„Browser-Krieg“ mit Microsoft geht in neue Runde
AOL Time Warner klagt gegen Microsoft

Neuer Ärger für Bill Gates. Die AOL Time Warner Inc. hat am Dienstag zusammen mit ihrer Tochter Netscape Communications Corp. gegen Microsoft Corp. eine Kartellrechtsklage vor dem US-Bundesgerichtshof in Washington D.C. eingereicht.

bba/pos WASHINGTON. AOL fordert Schadensersatz, weil sich der US-Softwareriese gegenüber Netscape wettbewerbswidrig verhalten habe. Gleichzeitig sollen mit einer einstweiligen Verfügung weitere Wettbewerbsverstöße verhindert werden. Im Markt für Web-Browser solle es wieder Wettbewerb geben und bei PC auch andere Betriebssyste neben Windows eine Chance haben, fordert Netscape.

Netscape schließt sich in seiner Klage inhaltlich an das seit Mai 1998 laufende Kartellverfahren der US-Behörden gegen den Konzern von Bill Gates an. Microsoft, so der Vorwurf, habe in den späten neunziger Jahren im sogenannten "Browser-Krieg" versucht, den "Netscape Navigator" durch den "Internet Explorer" aus dem Geschäft zu drängen. Microsoft hatte den Internet Explorer verschenkt, als Netscape dringend darauf angewiesen war, mit Browser-Software Geld zu verdienen.

Alles fing damit an, dass Microsoft mit Sitz in Redmont im US-Bundesstaat Washington in die Entwicklung seines Internet Explorers zwar Millionen von Dollar gesteckt hatte. Dann das Produkt aber quasi verschenkte, indem man es fest in das Betriebssystem Windows integriere. Zu diesem Zeitpunkt hatte Netscape den Markt für Web-Browser noch fast vollständig dominiert. Am Ende wurde der finanziell ausgeblutete Internet-Pionier von AOL übernommen.

Jetzt droht Microsoft ein neuer jahrelanger Rechststreit. Der Software-Gigant scheiterte erst kürzlich beim Versuch, eine private Sammelklage von Kunden außergerichtlich beizulegen. Nun muss sich der Konzern wieder mühsam mit zahlreichen Einzelklägern auseinandersetzen. Die ziehen gegen Microsoft ebenfalls wegen wettbewerbsschädigender Geschäftspraktiken zu Felde, genau wie die EU-Kommission in einem eigenen Verfahren.

Netscape machte keine Angaben, wie hoch die Schadenersatzforderungen gegenüber Microsoft ausfallen werden. AOL-Sprecher John Buckley erklärte, die Forderungen würden erst im Prozess bekannt gegeben werden. AOL-Rechtsanwälte erklären hinter vorgehaltener Hand, es würden mindestens 12 Mrd. $ sein. Anwalt Richard Gray aus Silicon Valley vermutet, dass der Dauer-Verlierer Netscape jetzt nicht nur wegen des verlorenen Browser-Marktes klagen werde. "Das Unternehmen hat noch viel mehr Schlachten gegen Microsoft verloren", so Gray. Eine privatrechtliche Klage, wie von AOL oder auch von Sun Microsystems war in Branchenkreisen schon lange diskutiert worden.

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