Buchclub-Sparte bleibt Sorgenkind
Direct-Group-Chef stellt Ergebnis vor Wachstum

Der neue Chef der Bertelsmann-Tochter Direct Group, Ewald Walgenbach, will mit steigenden Kosten im Buchclub-Geschäft aufräumen. Den Break Even soll die Gruppe wie geplant 2003 erreichen.

HB KÖLN/FRANKFURT. Die Bertelsmann-Tochter Direct Group steht vor einem Umbruch. "Ergebnis geht im Clubgeschäft zur Zeit vor Wachstum", sagte Ewald Walgenbach, der neue Direct-Group-Chef, dem Handelsblatt. Für den früheren operativen Chef der Bertelsmann AG steht zunächst Aufräumen auf dem Programm. "Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen und für unsere Kunden attraktivere Angebote machen", erläutert Walgenbach. "Wir tragen die Verantwortung für 12 000 Mitarbeiter."

Die Mitgliederzahlen im besonders wichtigen deutschen Buchclub stagnieren und liegen zur Zeit bei rund 3,7 Millionen. Inklusive der Spezialclubs zählt der deutsche Markt vier Millionen Mitglieder.

Derzeit feilt Walgenbach mit seinen Vorstandskollegen an einer neuen Strategie, um die Direct Group endlich aus den roten Zahlen zu bringen. In der Bertelsmann-Tochter sind alle Endkundengeschäfte wie die Buchclubs und der restliche E-Commerce gebündelt.

Erst vor zwei Wochen hatte Walgenbach die Verkaufsabsichten für den Internet-Buchhandel BOL (Bertelsmann Online) in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und in Schweden bestätigt. Branchen-Spekulationen über weitere Verkäufe von Internetaktivitäten wie den amerikanischen Musikclub Be Music mit den Marken BMG Music Service und CD Now sowie Barnesandnobel.com, ein Joint Venture für den Online-Buchversand mit der US-Buchhandelskette Barnes & Noble, hatte die Firma dementiert.

Die Direct Group ist neben der Bertelsmann Music Group eine der beiden Sorgenkinder des Gütersloher Medienkonzerns. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die Direct Group bei einem Umsatz von 1,37 Mrd. Euro einen Verlust (Ebit) von 119 Mill. Euro. In diesem Geschäftsjahr werde die Firma nicht profitabel, sagt Walgenbach. Für Ende 2003 werde aber der Break-even angepeilt. Für das Endkundengeschäft zählt damit nicht Wachstum um jeden Preis, sondern möglichst profitable Kundenbestände. Dazu sind die Länge der Mitgliedschaft in den Clubs und das Kaufverhalten der Kunden wichtig. So sollen die Mitglieder künftig auch andere Medien, die nicht im Sortiment der Clubs enthalten sind, bestellen können. Der so genannte Medienbesorgungsdienst ist für 2003 als Bestandteil des Internet-Angebots des Clubs geplant, kündigte Walgenbach an.

Kostenfaktoren für die Direct Group sind derzeit die Ausgaben für Software und IT-Systeme: Sie muss Walgenbach in den Griff bekommen. Die Entwicklung und Einführung einer neuen, Länder übergreifenden Geschäftssoftware sei noch nicht abgeschlossen.

Walgenbach steht unter großem Druck aus dem Mutterkonzern: Der neue Bertelsmann-Chef Gunter Thielen sagte erst in der vergangenen Woche: "Die Direct Group macht uns immer noch viele Sorgen." Thielen gab für Walgenbach das Ziel aus, bis Ende nächsten Jahres die Direct Group in die schwarzen Zahlen zu führen. Trotz knapper Finanzmittel sieht Thielen die Möglichkeiten für einzelne Zukäufe. "Ich schließe Abrundungskäufe nicht aus", sagte er. Das gelte insbesondere für den Club und den Zeitschriftenbereich.

Bei seinem Antrittsbesuch bei der Club-Geschäftsführung im August hatte Thielen ein klares Bekenntnis zu den Buchclubs, speziell zum deutschen Club, abgelegt. Thielen sagte damals: "Die Clubs sind Stammgeschäfte." Jetzt erwarten die Mitarbeiter mit Spannung seine Rede am kommenden Montag bei der jährlichen Mitarbeiterversammlung beim deutschen Club in Rheda.

Wulf Böttger, zuständig für die Buchclubs in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa, lässt keinen Zweifel daran, dass man sich derzeit in "unruhigem Fahrwasser" befindet. Böttger sprach in einer Mitteilung an die Club-Mitarbeiter von einem "schwierigen Marktumfeld und deutlichen Umsatzeinbußen".

Der frühere Unternehmensberater holte nach eigener Darstellung das deutsche Club-Geschäft in den vergangenen zwei Jahren aus den roten Zahlen. Im Rumpfgeschäftsjahr 2000/01 legte die Sparte nach der Krisenzeit erstmals ein einstelliges positives Ergebnis vor. Genauere Angaben wollte der Club nicht machen.

Unterdessen treibt der Medienkonzern den Verkauf der profitablen Fachverlagstochter Bertelsmann-Springer weiter voran. Die Gruppe mit einem Umsatz von 749 Mill. Euro (2000/01) soll bis zum ersten Quartal des nächsten Jahres verkauft sein, sagte Thielen. Derzeit bereitet die Investmentbank Merrill Lynch ein Verkaufsprospekt vor. Im Laufe des Herbstes wird es dann Interessenten zugehen.

Quelle: Handelsblatt

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