BSE-Hysterie verhilft Eurofins-Aktie zu Höhenflug
Neuer Markt im Fokus

Mehrere am Frankfurter Neuen Markt notierte Unternehmen haben am Donnerstag nach Börsenschluss negative Firmenmeldungen veröffentlicht.

Reuters/dpa FRANKFURT. Teilweise massive Kurseinbußen verzeichneten am Freitag die Aktien dreier am Neuen Markt gelisteter Unternehmen, die am Vorabend Geschäftsprognosen oder zurückliegende Abschlüssen korrigiert hatten. Nach Börsenschluss hatte das Technologieunternehmen Metabox am Donnerstag mitgeteilt, der Konzernabschluss für das Jahr 1999 müsse revidiert werden. Der Systemintegrator für die Automobilindustrie PGAM Advanced Technolgies kündigte die Herabsetzung der Geschäftsprognosen für das vierte Quartal 2000 und das erste Quartal 2001 an. United Visions Entertainment nahm die Umsatzplanung für das Jahr 2000 zurück, hielt aber an der Ergebnisprognose fest.

Am Freitagmittag notierten PGAM 21,43 % im Minus bei 6,60 Euro, United Visions verloren 25,74 % auf 7,24 Euro und Metabox büßen 4,67 % Prozent auf 5,72 Euro ein. Der alle Werte des Neuen Marktes umfassende Nemax-All-Share lag zur gleichen Zeit mit 3,73 % im Plus bei 3120,93 Punkten.

Konsolidierungsfehler im Konzernabschluss

Metabox teilte mit, im Rahmen der Vorprüfung für den Jahresabschluss 2000 durch die Arthur Andersen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sei nachträglich ein Konsolidierungsfehler innerhalb des testierten und der Hauptversammlung vorgelegten Konzernabschlusses 1999 gefunden worden. Die Korrektur betreffe aber ausschließlich den konsolidierten Konzernabschluss, nicht aber die Einzelabschlüsse. Ohne die vom damaligen Wirtschaftsprüfer testierte Konsolidierung habe der Umsatz 1999 nach vorläufigen Berechnungen 17,5 Mill. DM anstatt der ursprünglichen 42,9 Mill. DM betragen, hieß es. Im Zuge der Korrektur sinke der Konzernverlust nach vorläufigen Berechnungen um 0,1 Mill. DM auf 5,5 Mill. DM.

PGAM führte die Veränderung der Planzahlen auf die Auswirkungen des vollständigen Auftragsstopps, sowie auf Projektstreichungen oder-verschiebungen, die sich Mitte September nach dem vollständigen Einbruch des Geschäfts bei Opel und bei Daimler-Chrysler abgezeichnet hätten, zurück. Diese Situation sei beim Börsengang des Unternehmens im September noch nicht bekannt gewesen, sagte Vorstandschef Josef Marold. Es seien etwa 5 % des Geschäftsvolumens von der Entwicklung betroffen. "Es sieht also katastrophaler aus als es ist", sagte Marold. Pgam habe nicht sofort andere Aufträge angenommen, da man die Kapazitäten nicht habe besetzen wollen, falls die gestoppten Arbeiten kurzfristig wieder aufgenommen werden könnten, sagte Marold. "Weder bei Opel noch bei Daimler-Chrysler weiß man in den mittleren Chargen im Moment, was passiert", sagte der Vorstandschef. PGAM warte dies nun nicht mehr ab, sondern sehe zu, andere Aufträge zu bekommen. Eine veränderte Prognose zum Geschäftsverlauf will das Unternehmen bis zum 22. Dezember veröffentlichen.

United Visions nimmt Umsatzplanung zurück

In der Mitteilung der United Visions hieß es, in Folge einer profitorientierten Portfoliobereinigung im Herstellungsbereich seien Aufträge im Volumen von etwa 7 Mill. Euro nicht fortgeführt worden. Daher werde die Umsatzplanung 2000 auf 13,3 Mill. Euro von zuvor 19,4 Mill. Euro zurückgenommen. Die Ergebnisplanung habe die Berliner TV-Produktions- und Vermarktungsgesellschaft indes mit 1,4 Mill. Euro beibehalten.

Lebensmitteltester Eurofins legt um 10 %

Infolge der BSE-Hysterie der vergangenen Tage hat die Aktie des französischen Lebensmitteltesters Eurofins Scientific heute deutlich zugelegt. Der am Neuen Markt notierte Titel legte bis 11.45 Uhr um 9,88 % auf 44,50 Euro zu.

Eine Analystin, die nicht genannt werden wollte, sieht den Grund für den Kursanstieg ausschließlich in der aktuellen BSE-Hysterie. Die Eurofins-Aktie profitiere ganz massiv von der Angst vor dem Rinderwahn. Die am Vortag vorgelegten Neunmonats-Zahlen des Unternehmens seien sicherlich keine Überraschung gewesen, weder positiv noch negativ.

Durch die erhöhte Anfrage im deutschen Testlabor im bayrischen Garching könne es aber zu Kapazitätsengpässen kommen, wenn aus den Anfragen auch Aufträge würden. Allerdings glaubt die Analystin langfristig nicht an weitere Kurssprünge infolge des Rinderwahnsinns. "Wo nicht geschlachtet wird, wird auch nicht getestet", sieht sie daher mittelfristig einen Rückgang der Nachfrage nach BSE-Tests.

Das Unternehmen habe aber nun die Chance, den Namen "Eurofins" als Markenname für geprüftes, "sauberes" Rindfleisch in den Köpfen der Verbraucher festzusetzen. Ein Gütesiegel "à la Fresenius" würde die Popularität der Franzosen klar steigern. Zumal die Produktpalette aus mehr als 3 000 verschiedenen Testverfahren für Lebensmittel bestehe, wovon die BSE-Tests nur einen kleinen Teil darstellen würden.

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