Buchautoren empfehlen asiatische Weisheiten und wettern gegen mangelnde Kontrolle
In der Management-Literatur dominieren alte Rezepte

Management-Literatur ist auch auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse stark vertreten - doch ein Blick durch die Neuerscheinungen fördert keine großen Würfe zutage. Es dominieren Aufgüsse, Neuauflagen, Sammelbände und bunte Bilder. Während praktizierende Manager täglich schmerzhafte Einschnitte durchsetzen müssen, bedienen die Autoren des Genres die Sehnsucht nach der heilen Welt: Sie produzieren einfache, freundliche und unterhaltsame Antworten.

HB FRANKFURT. Zum Beispiel Tom Peters. Der Ex- McKinsey-Vorstand war früher ein angesehener Management-Autor. 1982 hat er laut einer britischen Umfrage das wichtigste Businessbuch aller Zeiten verfasst: "Auf der Suche nach Spitzenleistungen". Peters neuer Wurf nennt sich "Re-Imagine". Seine erste Veröffentlichung beim britischen Verlag Dorling Kindersley schaut aus wie ein US-Schulbuch: mit "Knallbunten Regeln" in brüllender Großschrift, Bienenbildern und ganzseitigen roten Ausrufungszeichen.

Peters schreibt witzig, man blättert beeindruckt durch die grelle Design-Kulisse. Doch die Erkenntnis hinter all dem ist schlicht: Erfinde Dein Unternehmen neu! Unbürokratisch, flexibel, mit flachen Hierarchien! Musste das wirklich noch mal gesagt werden?

Im Herbst 2004 drängen verstärkt asiatische Weisheiten in die Business- Bücher. Der Campus-Verlag bringt "Sun Tzu" des Siemens-Einkaufsleiters Werner Schwanfelder heraus, der sich die "13 ewigen Gebote der Strategie" eines chinesischen Generals vorgenommen hat. Der Hanser-Verlag kontert mit dem Freiburger Sinologen Harro von Senger und seinen "36 Strategemen für Manager". Er will westlichen Managern die Kunst der Kriegslist beibringen, damit sie ihre Geschäftspartner aus Fernost besser verstehen und sich eine Scheibe von deren "philosophischer" Managementkunst" abschneiden.

Von Sengers Buch erlaubt einen interessanten Blick auf die spezielle Art des asiatischen Denkens. Das Buch ist lesenswert, doch die "Strategeme" überraschen kaum. Weisheiten wie "Ausgeruht den erschöpften Feind erwarten" oder "Will man etwas fangen, muss man es zuerst loslassen" lesen sich als Handlungsempfehlungen arg poetisch.

Klassische Management-Autoren bringen meist alte Rezepte in neuer Aufmachung. Wer wie Tom Peters schon einen Namen hat erreicht die Regale der Manager sogar mit extravaganten Bilderbüchern á la "Re-Imagine". Der ehemalige Aldi-Geschäftsführer Dieter Brandes, der mit "Einfach Managen" und "Konsequent einfach" in den vergangenen Jahren in die Riege der Businessbuch-Autoren aufgestiegen ist, legt ebenfalls nach. Sein neuestes Werk heißt "Alles unter Kontrolle?". Brandes beschäftigt sich darin mit seiner Ansicht nach verantwortungslosen Unternehmen. Sein Befund: Trotz gesetzlichen Zwangs zur Transparenz werde in vielen Firmen kaum noch oder nur widerwillig kontrolliert, was Führungskräfte, einzelne Abteilungen und Teams so treiben.

Brandes wettert gegen die "Scheinwelten" des Risikomanagements und "digitale Deppen" im Controlling. Er seziert Negativ-Beispiele wie den italienischen Food-Multi Parmalat. Und gibt seinen Lesern praktische Tipps, wie sie mit simplen Stichproben und regelmäßigen Fragestunden Kontrollprobleme in den Griff bekommen. Insgeheim läuft das natürlich wieder auf die Arbeitsweise seines Ex-Brötchengebers Aldi hinaus - und auf sein Konzept des einfachen Managens ohne unnötige Hierarchien und Überorganisation.

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