BSE wird weiter versichert
Versicherer lassen Bauern bei Tierseuchen sitzen

Nach Angaben der Versicherer sei das Risiko der Maul- und Klauenseuche nicht kalkulierbar.

afp BERLIN. Bei den Versicherungsgesellschaften blitzen Landwirte derzeit ab: Die Konzerne wollen im Fall eines Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Deutschland nicht haften. "Das ist bezeichnend für die Praktiken dieser Unternehmen", entrüstet sich Werner Rüther vom niedersächsischen Bauernverband. "Wo ein echtes Risiko besteht, winken sie ab."

Während Versicherungspolicen gegen BSE nach wie vor problemlos zu haben sind, können sich die Bauern kaum noch gegen andere Tierseuchen versichern. Grund sind offenbar die unterschiedlichen Risikolagen und damit verbundene Folgekosten: BSE ist weder über die Luft noch von Tier zu Tier übertragbar. Tritt ein Fall auf, wird zwar der gesamte Bestand gekeult. Anders als bei der Maul- und Klauenseuche droht aber keine massenhafte Infektion von Tieren in umliegenden Gehöften innerhalb weniger Tage.

Seuchentechnisch betrachtet ist BSE eine eher harmlose Erscheinung: Sowohl die Maul- und Klauenseuche als auch die Schweinepest und andere Tierseuchen breiten sich sehr viel schneller und unkontrollierbarer aus. BSE war für die Versicherungen offenbar nur der Alarmschuss. Das Thema Seuche wurde wieder aktuell - und die Gesellschaften zogen die Konsequenzen: Versicherungen gegen die "billigere" BSE-Gefahr blieben zwar im Angebot, doch die "teuren" Seuchen kippten raus.

So nahm der zweitgrößte Tierversicherungs-Anbieter Uelzener Allgemeine Ende vergangenen Jahres alle Versicherungen gegen Tierseuchen mit Ausnahme von BSE aus dem Angebot. "Das Risiko eines Überschwappens der Maul- und Klauenseuche auf Deutschland ist nicht kalkulierbar", begründet Risikoprüfer Bernd Buttkus diesen Schritt.

"Sollte die Maul- und Klauenseuche in einem Gebiet mit hoher Viehdichte auftreten, würde sie sich ausbreiten wie ein Flächenbrand", sagt Bauernvertreter Rüther. "Dann wird das ein GAU. "Nach Angaben des Landwirtschaftlichen Versicherungsvereins Münster rechnen Fachleute bei einem bundesweiten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche mit einem Schaden von weit über zwei Mill. DM. Den betroffenen Landwirte droht der Ruin - gegen den sie sich nicht wirklich absichern können. Denn sie erhalten im Seuchenfall lediglich den aktuellen Marktwert der Tiere aus den öffentlichen Tierseuchenkassen erstatten. Die Folgekosten, wie etwa ausfallende Milchverkäufe, liegen jedoch oft wesentlich höher. Gegen diese Ertragsausfälle könnten sich die Bauern nur noch schnell privat versichern - aber die Versicherungen stellen sich quer.

Nicht nur die aktuelle Lage in Großbritannien beunruhigt die Versicherungen. "Die Bedrohung durch die Maul- und Klauenseuche besteht auch durch die Nähe zu Osteuropa, wo die Seuche periodisch auftritt", sagt Günter Hommrich, Agrarexperte der R+V-Versicherungsgruppe und damit zuständig für die Vereinigte Tierversicherung (VTV), den größten Tierversicherer in Deutschland.

Die Versicherer haben offenbar Angst, im Schadensfall auf den Kosten sitzen zu bleiben. Denn die Münchner Rück, bei der sich die meisten Gesellschaften ihre Zahlungen im Schadensfall absichern lassen, hat nach Angaben Rüthers ihre Partner aufgefordert, die Maul- und Klauenseuche nicht mehr zu versichern.

Entsprechend hätten die Versicherungsgesellschaften diese teure Seuchenversicherung aus dem Angebot genommen, sagt der Vertreter des niedersächsischen Bauernverbandes. "BSE wird dagegen munter weiter versichert, denn da kommt Geld in die Kassen."

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