Bruttoinlandsprodukt wächst im zweiten Quartal um 0,3 %
Die Wirtschaft in Großbritannien ist zweigeteilt

fmd LONDON. Die Wirtschaft in Großbritannien wächst langsamer. Im zweiten Quartal stieg das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 % und im Vergleich zur Vorjahresperiode um 2,1 %. Dies sind die schwächsten Ergebnisse seit Ende 1998 beziehungsweise Mitte 1999. Das nationale Statistikamt bestätigte jetzt seine erste Schätzung von Ende Juli. Im ersten Vierteljahr hatte das BIP noch um 0,5 % zum Vorquartal und um 2,7 % zur Vorjahreszeit zugenommen.

Als Stütze der Konjunktur hat sich der Dienstleistungssektor entwickelt, der sich auf Grund einer guten Entwicklung im Hotel- und Restaurantbereich besser als erwartet schlug. Insgesamt legte dessen Wachstum im zweiten Quartal um 0,8 % zu, 0,2 Prozentpunkte mehr als zuerst geschätzt.

Dagegen musste das verarbeitende Gewerbe ein Minus von 2 % hinnehmen. Das ist der schärfste Rückgang innerhalb einer Dekade. Nach offizieller Lesart befindet sich das verarbeitende Gewerbe in einer Rezession, da die Produktion zwei Quartale hintereinander gesunken ist.

Im Vorfeld der Veröffentlichung war bereits spekuliert worden, dass die Schwäche des verarbeitenden Gewerbes sich negativ auf den Dienstleistungsbereich auswirken könnte. "Die Entwicklung bei den Dienstleistungen wird die angespannten Nerven etwas beruhigen", glaubt denn auch Richard Iley, Ökonom bei ABN Amro.

Die Konjunkturumfrage des britischen Industrieverbands CBI, die heute veröffentlich wird, dürfte keine Hoffnungen auf einen baldigen Aufschwung nähren. Nach wie vor haben die Industrieunternehmen mit einem im Vergleich zum Euro relativ hohen Pfund-Sterling-Kurs zu kämpfen. Außerdem leiden sie unter der anhaltenden Schwäche der US-Konjunktur.

Ökonomen sind allerdings geteilter Meinung darüber, ob die ungleiche Entwicklung in der britischen Wirtschaft andauern wird, die die Zinspolitik der Bank of England erheblich erschwert. Der CBI geht davon aus, dass es in absehbarer Zeit keine Konvergenz geben wird. Dagegen glaubt Stuart Green von Crédit Lyonnais, dass die Wachstumslücke zwischen dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor wieder kleiner werden wird.

Ein Beleg für die ungebrochene Konsumlust der privaten Haushalte waren die jüngsten Handelsbilanzzahlen. Im Juni lag das Handelsbilanzdefizit bei 2,3 Mrd. Pfund. Im Vergleich zum ersten Quartal stieg das Defizit von 5 Mrd. auf 6,2 Mrd. Pfund - ein Rekord. Und das Statistikamt geht davon aus, dass diese Entwicklung anhalten wird. Für John Butler von der HSBC-Bank dokumentieren auch diese Zahlen die Zweiteilung der britischen Wirtschaft.

Die Bank of England steht weiterhin vor einem Dilemma. Eine weitere Zinssenkung würde der Industrie zweifelsohne helfen, würde jedoch auch die Nachfrage der privaten Haushalte ankurbeln und das mittelfristige Inflationsziel von 2,5 % bedrohen. Derzeit steht die Rate bei 2,2 %.

Bislang sieht es auch nicht danach aus, dass die Zuversicht der privaten Haushalte durch eine steigende Arbeitslosigkeit Schaden nehmen könnte. Trotz Entlassungen in der Industrie ist es dem Dienstleistungssektor bislang gelungen, diese Entwicklung mehr als zu kompensieren.

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