Bruttoinlandsprodukt steigt stärker als erwartet
Großbritannien bleibt auf stabilem Wachstumskurs

Ungeachtet der weltweiten Konjunkturflaute zeigt sich die britische Wirtschaft in einem robusten Zustand und wächst stärker als erwartet.

and LONDON. Zwischen Juli und Ende September hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 0,6 % zugelegt. Experten hatten nur mit 0,4 % gerechnet. Das gestern von der Behörde National Statistics in London vorgelegte Quartalsergebnis war mit Spannung erwartet worden, da es die ersten Folgen der Terroranschläge in den USA berücksichtigt. Auch der BIP-Jahresvergleich lag mit 2,2 % leicht über den Prognosen.

Zwar fürchten Ökonomen, dass sich die Folgen der weltweit angespannten Situation erst voll im Schlussquartal widerspiegeln werden. Bereits am Mittwoch hatte der britische Industrieverband CBI die Alarmglocke geschlagen und vor einem dramatischen Einbruch für die Exportbranchen gewarnt. Auch am Häusermarkt - in England ein wichtiger Indikator, da 70 % Wohneigentum haben - zeichnen sich erste Schwächen ab. Doch nach dem Quartals-BIP überwog gestern der Optimismus, dass Großbritannien von einer Rezession verschont bleibt. "Die Zahlen versprechen ein sicheres Kissen für Wachstum in der zweiten Jahreshälfte", hieß es etwa bei den Beobachtern der Bank Credit Suisse First Boston.

Umstritten ist nun in London, ob die Bank von England die Zinsen weiter senken soll oder nicht. Das gute Quartalsergebnis wird einerseits den Druck entschärfen. Andererseits rufen Verbände wie der CBI nach einem deutlichen Zinsschritt. Die Industrie schätzt nach einer CBI-Umfrage die Exportaussichten so schlecht ein wie seit 21 Jahren nicht mehr. Die britische Wirtschaft brauche "kraftvolle Signale, um das Vertrauen zurückzugewinnen", fordert CBI-Chef Digby Jones und will eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt.

Kein Grund für weiteren Zinsschritt

Dagegen hat gestern das angesehene Forschungsinstitut National Institute of Economic and Social Research (NIESR) erklärt, dass es für einen weiteren Zinsschritt keinen Grund gebe. Auch wenn die Wirtschaft durch die weltweite Konjunkturflaute langfristig nicht mehr ganz so stark wie zuletzt wachsen werde, bleibe Großbritannien auch im kommenden Jahr unter den großen G7-Industrienationen der "star performer". Und vor dem Hintergrund der Wirtschaftsdaten "gibt es für die Bank von England keinen Grund, eine weitere Zinssenkung vorzunehmen", urteilt das Institut.

Die unabhängige Notenbank hat dieses Jahr bereits sieben Zinsschritte nach unten vollzogen und den Satz auf 4,5 % - das tiefste Niveau seit 37 Jahren - gesenkt. Viele Ökonomen in London rechnen mit einer weiteren Zinssenkung am 8. November, da sich einige Notenbanker bereits öffentlich dafür ausgesprochen haben. "Die Aussagen deuten darauf hin, dass die Notenbank offen ist für eine Senkung, um die globalen Sorgen weiter zu entlasten", meint Ökonom Dannay Gabay von JP Morgan.

Im für die britische Wirtschaft wichtigen Dienstleistungssektor ist der befürchtete Rückgang im dritten Quartal ausgeblieben. Das Wirtschaftswachstum in Großbritannien sei weiterhin vor allem vom Servicebereich (+ 0,8 % zum Vorquartal) getragen, erklärte die Statistikbehörde. Zugelegt hat auch der Autoverkauf. Dagegen gab es beim verarbeitenden Gewerbe, vor allem im Elektronikbereich, erneut einen Rückgang. Insgesamt ist die britische Wirtschaft seit 1992 ohne Unterbrechung in Folge gewachsen.

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