BSE: Stoiber fordert schärfere Kontrollen für Fleischimporte
Furcht vor Maul- und Klauenseuche nach Verdacht in Niedersachsen

Nach dem ersten Verdacht auf Maul- und Klauenseuche in Niedersachsen wächst bundesweit wieder die Furcht vor dem Ausbruch der hochansteckenden Tierkrankheit. Niedersachsens Agrarminister Uwe Bartels (SPD) sprach von einer "Riesengefahr für einen Super-Gau in einer Hochburg der Tierhaltung"

dpa VECHTA/BERLIN. Die Verwaltung in dem vom Seuchenverdacht betroffenen Kreis Vechta hat ein Krisenzentrum eingerichtet. Unterdessen forderte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) am Montag angesichts der BSE- Krise schärfere Kontrollen für Fleischimporte.

Der Landkreis Vechta weist die höchste Klauentierdichte Deutschlands auf. Betroffen ist ein Betrieb in Damme mit 99 Kälbern. Die Tiere wurden getötet. Ein erster Test auf Maul- und Klauenseuche (MKS) verlief negativ. Nun untersucht die Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen den Fall. Erste Ergebnisse werden nach Angaben des Sprechers des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Hanns-Dieter Rosinke, am Dienstag erwartet. Abschließende Untersuchungsergebnisse der Bundesforschungsanstalt sollen am Mittwoch vorliegen.

Um den betroffenen Hof, in dem der Verdachtsfall aufgetreten ist, wurde ein Sperrgebiet errichtet, das von mehr als 150 Polizisten überwacht wird. Schulkinder von landwirtschaftlichen Höfen müssen bis Mittwoch nicht zur Schule. Nach Angaben Rosinkes waren am Montag "sämtliche Vorsichtsmaßnahmen" getroffen worden. "Alles harrt auf das Ergebnis der MKS-Tests aus Tübingen." Von der besonders in Großbritannien heftig grassierenden Seuche können unter anderem Rinder, Schweine und Schafe befallen werden.

MKS-Verdacht in Schleswig-Holstein ausgeräumt

Der Verdacht auf Maul- und Klauenseuche in einem Schweinemastbetrieb in Risum-Lindholm in Schleswig-Holstein ist inzwischen endgültig ausgeräumt. Die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen teilte nach Angaben des Landesagrarministerium mit, dass in 60 Blutproben des Bestandes keine MKS-Viren nachgewiesen wurden. Die erkrankten Tiere hätten ähnliche Krankheitssymptome gezeigt wie bei Maul- und Klauenseuche. Die Polizei in ganz Deutschland kontrolliert weiter die Einhaltung der EU-weiten Transport-Einschränkungen von Klauentieren.

BSE: Stoiber fordert schärfere Kontrollen

Stoiber forderte in der "Bild"-Zeitung angesichts der BSE-Krise, Fleisch aus Osteuropa oder Argentinien müsse "genauso getestet" werden wie deutsches Fleisch. Der CSU-Chef kritisierte, die Bundesregierung habe bisher nicht die Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb in der Landwirtschaft geschaffen. Stoiber forderte die Regierung auf, dafür zu sorgen, "dass sich nicht nur die Besserverdienenden unbedenkliche und gesunde Lebensmittel leisten können".

Neuseeland hat inzwischen gegen eine deutsche Informationsbroschüre über BSE beim Verbraucherschutzministerium in Berlin protestiert. Nach Angaben von Neuseelands Landwirtschafts- und Handelsminister Jim Sutton wird in der Broschüre der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) behauptet, neuseeländische Schafe litten unter Scrapie, einer BSE-verwandten Tierkrankheit. "Das ist eine empörende Unwahrheit", sagte Sutton. Er bezeichnete die Broschüre, die in einer Auflage von mehr als 33 Mill. erschienen ist, als einen Fall von "Handelssabotage". Die Schafe in Neuseeland und Australien seien seit den fünfziger Jahren Scrapie-frei.

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