Buch.de fällt auf historischen Tiefstand - Buecher.de behauptet sich
Kursrutsch bei Amazon drückt auch deutsche Internet-Händler

Nach dem Kursrutsch von Amazon.com in den USA war gestern auch am Neuen Markt die Nervosität spürbar. Analysten erwarten weitere Schwankungen im Internetbereich, warnen jedoch vor übertriebener Panik.

swi DÜSSELDORF. "Nein, wir gehen doch nicht pleite", beruhigt der Gründer der Internet-Buchhandlung Buch.de, Michael Urban, Investoren und seine mindestens ebenso besorgte Familie. Selbst seine Schwiegereltern hätten schon in heller Panik angerufen. Nachdem die Aktie von Amazon.com am Freitag fast 20 % an Wert verloren hat, sind auch deutsche Konkurrenten nervös. "Der Markt wird weiter volatil bleiben, aber man darf das nicht überbewerten", sagt Markus Krämling, Analyst für Internetwerte bei der Deutschen Bank. "Die Buch.de-Aktie hat einen Schlag gekriegt", muss Buch.de-Vorstand Urban eingestehen. Der Kurs sank am Montag auf einen historischen Tiefstand von 4,64 Euro, erholte sich am Nachmittag aber wieder auf über 4,80 Euro. Damit hat die Aktie seit Jahresanfang rund 44 % verloren. Den Hauptgrund für den Kursrutsch sieht Urban darin, dass die Branche zur Zeit "negativ runter geredet" werde.

Dieser Meinung ist auch der Analyst Peter Barkow vom Bankhaus HSBC Trinkaus: "Es ist extrem in Mode, auf B2C-Werten herumzutrampeln." Business to Consumer (B2C) meint Unternehmen, die ihre Produkte direkt an den Endverbraucher verkaufen.

Die Nervosität sei extrem groß. "Das merkt man an der Art, wie Investoren die Analysten-Aussagen zu Amazon aufgenommen haben", sagt Barkow. Das Investmenthaus Lehman Brothers hatte die Finanzkraft negativ beurteilt.

"Wenn Amazon leidet, löst das einen negativen Trend für die ganze Branche aus", sagt Ralf Stromeyer von ABN Amro. So verlor am Montag auch das Internet-Auktionshaus Ricardo.de von 64,20 am Freitag auf rund 61 Euro. Buecher.de behauptete sich hingegen bei 19 Euro. "Die Finanzschwierigkeiten von Amazon treffen nicht auf Buecher.de zu", weist Stromeyer auf den Unterschied hin. Bei dem zweitgrößten deutschen Internetbuchhändler sei noch genügend Geld in der Kasse.

Positiv unterstützt wurde der Wert außerdem von der Meldung, dass sich Buecher.de mit 5 % an dem Hersteller von Internet-Service-Terminals Friendlyway beteiligt. "Der Kauf ist aber nur von finanzieller, nicht von strategischer Bedeutung. Dafür ist der Anteil zu niedrig", schwächt Markus Krämling von der Deutschen Bank ab. Er wartet stattdessen darauf, dass Buecher.de im Ausland akquiriert: "Es ist wichtig, dass das Unternehmen schnell an kritischer Masse gewinnt, um profitabel zu werden."

Das Auktionshaus Ricardo.de hat sich daher mit dem britischen Unternehmen QXL zusammengeschlossen. Trotzdem bewertet die Investmentbank Lehman Brothers den Wert nur als unterdurchschnittlich, da das Unternehmen Gefahr laufe, vom US-Konkurrenten Ebay im Kampf um die Marktführerschaft überholt zu werden. Analysten sind der Meinung, dass nur die Marktführer profitabel arbeiten könnten. Die Marketingausgaben sind extrem hoch, der Vertrieb ist kostspielig. Buch.de-Vorstand Urban stemmt sich allerdings gegen den Trend: "Man muss nicht die Nummer eins sein. Wir sind lieber die Nummer drei und machen Gewinne." Doch auch die sind bisher nicht in Sicht.

Am Montag kostete die Aktie des Buchhändlers Amazon bei Handelsschluß 33,94 $.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%