Brüssel fordert höhere Eigenmittel
EU-Richtlinien lassen Versicherer kalt

Die deutschen Versicherer haben mit den neuen Eigenmittel-Vorschriften aus Brüssel kein Problem. Die EU-Richtlinien sehen ab 2004 zwar höhere Mindest-Eigenmittel vor (Handelsblatt, 15.2. 2002). Doch die Anhebung werten Branchenvertreter als moderat; betroffen sind vor allem Schaden- und Unfallversicherer.

rl DÜSSELDORF. Sie sollen mindestens 16 bis 18 % der Beitragseinnahmen (Beitragsindex) oder 23 bis 26 % der Schadenbelastung (Schadenindex) an Eigenmitteln vorhalten. Dabei wurden die Schwellen für die Anwendung der jeweiligen Prozentsätze heraufgesetzt. Allerdings haben 97 % der 240 Unternehmen ohnehin mehr Kapital als nötig in der Bilanz stehen. Dies ergab der Geschäftsbericht des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungswesen (BAV 2000 Teil A). Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht daher keine Probleme mit den Richtlinien. Hans-Jürgen Säglitz, im GDV für Eigenkapitalfragen zuständig, erklärt: "Das tut dem Markt nicht weh." Das gelte für Aktiengesellschaften, für Versicherungsvereine und öffentlich-rechtliche Versicherer. Vereine und Öffentliche sind bei der Bildung von Eigenkapital auf Gewinnthesaurierung angewiesen. Vertreter der Gruppen bestätigen jedoch gegenüber dem Handelsblatt, dass die Gesellschaften meist überdurchschnittlich kapitalisiert seien.

Für Lebensversicherer ändert sich im Wesentlichen der Mindestgarantiefonds, was praktisch nur Neugründungen betrifft. Diese müssen künftig mindestens ein Gründungskapital von 3 Mill. (bisher 800 000 Ecu/Euro) vorweisen. Bestehende Lebensversicherer dürfen nicht darunter sinken. GDV-Mann Säglitz: "Wir sehen das als vernünftig an." Laut BAV-Geschäftsbericht lagen 1999 ohnehin 90 % der 119 Lebensversicherer über den Mindest-Anforderungen. "Wir haben damit kein Problem", heißt es beispielsweise bei der zweitgrößten Versicherungsgruppe Ergo. Auch der Chef der Karlsruher Leben, Bernhard Schareck, meint: "Das bewegt sich in dem erwarteten Rahmen."

Aber es gibt auch Kritik: "Die wesentlichen Probleme der Lebensversicherer, die Risiken der Kapitalanlage, werden von diesen Vorschriften nicht erfasst", meint Reiner Will von der Ratingagentur Assekurata.

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