Buchbranche soll gegen das Verbot der grenzüberschreitenden Preisbindung verstoßen haben
Monti lässt Buchverlage und Buchgroßhändler durchsuchen

Der Konflikt zwischen der EU-Kommission und den deutschen Verlegern um die Buchpreisbindung spitzt sich zu. Fahnder suchten nach Belegen für illegale Preisabsprachen.

HB DÜSSELDORF. EU-Fahnder durchsuchten am Mittwoch im Auftrag des Wettbewerbskommissars Mario Monti deutsche Buchverlage und Großhändler sowie die österreichische Buchhandelskette Libro. Sie suchten nach Beweisen für illegale Preisabsprachen.

Die Ermittlungen der Kommission gehen in zwei Richtungen. Zum einen will sie feststellen, ob deutsche Buchverleger und-händler eine Liefersperre gegen die Internettochter der Libro AG abgesprochen haben, die Bücher um bis zu 20 % unter dem in der deutschen Preisbindung festgelegten Preis verkauft hatte. Über den Boykott hatte sich Libro am 3. Juli in Brüssel beschwert.



Auch Libro bekam Besuch von Ermittlern

Hintergrund in diesem Fall ist eine Einigung zwischen Libro und Bertelsmann vom vergangenen Freitag, wonach der österreichische Buchhändler seine Rabatte bis auf weiteres einstellt. Seit Montag verkauft Libro auch im Onlinehandel seine Bücher wieder zu Verlagspreisen. Die Kommission prüft, ob dies eine unzulässige Preisabsprache war. Libro-Sprecherin Conrad weist diesen Vorwurf jedoch zurück.

Die EU-Kommission hält die in Deutschland und Österreich existierende Buchpreisbindung für einen Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht und hat deshalb ihre Abschaffung gefordert. Nach jahrelangem Streit hat sie sich vor kurzem mit den Verlegern darauf geeinigt, wenigstens die grenzüberschreitende Buchpreisbindung zwischen den beiden Staaten abzuschaffen. Nun fürchtet sie, dass diese Zusage durch Absprachen unterlaufen wird.



Heftige Kritik des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Roland Ulmer, wertete die Aktion als "Einschüchterungsversuch gegen einen unbequemen Verhandlungspartner". Die Dachorganisation des deutschen Buchhandels halte die von der EU-Kommission angewandten Mittel der Durchsuchungen für völlig überzogen. Der Börsenverein führe das Vorgehen auch auf eine Pressekampagne zurück, "durch die die Kommission offensichtlich unter Druck gesetzt worden ist". Libro-Sprecherin Claudia Conrad begrüßt hingegen das Vorgehen der Wettbewerbshüter. "Die Aktion zeigt, dass die Behörden unparteiisch ihre Arbeit machen."



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