Buch vorgestellt
Garcia Marquez legt seine Memoiren vor

Auf dieses Buch haben die Fans des Beststeller-Autors lange gewartet. In seiner Heimat Kolumbien haben Buchhändler ihre Öffnungszeiten verlängert, um dem Ansturm Herr zu werden.

dpa BUENOS AIRES/BOGOTá. Auf dieses Buch haben Leser in aller Welt seit Jahren gewartet. Schon lange war gemunkelt worden, der kolumbianische Nobelpreisträger und Autor von "Hundert Jahre Einsamkeit", Gabriel García Márquez, sitze an seinen Lebenserinnerungen. Eigentlich sollte der erste Band der spanischsprachigen Ausgabe bereits im vergangenen Jahr in die Buchhandlungen kommen, aber der Autor nahm immer wieder "letzte" Korrekturen vor. Kurz vor der Veröffentlichung änderte er sogar noch schnell den Titel.

Nun wurde das Buch "Vivir para contarla" (Leben, um es zu erzählen) aber doch am Dienstagabend in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá vorgestellt. Im Band eins beschreibt der Meister des "magischen Realismus" die ersten 28 Jahre seines Lebens von 1927 bis 1955. Es heißt, es würden insgesamt drei Bände werden, aber wann sie erscheinen, steht in den Sternen. Das Interesse an dem neuen Werk des wohl bekanntesten lebenden Schriftstellers der spanischsprachigen Welt ist enorm. Kolumbianische Kollegen sprachen schon bei der Vorstellung des Buches von einem "Klassiker".

Enthusiasten nennen die Neuerscheinung das "wichtigste kulturelle Ereignis des Jahrzehnts", besonnenere Gemüter halten es immerhin für das Ereignis des Jahres. Mehrere Zeitungen veröffentlichten vorab Auszüge aus dem 579 Seiten langen Werk. Die Startauflage beträgt eine Million Exemplare. In Kolumbien verlängerten die Buchhandlungen angesichts des erwarteten Ansturms der Käufer sogar vorsichtshalber ihre Öffnungszeiten bis 23.00 Uhr.

In den kommenden Tagen gelangt das Buch dann auch in den anderen lateinamerikanischen Ländern und in Spanien in die Buchhandlungen. Der Autor selbst hielt sich, nachdem er in seinen Memoiren so viel aus seinem Privatleben preisgegeben hat, bedeckt und nahm nicht an der Vorstellung des Buches teil. Der 75-Jährige unterzieht sich derzeit in Los Angeles der Behandlung eines Krebsleidens.

Der Nobelpreisträger führt den Leser in seinem neuen Buch in die Welt seiner Großeltern, Tanten, Eltern und der zehn Geschwister ein und damit zu den Grundlagen seines erzählerischen Talents und den Quellen seiner Fantasie. In den Vorabdrucke ging es um Reisen in der Kindheit, erste sexuelle Erfahrungen mit einer Prostituierten, einen nächtlichen Spaziergang als Schlafwandler und erste Reportagen als Journalist. Die Schilderung endet 1955, dem Jahr, in dem seine erste Erzählung "La hojarasca" erschien.

Der Leser erfährt auch, wann der junge García Márquez sein Jurastudium abbrach, um Schriftsteller zu werden, woher der Name des schon fast mythischen Dorfes Macondo aus "Hundert Jahre Einsamkeit" stammt und wie die Beziehung seiner Eltern ihn zu dem Roman "Liebe in den Zeiten der Cholera" inspirierte. Eine deutsche Übersetzung der Memoiren wird wohl nicht allzu lange auf sich warten lassen. Carmen Balcells, die seit 1967 Agentin von García Márquez ist, verhandelt auf der Frankfurter Buchmesse über Lizenzen.

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