Brüsseler Kommission folgt den Gesundheitsempfehlungen von Sachverständigen
EU bleibt bei Hormonfleisch hart

Die Brüsseler Kommission hält am Importverbot für hormonbehandeltes Rindfleisch fest. Damit dürften auch die Strafzölle, die die USA und Kanada verhängt haben, bestehen bleiben.

BRÜSSEL. Der Verzehr hormonbehandelten Rindfleischs kann ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen. Dies ist seit gestern offizielle Position der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde nahm eine entsprechende Empfehlung ihres wissenschaftlichen Beratergremiums an.

Der Ausschuss, dem 19 europäische Veterinärmediziner angehören, kam nach mehrmonatigen Beratungen und nach der Auswertung von insgesamt 17 Gutachten zu dem Urteil, dass Wachstumsförderer bei Rindern die Gesundheit der Verbraucher gefährden. Insbesondere der bislang fehlende Beweis für die krebsfördernde Wirkung der Hormonsubstanz 17-beta-Östradiol liegt nach Angaben eines Kommissionssprechers nunmehr vor.

Auf der Basis der jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse will die Behörde vorschlagen, 17-beta-Östradiol in der Tiermast endgültig zu verbieten. Die derzeitigen Verwendungsverbote für fünf weitere Hormone in der Rinderzucht (Testosteron, Progesteron, Trenbolonacetat, Zeranol und Melengestrolacetat) sollen nach Ansicht der Kommission aufrecht erhalten bleiben, "bis noch umfassendere wissenschaftliche Informationen vorliegen".

Handelspolitisch ist die Entscheidung der Kommission, dem Votum ihres Beratungsausschusses zu folgen, von erheblicher Tragweite. Denn nunmehr ist auszuschließen, dass die EU in naher Zukunft ihre Märkte für hormonbehandeltes US- Rindfleisch öffnet. Die Welthandelsorganisation WTO hatte die USA und Kanada im vergangenen Juli ermächtigt, zum Ausgleich für entgangene Umsätze in Europa 100-prozentige Strafzölle auf Agrarerzeugnisse aus der Europäischen Union im Umfang von 127 Mill. $ pro Jahr zu erheben. Die WTO-Schiedsrichter warfen der EU vor, ihre Entscheidung von 1988, den Binnenmarkt für US-Hormonfleisch zu sperren, bislang wissenschaftlich nicht ausreichend untermauert zu haben. Nach Brüsseler Lesart ist für diese Begründung der zollpolitischen Strafaktion gegen die Gemeinschaft seit gestern die Grundlage entzogen. "Wir sind jetzt WTO - kompatibel", sagte ein Sprecher von EU-Kommissar Pascal

Die Kommission hatte in der Vergangenheit stets versichert, das Einfuhrverbot nicht aus protektionistischen Gründen, sondern ausschließlich unter gesundheitspolitischen Aspekten verhängt zu haben. Dafür lieferten die Veterinärmediziner nach Überzeugung der Brüsseler Behörde nun den letzten Beleg.

Das jüngste Votum der europäischen Veterinärmediziner dürfte die amerikanische Gesundheitsbehörde herausfordern, mit neuen Analysen ihre eigene Überzeugung zu untermauern, wonach der Genuss hormonbehandelter Steaks gesundheitlich unbedenklich ist.

Der eklatante Gegensatz zwischen den Warnungen der europäischen Experten und der Haltung amerikanischer Hormon-Forscher verunsichert nach Überzeugung von Verbraucherschützern diesseits und jenseits des Atlantiks zunehmend die Konsumenten. Der Deutsche Bauernverband nahm den Hormonstreit bereits zum Anlass, eine internationale Gesundheitsbehörde zu fordern, die weltweit gültige Standards festsetzt.

Derzeit exportieren die Amerikaner auch kein hormonfreies Rindfleisch in die EU. Nach Brüsseler Auffassung reichen die US-Methoden zum zweifelsfreien Ausschluss einer Hormonbehandlung bislang nicht aus. Die EU-Kommission und Washington verhandeln noch über die Anwendung neuer Tests zum Nachweis garantierter Hormonfreiheit. Brüssel ist bereit, die Importquoten für hormonfreies amerikanisches Fleisch zu verdoppeln, wenn Washington die Strafzölle aufhebt.

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