BSE-Schnelltests sollen flächendeckend vorgeschrieben werden
Labore und Diagnosefirmen profitieren vom BSE-Skandal

Des einen Leid, des anderen Profit - auch an der BSE-Krise wird verdient. "Wenn die Nachfrage nach Schnelltests anhält, ist das für uns ein gutes Geschäft", sagt Thomas Laue von artus, der Hamburger Gesellschaft für molekularbiologische Diagnostik und Entwicklung. Der Biologe versteht es zwar nicht als seine Profession, dauernd Rinderhirne zu untersuchen, doch "momentan müssen alle mit ran".

dpa HAMBURG/MÜNCHEN. Nach der Entscheidung der EU-Agrarminister, künftig flächendeckend BSE- Schnelltests einzusetzen, ist die Nachfrage nach Analysen sprunghaft angestiegen. 100 DM kostet der Test. In den nächsten Wochen erwartet artus täglich 1 000 Untersuchungen.

Das private Labor artus mit 16 Mitarbeitern hatte das BSE bei der Kuh in Schleswig-Holstein nachgewiesen. "Wir waren alle geschockt", erinnert sich Laue. Niemand habe auf dem Hof mit 160 Rindern mit BSE gerechnet. "Wir hoffen, dass es ein Einzelfall bleibt, aber es ist damit zu rechnen, dass wir noch mehr finden", sagt Laue.

Bis zu 250 BSE-Probeuntersuchungen pro Tag

Die Anfragen kommen Schlag auf Schlag. Untersuchte artus vor einem Jahr rund 20 Proben pro Woche, so waren es in der vergangenen Woche bereits 250 am Tag. Biolandbauern und Handelsketten gäben diese Tests hauptsächlich in Auftrag. "Doch hier stehen auch Fleischer vor der Tür, die einzelne Hirnproben abgeben", beschreibt Laue den Ansturm.

Auch im Privatlabor des französischen Bioanalytik-Anbieters Eurofins Scientific in Garching bei München läuft der Test-Betrieb auf Hochtouren. Untersuchten die Wissenschaftler im September und Oktober 50 Gehirnproben pro Woche, so sind es Eurofins zufolge mittlerweile wöchentlich 250 BSE-Tests - Tendenz steigend. Für 2001 seien bereits umfangreiche Testkontingente gebucht worden. Der Auftragsboom beflügelt den Aktienkurs des Unternehmens. Er stieg zeitweise um knapp 30 %.

Markierungssystem um biologische Aufzucht zu beweisen

Die November AG in Erlangen profitiert ebenfalls von der BSE- Krise. In einem Pilotprojekt testet die Gesellschaft ein Markierungssystem, das Auskunft über Herkunft und Qualitätsmerkmale wie biologische Aufzucht von Rindern und Schweinen gibt. Mit einem Teststab, der einem Schwangerschaftstest gleicht, kann der Verbraucher zu Hause das rohe Stück Fleisch testen. Der Stab werde nicht mehr als zwei bis drei DM kosten, versichert Tierärztin Annett Raschke von der November AG. Der Stab ist voraussichtlich erst von 2002 an im Handel erhältlich. Der Aktienkurs der November AG profitierte schon jetzt: er legte am Montag um fast ein Viertel auf 38 Euro zu und stieg am Dienstag weiter.

Auch staatliche Untersuchungsämter werden vom 1. Januar 2001 an alle Hände voll zu tun haben. Das Veterinäruntersuchungsamt im niedersächsischen Oldenburg wird im kommenden Jahr nach Angaben der Pressestelle Weser-Ems 170 000 amtliche Proben testen. Ob Mitarbeiter eingestellt oder private Labors beauftragt würden, werde derzeit erörtert. Schleswig-Holsteins Umweltminister Klaus Müller (Grüne) kündigte bereits eine zeitweise Zusammenarbeit mit privaten Labors an, bis die eigenen Mitarbeiter in der Lage seien, jährlich bis zu 200 000 Proben auf BSE zu testen.

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