BSE-Fall in Schleswig-Holstein
BSE-Krise zeigt Wirkung auf viele Bereiche

Tiermehlproduzenten erwarten Lagerschwierigkeiten, bei der Fütterung werden Engpässe erwartet. Die Aktien einiger vom Fleischgeschäft abhängigen Unternehmen gaben nach. Freuen können sich Aktionäre des BSE-Schnelltestanbieters Eurofins.

sim DÜSSELDORF. Ungeachtet der BSE-Erkrankungen von zwei in Deutschland geborener Rinder, läuft die Weihnachtsproduktion der Halberstädter Würstchen- und Konservenfabrik GmbH (Halko) auf Hochtouren. Nach eigenen Angaben müssen sogar Sonderschichten und Samstagsarbeit eingelegt werden, um mit der Produktion nachzukommen. Das Unternehmen geht offensichtlich davon aus, dass die Nachricht der erkrankten Rinder den Verbraucher nicht verunsichern wird und Fleisch und Wurst nach wie vor auf den Tisch kommen.

Der Bioland Bundesverband erwartet dagegen, dass die Nachfrage nach Öko-Rindfleisch steigen wird. Ralf Alsfeld, Sprecher vom Bioland Bundesverband sagt, dass Biofleisch die größtmögliche Sicherheit für ein gesundes Fleisch biete, da das Füttern von Tiermehl nach den Verbandsregeln verboten ist. Bei Wurstwaren wird keine zunehmende Nachfrage nach kontrolliert biologischer Herkunft erwartet. Der Verbraucher sehe häufig den Zusammenhang zwischen Fleisch und Wurst nicht. Das habe der Bioland Bundesverband aus dem ersten BSE-Skandal 1992 erkennen können.

Mehr Nachfrage nach Biofleisch erwartet

Dabei gilt der Verzehr von sogenannten Risikogewebe wie Hirn oder Dünndarm von BSE-erkrankten Tieren als besonders risikoreich für den Menschen. In über 100 deutschen Wurstsorten dürfen Hirn, Rückenmark und innere Organe von Rind und Schwein verarbeitet werden. Aus der Tierhaut gewonnene Produkte wie Gelatine und Keratin werden in Lebensmitteln und Kosmetika verarbeitet. EU-Wissenschaftler bewerten diese Produkte unter bestimmten Umständen ebenfalls als risikoreich.

Der Süssigkeiten-Hersteller Haribo verwendet nach eigenen Aussagen seit Jahren Schweinegelatine als Grundstoff für seine Frucht- und Lakritzprodukte. Eine gesteigerte Nachfrage nach Süßigkeiten ohne Gelatinezusatz ist laut Bioland Bundesverbandsprecher nicht zu erwarten. In Deutschland werde ohnehin nur 5 % der Gelatine aus Rind hergestellt. Aufgrund der härteren Konsistenz, wird Rindergelatine als Hülle für Medikamente eingesetzt.

Verbot von Tiermehl für Freitag erwartet

Das Verfüttern von Tiermehl gilt als eine Infektionsquelle für Tiere. Tiermehl wird beispielsweise aus Schlachtabfälle und Kadavern von verendeten Tieren hergestellt. Bis Freitag will die Bundesregierung den Entwurf für ein Gesetz gegen das generelle Verfüttern von Tiermehl erarbeiten. Bereits seit 1994 besteht ein solches Verbot für Rinderfutter. Nach Meinung des Tiermehlproduzenten Saria Bio-Industries kann es nach Verabschieden des Gesetzes bei der Lagerung von Tiermehl zu Platzproblemen kommen. Schlachtabfälle würden weiter anfallen, verarbeitet werden und anschließend gelagert werden müssen. "Falls die Lagerkapazitäten nicht ausreichen und weitere Flächen angemietet werden müssen, braucht man dafür auch eine Genehmigung", sagte Claus Andreas, der Sprecher des Unternehmens. Auch müsse geklärt werden, in welchen Anlagen das gewonnene Tiermehl verbrannt werden könne. "Wir wollen das Material ja nicht einfach nur verfeuern, sondern daraus auch Energie gewinnen, und da muss man klären, welche Anlagen dazu eine Sondergenehmigung haben". Das Unternehmen hofft auf Flexibilität und ein enges Zusammenarbeiten mit den Behörden.

Ein Engpass könne auch bei der Versorgung der Tiere entstehen. Das Tiermehl müsse mit Tierfutter aus pflanzlichem Eiweiß ausgetauscht werden, so Prof. Siegfried Graser von der Bayerischen Landesanstalt für Ernährung. Ein besonderes Problem ergebe sich dabei, dass amerikanisches Soja für die Mischfutterherstellung eingeführt werden müsse, das gentechnisch nicht verändert sein darf. Gut die Hälfte der amerikanischen Sojabohnen sei aber gentechnisch verändert und in der Europäischen Union nicht zugelassen. Es werde deshalb eine Zeit dauern, bis gentechnisch-freies Soja für Mischfutter ausreichend zur Verfügung stehen werde. In Deutschland werden jährlich 600 000 Tonnen Tiermehl produziert. Diese müssen nun durch pflanzliche Eiweiße ersetzt werden.

Erste wirtschaftliche Auswirkungen in Frankreich

Erste Auswirkungen einer befürchteten neuen BSE-Krise sind derzeit in Frankreich zu spüren. Die Aktie der belgischen Imbisskette Quick Restaurants ist am Montag aufgrund von Befürchtungen über negative Auswirkungen der BSE-Krise in Frankreich um fast 9 % gesunken. Quick notierten gegen Mittag um 8,93 % tiefer auf 25,50 Euro. "Sie (Quick) haben eine Reihe von Geschäften in Frankreich. Die Leute sind besorgt", sagte ein Analyst. Quick sei die zweitgrößte Schnellrestaurantkette in Frankreich und erziele dort etwa ein Drittel seines Umsatzes.

Während die Aktie des Fleischproduzenten Moksel AG gestern nachgab, stieg die Aktie des französischen BSE-Schnelltest-Anbieters Eurofins S.A. um mehr als 20 %.

Der französische Starkoch Alain Ducasse hat angesichts der BSE-Krise Rindfleisch von den Speisekarten seines neuen Restaurantkonzeptes gestrichen. Sein Etablissement "59 Poincaré" werde ab Dezember Gerichte aus Gemüse, Hummer, Früchten und Lammfleisch anbieten, gab das Pariser Restaurant am Montag an. Ursprünglich war anstatt Lamm Rindfleisch vorgesehen. Ducasse hatte bereits Anfang November angekündigt, angesichts der BSE-Gefahr über einen Rindfleisch-Bann in seinen Feinschmecker-Restaurants nachzudenken. Ob er seine Gaststätte "Bar et boeuf" (Barsch und Rind) in Monaco nun umbenennen muss, kann sich der Dreisterne-Koch noch überlegen: Das Feinschmecker-Restaurant ist ohnehin von Oktober bis Mai geschlossen.

Mehr Informationen unter
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
www.bml.de



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