Brüderlich vereint
Aldi-Story Teil V: Die Meister des Versteckspiels

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Mit Konserven und Butter, später auch mit Schampus und Computern sind die Albrechts reich geworden. Zu ihrer liebsten Rechtsform kürten die Konzernverhinderer die GmbH & Co. KG. Heute firmieren rund 60 regionale Niederlassungen mit jeweils 50 bis 80 Geschäften unter diesem Kürzel. Als Komplementär übernimmt dabei stets eine in der Region eingetragene GmbH die persönliche Haftung - unter dem Namen des jeweiligen Geschäftsführers, der für den Kleckerbetrag von 250 Euro einsteigt. Als Dienstleistungszentrale für die Regionalgesellschaften bastelten sich die Meister des Versteckspiels noch eine Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG dazu und fertig war der Handelsgigant, der bis 2000 Marktforscher und Journalisten stets zu den gleichen Fußnoten zwang: "Alle Angaben ohne Aldi".

Mit den schärferen Publizitätspflichten müssen aber Heimlich & Co. die Karten aufdecken. Was Branchenkenner über Jahrzehnte vermutet hatten, wurde Gewissheit. Aldi ist hoch profitabel. Sogar im Jahr 2000, das durch Preisschlachten zwischen Aldi, seinem Erzfeind Lidl, dem US-Eindringling Wal-Mart und der Rewe-Gruppe der Branche kräftige Ertragseinbußen beschert hatte, wuchs Aldi zweistellig und erzielte einen Gewinn von einer halben Milliarde Euro.

Die beiden Geheimniskrämer haben ihre Unternehmen fast spiegelbildlich konstruiert und auch ihr Privatvermögen und ihre Unternehmensanteile in weitverzweigten Familienstiftungen gebunkert. Im Süden bringt Karl die Siepmann-Stiftung ins Spiel (deren Zweck ist laut amtlicher Bekanntmachung: "die gemeinsamen Interessen der Angehörigen der Familie Albrecht zu wahren und zu fördern"), im Norden Theo seine Markus-Stiftung. Diese dienen jedoch keineswegs der Gemeinnützigkeit, sondern als Nebelkerzen für Vermögenstarnung, oder wie es Hannes Hintermeier in seinem Buch "Die Aldi-Welt" treffend formuliert: "Stiftungen sind vielfach Schutz vor ungewollten Blicken - die Thuja-Hecken der Superreichen." Mit den Stiftungen jedenfalls können die Brüder nicht nur vortrefflich Steuern sparen. Die Wirtschaftswoche zitierte 1992 einen Vertrauten Theo Albrechts mit der Aussage, per Stiftung solle verhindert werden, "dass die Junioren das eindrucksvolle Denkmal verscherbeln".

Beruflich gingen sich die Brüder stets aus dem Weg - nicht nur im Heimatland. Karl führte den Süden nach Österreich, Großbritannien, den USA und Irland und zuletzt auch nach Australien und Neuseeland, während Theo Kontinentaleuropa von Spanien bis Dänemark mit seinen Funktionsbauten zupflasterte.

Dennoch pflegen die beiden ein gemeinsames Hobby: Golfen. Schon lange vor dem Golfboom baute und finanzierte Karl 1976 den Golfclub Öschberghof bei Donaueschingen. Zunächst als gemeinnütziger Verein organisiert, wurden Club und angeschlossenes First-Class-Hotel später zum Wirtschaftsunternehmen unter der Leitung von Winfried Goetsch, der zugleich Präsident des Golfclubs ist. So wollte Karl ausschließen, dass ihm seine Golfaktivitäten irgendwann vom Finanzamt als Liebhaberei ausgelegt würden.

Privat sollen sich Karl und Theo nicht mehr viel zu sagen haben, seit jenem Zwischenfall vor drei Jahren. Damals hatte sich Aldi Nord in den besagten Preiskrieg mit Wal-Mart gestürzt, obwohl Süd-Chef Ulrich Wolters die Nord-Kollegen zur Vernunft gemahnt hatte. Doch sein Nord-Pendant Wiesemann musste sich dem Diktat des Seniors beugen, senkte die Preise und verpulverte so Millionen Mark. Notgedrungen musste Aldi Süd mitziehen. Seitdem, so heißt es, reden die Senioren nicht mehr miteinander.

Wiesemann widerspricht: "Die Beziehungen zwischen Nord und Süd laufen störungsfrei. Da ist viel hineininterpretiert worden. Es gibt einen uneingeschränkten Informationsaustausch." Theo und Karl sind also brüderlich vereint. Nicht nur in der jährlichen Rangliste der Superreichen.

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