Brüssel bringt Bewegung in den Kraftfahrzeug-Handel
Autohersteller durchforsten ihre Vertriebsnetze

Die Liberalisierung des EU-Autohandels zeigt erste Auswirkungen. Die zwingende Neugestaltung der Verträge wird von den Autoherstellern genutzt, um ihr Vertriebsnetz zu verkleinern.

hof FRANKFURT/M. Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen AG hat gestern angekündigt, die Verträge mit seinen rund 8 500 Händlern und Werkstätten für die Marken VW, Audi, Skoda und Seat europaweit zu kündigen. Damit folgt er dem Beispiel von Konkurrenten wie Opel, Peugeot und Porsche.

Anlass sind die von der EU abgesegneten und ab dem 1. Oktober gültigen Neuregelungen für den Autohandel in Europa. Dagegen verstoßen Teile der bisherigen Vertragsinhalte. Neue Verträge zwischen Herstellern und Händlern sind also zwingend. So ist bei der Neugestaltung der so genannten Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) beispielsweise ein Gebietsschutz für die Händler nach einer Übergangszeit nicht mehr zulässig. Außerdem können Händler künftig mehrere Marken gleichzeitig vertreten.

Die Automobilhersteller werden in den Neuverhandlungen aber nicht nur die Verträge den neuen Vorschriften anpassen - sie werden sie auch nutzen, um seit Jahren laufende Strukturänderungen in den Vertriebsnetzen zu beschleunigen, glauben Marktbeobachter. Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), geht davon aus, dass sich die Zahl der Standorte kaum verringern wird. Allerdings dürfte die Zahl der Händler weiter sinken.

Hersteller-Standards als k.o.-Kriterium

Die Konzentration im Auto-Handel wird zunehmen, glaubt auch Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen. In Deutschland werden an 23 000 Händler-Standorten etwa 3,3 Millionen Fahrzeuge im Jahr verkauft. Zum Vergleich: In den USA bringen 22 000 Händler 16,5 Millionen Autos jährlich an ihre Kunden.

"Interessant wird es, wenn die Hersteller ihre Standards für die Händler definieren", konstatiert ZDK-Sprecher Blümer. Die Standards könnten so ausformuliert sein, dass einige Händler kapitulieren müssen, weil sie zu hohe Investitionen scheuen oder nicht verkraften können.

Ein VW-Sprecher betonte gestern jedoch ausdrücklich, dass dies nicht Ziel der Vertragsneuverhandlungen sei: "Der Konzentrationsprozess läuft unabhängig davon." So hatte VW bereits angekündigt, die Zahl der Partner bis 2004 um 400 auf 2 300 verringern zu wollen. BMW kommt nach Schätzungen von CAR mit etwa 700 Standorten aus, Mercedes mit etwa 130 Händlern und 430 Werkstätten.

Andere Hersteller werden nachziehen

Über Standards und Inhalte der neuen Verträge wollte VW noch nichts sagen. Dazu müssten die Gespräche mit den Händlerverbänden und den einzelnen Händlern abgewartet werden, hieß es in Wolfsburg. Ziel sei es, europaweit hohe Qualitätsstandards zu gewährleisten, die auch auf neue Partner angewandt werden können. "Theoretisch gibt die neue GVO den Händlern mehr Rechte. Aber letztlich sitzen die Hersteller am längeren Hebel", räumt Blümer ein. Doch beide Seiten befänden sich zurzeit wegen der schwachen Konjunktur in keiner sehr komfortablen Situation.

Die Liste der Hersteller, die ihren Händlern die Kündigung ins Haus schicken, ist noch nicht vollständig - entsprechende Schreiben dürften auch von den restlichen Firmen nicht mehr lange auf sich warten lassen. Vor dem Volkswagenkonzern hatten nach Informationen des ZDK bereits Porsche, Saab, Volvo-Pkw, Jaguar und Chrysler die Verträge zum Jahresende 2002 gekündigt; im Laufe des nächsten Jahres laufen die Vereinbarungen bei Opel und Subaru aus. Auch der Fiat-Konzern hatte einen solchen Schritt für die kommenden Wochen angekündigt. Ob bei Ford die Verträge gekündigt werden, ist noch vollkommen offen. "Wir sind noch in Gesprächen mit den Händlerorganisationen", hieß es dazu in Köln. Ford habe das Händlernetz bereits in den vergangenen Jahren deutlich optimiert, sagte ein Sprecher.

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