Bruno Steinhoff führt den zweitgrößten Möbelhersteller Europas
Der rustikale Möbel-Fabrikant

Zwischen Schrankwänden aus Eiche rustikal und modernen Sitzmöbeln der Marke "Dieter Knoll" läuft Bruno Steinhoff zu Hochform auf. Der 65-Jährige streicht sich sein graues, volles Haar zurück, wirbelt von Sessel zu Regalwand in den Ausstellungsräumen seines Unternehmens und wirbt für genau einen Mann: Bruno Steinhoff.

WESTERSTEDE. "Ich kenne den Markt und weiß, was die Kunden wollen", sagt er vor Funktionären und Journalisten. Der Gründer der Steinhoff-Gruppe im niedersächsischen Westerstede weiß, wie man sich verkauft. Er hat seine Karriere als Handelsvertreter mit einem Monatslohn von 450 Mark begonnen. Heute führt er den zweitgrößten Möbelhersteller in Europa und beschäftigt 21 000 Mitarbeiter.

Einen "fleißigen Macher" nennen ihn die Leute aus seinem Umfeld. Dass er bodenständig geblieben ist, zeigt Steinhoff unentwegt. Er gehe mit seinem Hausmeister genauso um wie mit seinem Geschäftsführer, erzählt ein langjähriger Begleiter. Als Steinhoff vorige Woche den Hauptgeschäftsführer des Möbelverbandes, Dirk-Uwe Klaas, in Westerstede begrüßt, ruft er diesem ein fröhliches "fuck off" zu. Dabei klopft er Klaas kräftig auf die Schulter. Seit einer Reise nach Südafrika haben die beiden Gentlemen diese Beschimpfung zu ihrer Grußformel gemacht. Dass Journalisten die Szene irritiert beobachten, stört Steinhoff am allerwenigsten.

Der Mann fühlt sich stark und unterbewertet. "Er wünscht sich schon, dass seine Leistung etwas mehr Anerkennung findet", sagt ein Wegbegleiter. Vor 37 Jahren hat der kleine, schlanke Steinhoff sein Unternehmen aus dem Nichts gegründet, heute setzt er mit Sesseln, Schränken und Sofas für den Massenmarkt und einigen ausgewählten Marken wie Knoll oder Klose gut 820 Millionen Euro um; seine Rendite liegt bei sieben Prozent. Im laufenden Jahr will er "weit mehr als eine Milliarde Euro" umsetzen.

Steinhoff ist längst kein deutscher Konzern mehr. Der Gründer und heutige "Executive Chairman" hat die Produktion ins Ausland verlagert, aber 35 Prozent verkauft er noch im Inland. Seit fünf Jahren ist Steinhoff an der Johannesburger Börse gelistet, der Gründer hält 32 Prozent.

Auch wenn der Hauptsitz seiner Firmengruppe in Niedersachsen bleiben soll, für den Mann mit der schwungvollen Scheitelfrisur hat die Notierung in Johannesburg gleich zwei Vorteile: regelmäßige Reisen ins südliche Afrika, für das der Hobbyjäger schwärmt. Und die Vermeidung von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat, die laut dortigem Recht nicht vorgesehen sind. Aus seiner Abneigung gegenüber Betriebsräten und Gewerkschaften macht er keinen Hehl: "Die sind wie ein Staat im Staate", sagt er. "Und wir Unternehmer werden von ihnen gegängelt."

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