BT-Vorstand Peter Bonfield: "Alles ist möglich"
British Telecom-Sprecher dementiert Fusion mit AT&T

"Alles was in der Zeitung stand, ist aus unserer Sicht Gerücht und Spekulation", kommentierte ein Sprecher der British Telecom (BT) einen Bericht des Wall Street Journal, wonach die beiden Chefs von BT und AT&T, Peter Bonfield und Michael Armstrong, eine Fusion ihrer Telekomkonzerne diskutiert hätten. BT-Vorstand Peter Bonfield sagte hingegen zur Frage einer Fusion der Mobilfunksparten: "Alles ist möglich."

HB/Reuters LONDON/FRANKFURT/NEW YORK. Auch ein Sprecher von AT & T wies den Bericht zurück. "Die beiden Telekom-Giganten AT & T und British Telecom erwägen eine Fusion", hatte das Wall Street Journal am Freitag berichtet. Die Zeitung hatte für ihre Vermutung keine Quelle genannt. Londoner Branchen-Fachleute waren gleichfalls skeptisch und wiesen auf die hohe Überlappung beider Konzerne im transatlantischen Telefon- und Datenübertragungsgeschäft hin. Eine Fusion, sei nur unter Abspaltung enormer Kapazitäten auf diesem Markt möglich, weil das die Kartellbehörden der USA und der EU erwartungsgemäß fordern würden, war die überwiegende Ansicht.

BT-Chef Peter Bonfield hat einen vollen Zusammenschluss beider Unternehmen bisher dennoch nicht ausschließen wollen, aber immer bestritten, dass auch nur der Ansatz von Fusionsverhandlungen stattgefunden habe. Einige Londoner Marktteilnehmer gingen am Freitag deshalb davon aus, dass BT und AT & T das Fusionsszenario erneut als Gerücht gestreut haben, um ihre Aktienkurse zu stützen. Der Börsenwert von BT war zuletzt auf Zweijahrestief gefallen. Der Aktienkurs von AT & T ist in diesem Jahr wegen der sinkenden Preise für Ferngespräche und reduzierter Gewinnprognosen um rund 40 % gesunken.

Kühle Reaktion der Aktienmärkte

Am Freitag war die Reaktion der Aktienmärkte auf die Fusionsgerüchte kühl ausgefallen. Der Kurs von AT & T schloss am Freitag bei hohen Umsätzen nur um 1/16 erhöht auf 321/4 $. BT stiegen in London um 18 auf 830 Pence. Gleichzeitig sagte die Rating- Agentur Standard & Poors, man werde die Bonitätsbewertung von BT nun wohl wahrscheinlich von "AA" auf "A" senken, was den Aktienkurs weiter belasten dürfte. Als Grund nannte S & P die hohen UMTS-Ausgaben.

Die britische Zeitung "Financial Mail on Sunday" meldete, BT und AT & T wollten nur ihre Mobilfunk-Aktivitäten zusammenlegen. Die mögliche Fusion des US-Telefonkonzerns AT & T mit dem Konkurrenten British Telecom findet bei Branchen-Experten in Deutschland ein verhaltenes Echo. Robert Halver vom Finanzhaus Delbrück glaubt, dass eine Fusion die einzige Chance für BT ist, sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten und die Lethargie zu vertreiben, die die Aktie seit längerem umgebe. Gemeinsam könnten die beiden Branchengrößen Kosten sparen und ihre internationale Expansion beschleunigen. Euphorie will bei dem Branchenexperten angesichts eines möglichen Zusammenschlusses allerdings nicht aufkommen: "Es wäre eine große Hochzeit, aber die Mitgift ist nicht berauschend."

Tendenz zur Größe

Holger Grawe, Telekom-Analyst der WestLB Panmure, betonte, dass gerade erst der Ausgang der UMTS- Versteigerung in Deutschland gezeigt habe, dass die Tendenz zur Größe im Telekommunikationsmarkt ungebrochen sei. "Mit dem Zusammenschluss von BT und AT&T würde ein neuer Gigant entstehen", erklärte der Experte. Spekulationen über ein Zusammengehen der beiden Unternehmen tauchten allerdings immer wieder auf.

Vasa Babic von der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting in London sieht Vorteile einer möglichen Fusion nur im Zusammenschluss von stark wachsenden Geschäftssparten wie Mobilfunk, Breitband oder bei der globalen Datenübertragung. AT &T und BT betreiben unter dem Namen Concert bereits ein Gemeinschaftsunternehmen für Geschäftskunden. Zu AT & T gehört auch At Home, der weltgrößte Anbieter von Internet- und Breitbandzugang über Kabelmodems. In den USA ist AT & T zudem der drittgrößte Mobilfunkanbieter. Allerdings machten die Unternehmen noch vier Fünftel ihres Geschäfts mit traditionellen Telefongesprächen, wo sich nicht viele Synergien ergeben würden, sagt Babic.

Eine Fusion dieser Größe stelle die Unternehmen auch vor große organisatorische und kulturelle Herausforderungen, an denen ein solches Projekt leicht scheitern könnte, meint die Expertin. AT & T hat in den vergangenen 18 Monaten über 100 Mrd. $ für die Übernahmen der Kabelgiganten TCI und Media One ausgeben. Das Unternehmen befindet sich gerade im Prozess, die Firmen zu integrieren, um seinen Kunden in Zukunft ein Gesamtpaket aus Orts- und Ferngesprächen sowie Kabelfernsehen und Internetzugang anbieten zu können.

Bis auf das Transatlantik-Geschäft sieht Babic nicht viele Überlappungen auf den jeweiligen lokalen Märkten. Im Gegensatz zur Deutschen Telekom sei BT auch nicht mehrheitlich im Staatsbesitz.

BT-Vorstand Peter Bonfield: "Alles ist möglich"

Laut der Nachrichten-Agentur Reuters hält British Telecommunications Plc (BT) zumindest eine Fusion der Mobilfunksparten der beiden Unternehmen sehr wohl für möglich. In einem Interview mit der britischen Zeitung "Mail on Sunday" sagte BT-Vorstand Peter Bonfield zwar, dass Gespräche zu einer Vollfusion nicht geführt würden. "Sind wir in Fusionsgesprächen? Nein, noch klarer kann ich es nicht ausdrücken", sagte er gegenüber dem Blatt. Auf die Frage, ob eine Fusion der zwei Mobilfunksparten denkbar sei, sagte Bonflied aber: "Alles ist möglich". BT und AT&T sind bereits Partner bei dem internationalen Gemeinschaftsunternehmen Concert.

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