Bsirske plant mit Verdi härtere Gangart gegenüber Arbeitgebern
Frank Bsirske: Ein kämpferischer Modernisierer

Bis zuletzt hat Frank Bsirske, künftiger Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, gekämpft wie ein Löwe. Der 49-Jährige tourte quer durch die Republik, sprach auf einer Gewerkschaftsversammlung nach der anderen.

ddp BERLIN. Keine Grippe, kein noch so voller Terminplan konnten den ÖTV-Chef davon abhalten, für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Werbetrommel zu rühren. Sein unermüdlicher Einsatz hat sich gelohnt. ÖTV, HBV, DAG, IG Medien und die DPG beschlossen am Wochenende ihre Selbstauflösung, um sich am Montag zu Verdi zu vereinen. Am Dienstag soll Bsirske an die Spitze der größten Einzelgewerkschaft der Welt gewählt werden. Optimistisch und durch seinen Schnauzbart beinahe unermüdlich lächelnd präsentierte sich der Gewerkschafter mit dem Parteibuch der Grünen in den vergangenen Wochen landauf, landab. Auch in die Zentren des Verdi-Widerstands nach Bayern und Nordrhein-Westfalen wagte er sich. Geduldig ließ er von Journalisten die immer gleiche Frage über sich ergehen: Was ist, wenn die Zustimmung für Verdi nicht erreicht wird? Bsirske hatte dafür eine Standardantwort: "Darüber denke ich nicht nach." Rückblickend hat er mit seiner Gelassenheit Recht getan. Sein Verdi-Traum ist wahr geworden.

Erst im November trat Bsirske überraschend die Nachfolge des langjährigen ÖTV-Vorsitzenden Herbert Mai an und wurde Chef über 1,5 Millionen Gewerkschafter. Mai hatte seinen Hut genommen, weil Verdi bei einer Probeabstimmung der ÖTV nicht die notwendige Mehrheit erreicht hatte. Bsirske präsentierte sich als richtiger Mann am richtigen Ort. Seine lockere und gelassene Art wirkt auf Kollegen und Genossen ausgleichend und besänftigend. Am liebsten tritt er leger in Jeans und Jacket auf. Doch Bsirske ist niemand, der sich leicht unterkriegen lässt. Kollegen beschreiben ihn als "kämpferischen Modernisierer". Er gilt als "Workaholic mit Charisma" und Freund der klaren Worte. Offene Diskussionen seien für ihn das A und O, betont er selbst.

Bsirske genießt großen Vertrauensbonus

Für seine Aufgabe als künftiger Verdi-Dirigent genießt er einen großen Vertrauensbonus außerhalb wie innerhalb seines großen Orchesters. DAG-Chef Roland Issen sieht in Bsirske einen "jungen, dynamischen, ideenreichen Kollegen". Wegen seines Alters habe er die Gelegenheit, über eine längere Phase "gestaltend" zu wirken. Die Gewerkschaftskarriere des ersten Verdi-Chefs begann 1978. Nach Abitur und Studium der Politikwissenschaft trat der 1952 im niedersächsischen Helmstedt als Sohn eines Arbeiters und einer Krankenschwester geborene Bsirske der ÖTV bei. 1989/90 war er Sekretär der ÖTV-Kreisverwaltung Hannover, 1990 bis 1991 stellvertretener Geschäftsführer der Kreisverwaltung und von 1991 bis 1997 Bezirksvizechef des ÖTV-Bezirkes Niedersachsen. In den drei Jahren vor seiner Wahl an die ÖTV-Spitze war er einfaches Gewerkschaftsmitglied ohne Amt.

Unermüdlich in den Dienst der Sache stellte sich Bsirske bereits in seiner Zeit beim SPD-nahen Jugendverband "Die Falken", wo er von 1978 bis 1987 Bildungssekretär für den Bezirk Hannover war. In den 80er Jahren arbeitete er in der Fraktion der Grünen in der niedersächsischen Landeshauptstadt mit. Als Personaldezernent der Stadt Hannover trieb Bsirske seit 1997 die Verwaltungsreform und die Modernisierung der öffentlichen Dienste voran, trug dabei selbst auch Personalabbau mit.

Mit Verdi härtere Gangart gegenüber Arbeitgebern

Bsirske ist nicht der klassische Arbeiterführer. Ihm schwebt eine neue Form der Gewerkschaftsarbeit vor. "Mehr Greenpeace als Streikmacht", beschreibt die "Süddeutsche Zeitung" seinen Stil. Dass er aber dennoch Konflikte nicht scheut, machte er erst wenige Tage vor seiner Wahl deutlich. Für Verdi kündigte er eine härtere Gangart gegenüber den Arbeitgebern und höhere Lohnforderungen an. "Unsere Streikkasse ist mit mehr als 1 Mrd. DM gefüllt", warnte Bsirske prophylaktisch. Und auch das Bündnis für Arbeit will er mit Verdi kritisch ins Visier nehmen.

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