glückskind: "Ich bin gelaufen wie in einem Tunnel. Es war ein Traum".

Der Sportsoldat, der bisher noch nie an einer Welt- oder Europameisterschaft teilnahm, hatte schon in der ersten Startgruppe frühzeitig eine Hausnummer vorgelegt, mit der er seine Bestzeit um sagenhafte 15 Sekunden drückte. Danach führte er fast zwei Stunden lang das Klassement an. "Ein Wahnsinn", war er fassungslos. Boden bescherte damit seinem Coach Klaus Ebert, der seit zwei Jahren auch Rekordweltmeisterin Gunda Niemann-Stirnemann betreut, die erste Olympia-Medaille nach 30 Jahren im Trainerjob. "Ich muss den Hut ziehen: Er war absolut cool, ist locker und ohne jeden Druck gelaufen. Einfach verkehrte Welt - eigentlich hatte ich die Medaille Frank Dittrich zugetraut", versuchte sich Ebert an einer Erklärung.

Der 34-jährige Dittrich hatte in seinem siebten Olympia- Rennen als 9. Edelmetall deutlich verpasst und muss nun zum Abschluss seiner Karriere auf die letzte Chance über 10 000 m hoffen. "Ich brauche Jahre, diesen Frust zu verarbeiten. Jetzt bin ich für die 10 000 m verunsichert", gestand der sechsmalige WM-Dritte, dessen deutschen Rekord Boden um 3,97 Sekunden in neue Dimensionen rückte. Missgunst gibt es durch den Husarenritt des Außenseiters aber keineswegs in der Trainingsgruppe. "Frank hat mir sofort gratuliert, und ich habe ihm die Daumen gedrückt, dass er meine Zeit noch erreicht", meinte Boden, der erst als Weltcup-12. von Heerenveen in letzter Sekunde den Sprung auf den Olympia-Zug geschafft hatte.

Als Nachfolger seines Zimmer-Mitbewohners im Olympischen Dorf will er sich noch nicht sehen, aber er sagt: "Es wäre schön, wenn keine Lücke entsteht". In den letzten zwei Jahren hatte Boden ein Tief durchquert und gestand, sogar an das Ende der Karriere gedacht zu haben. "Das war bodenlos", fand Verbands-Präsident Gerhard Zimmermann kaum Worte zur ersten deutschen Herren-Medaille seit dem Doppel-Gold von Uwe-Jens Mey und Olaf Zinke vor zehn Jahren in Albertville. Mit der insgesamt zehnten Olympia-Medaille deutscher Herren hatte Boden zudem für ein Jubiläum gesorgt. "Jens war die Überraschung des Tages", würdigte der niederländische Teamchef Ab Krook den Traumauftritt.

Ähnlich wie Boden stieg US-Boy Derek Parra wie "Phoenix aus der Asche" auf. Der 1500-m-Spezialist, der zur Eröffnung der Spiele die Ground-Zero-Flagge mitgetragen hatte, sorgte für Euphorie unter den 4 600 Fans, als er den Weltrekord von Nagano-Sieger Gianni Romme zwischenzeitlich auf 1:17,98 verbesserte und im Endklassement Zweiter wurde.

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