Bruder Ralf will in Hockenheim „voll angreifen“
Schumi vor Heimrennen mit Gänsehaut

Gelassen, aber auch gespannt und mit Gänsehaut: Michael Schumacher durchlebt vor seinem Heimrennen auf dem Hockenheimring die unterschiedlichsten Gefühle.

HB/dpa STUTTGART. Dank seiner Spitzenposition und der wieder gewonnenen Stärke von Ferrari sieht der fünfmalige Formel-1-Weltmeister dem Großen Preis von Deutschland am Wochenende locker entgegen. Andererseits überwältigt die einmalige Atmosphäre beim alljährlichen "Schumi-Festival" den durchaus sensiblen Superstar immer wieder. "Die Stimmung dort war im vergangenen Jahr so fantastisch, dass ich jetzt noch eine Gänsehaut bekomme, wenn ich daran denke", sagte er.

Auch wenn der 12. Saisonlauf am Sonntag (Start: 14.00 Uhr/RTL und Premiere) keine Spazierfahrt und überschäumende Titelfete wie im Vorjahr wird, empfindet Schumacher pure Vorfreude. "Die Tatsache, dass ich diesmal nicht als Weltmeister nach Hockenheim komme, ändert daran nichts - das war im letzten Jahr eine Ausnahme, und dessen war ich mir immer bewusst", erklärte der Rheinländer in einem dpa- Interview. "Diesmal habe ich sieben Punkte Vorsprung, gut so. Freuen wir uns also auf ein spannendes Rennen."

Für Spannung ist angesichts des relativ eng zusammen liegenden Führungsquartetts und des ausgeglichenen Kräfteverhältnisses zwischen den drei Top-Teams gesorgt. WM-Spitzenreiter Schumacher (69 Punkte) räumt McLaren-Mercedes-Mann Kimi Räikkönen (62) sowie dem Williams- BMW-Duo Juan Pablo Montoya (55) und seinem Bruder Ralf (53) gute Möglichkeiten ein. "Noch gibt es für mich keinen "schärfsten" Rivalen. Alle sind stark, und alle haben ihre Chancen", urteilte der 34-Jährige. Zuletzt habe die Tendenz eher für die Weiß-Blauen gesprochen. "Aber von den Punkten her ist Kimi noch immer mein härtester Gegner, und die Punkte Vorsprung, die er vor den anderen Fahrern hat, sind in diesem Jahr schwer aufzuholen."

Ralf Schumacher, der nach seinem Nuller von Silverstone etwas an Boden eingebüßt hat, will "auf dem Hockenheimring voll angreifen". Keck kündigte der Kerpener, der hier 2001 gewonnen hat, dem großen Bruder einen Kampf auf Biegen und Brechen an: "Die Gedanken an die WM sind weit, weit weg, aber bei meinem Heimrennen will ich um den Sieg mitfahren." Und Räikkönen relativierte seinen Rückstand. "Es sind nur sieben Punkte und noch stehen fünf Grand Prix aus", rechnet sich der Finne gute Chancen im Titelrennen aus.

Schon in Hockenheim könnte Räikkönen, der in dieser Saison schon sechs Grand Prix lang an der Spitze stand, seinen rheinländischen Rivalen vom Platz an der Sonne verdrängen: Er müsste acht Punkte mehr als dieser holen. Angesichts von Schumachers bisher bescheidener Bilanz kein Ding der Unmöglichkeit. Erst zwei Mal (1995 und 2002) gewann der 68-malige Grand-Prix-Sieger hier. "Bisher lief es gerade mit Ferrari in Hockenheim meistens irgendwie gegen uns", räumte er ein. "Vielleicht ist ja im vergangenen Jahr der Knoten geplatzt, wünschen würde ich es natürlich. Ich würde gerne meine Bilanz dort verbessern." Ein Sieg am Sonntag wäre zugleich ein ganz besonderes Jubiläum: der 50. Triumph mit Ferrari.

Grund zu Zuversicht gibt Schumacher der Erfolg seines Teamkollegen Rubens Barrichello beim jüngsten Chaos-Rennen in England. Voraussagen seien zwar sehr schwierig, "aber mit Sicherheit hat Silverstone gezeigt, dass wir unsere kurze Schwächephase überwunden haben und im Titelrennen wieder voll dabei sind", meinte er.

So weit aus dem Fenster lehnen wie sein notorisch optimistischer Manager Willi Weber, der felsenfest vom sechsten Titelgewinn seines Schützlings überzeugt ist, will sich Schumacher aber nicht. "Willis Meinung in Ehren, aber so lange ich den Titel nicht in der Tasche habe, habe ich permanent Zweifel", sagte er. "So bin ich nun mal, das liegt in meinem Naturell. Ich hinterfrage mich ständig. Meine Erfahrung ist: wer sich nicht hinterfragt, hat keinen Erfolg."

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