Buchgemeinschaft startet Feldversuch in Deutschland
Bertelsmann will Buchclub aufspalten

Um das schwierige Buchclubgeschäft in Deutschland neu zu beleben, plant Bertelsmann, seine Buchgemeinschaft "Der Club" in drei Marken aufzuspalten. Das kündigte Wulf Böttger, zuständig für das Clubgeschäft in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Osteuropa, an. Die Gliederung in drei neue Marken soll dem lahmenden Geschäft mit Büchern, CD und Videos neuen Schwung verleihen.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. "Wir erwarten eine Steigerung von einer Million Mitglieder", sagte der Geschäftsführer der Bertelsmann-Buchgemeinschaft "Der Club" dem Handelsblatt. Derzeit zählt "Der Club" 3,7 Millionen Mitglieder; einschließlich kleinerer Buchgemeinschaften sind es insgesamt 4,2 Millionen Mitglieder.

Im kommenden Frühjahr wird ein Test mit 50 000 Haushalten starten. Böttger plant neben einer Fortführung der traditionellen Buchgemeinschaft die Neugründung zweier Clubs. Sie sollen zum einen anspruchsvoll-intellektuelle Zielgruppen, zum anderen trendorientierte Kunden für Bertelsmann besser erschließen. "Wir setzen auf eine stärkere Individualisierung und sehen in diesen beiden Bereichen großes Wachstumspotenzial", sagt Böttger. Derzeit wird in der Clubzentrale in Rheda-Wiedenbrück, unweit vom Bertelsmann-Konzernsitz Gütersloh, mit Hochdruck an den neuen Club-Magazinen gearbeitet. Eine endgültige Entscheidung wird aber erst nach dem Feldversuch im kommenden Jahr gefällt werden.

Der frühere Unternehmensberater Böttger holte das deutsche Club-Geschäft in den letzten beiden Jahren aus den roten Zahlen. Im Rumpfgeschäftsjahr 2000/2001 wurde nach der Krisenzeit erstmals ein einstelliges positives Ergebnis vorgelegt. Genauere Angaben wollte der Club nicht machen. Von einer Rendite von 10 %, die der entlassene Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff und Ex-Direct-Group-Chef Klaus Eierhoff forderten, sei der Club aber noch weit entfernt.

Der Buchmarkt leidet unter der Konsumkrise. Nach einer Untersuchung des Nürnberger Marktforschungsintitut Gfk wird "Der Club" im Buchgeschäft einen Einbruch von minus 6,2 % und bei der Musik von sogar minus 11,3 % hinnehmen müssen. "Die Lage auf dem Buchmarkt ist äußerst bescheiden", sagte Böttger. Dennoch wolle er ein positives Ergebnis wie im Rumpfgeschäftsjahr vorlegen. Für gute Zahlen sorgt derzeit der Bestseller "Die Farm" von John Grisham. Im ersten halben Jahr habe Bertelsmann bereits 100 000 Exemplare per Katalog, Internet und Laden verkauft, berichten Branchenkreise. "Das Grisham-Buch ist noch deutlich besser gelaufen, als wir erwartet haben", freut sich der Club-Chef. In den nächsten anderthalb Jahren will der Club das Grisham-Buch im deutschsprachigen Raum 500 000 mal verkaufen.

Seit der lange erwarteten Ablösung von Eierhoff an der Spitze des Club- und Internetgeschäfts vor einer Woche ist Ewald Walgenbach für die Konzerntochter zuständig. Der Ex-RTL-Group-Vize soll das schaffen, was Eierhoff nie gelang: Die Direct Group, in der alle Endkundengeschäfte des Konzerns (Clubs, E-Commerce) gebündelt sind, aus den roten Zahlen bringen. Sie war im Rumpfgeschäftsjahr (Juli bis Dezember 2001) mit einem Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen von minus 464 Mill. Euro einer der großen Verlustbringer. Für Konzerngründer Reinhard Mohn und den neuen Bertelsmann-Chef Gunter Thielen besitzt das Club-Geschäft einen hohen Stellenwert. Denn die Erfolgsgeschichte des weltweit fünftgrößten Medienkonzerns begann vor 52 Jahren mit der Gründung des Leserings durch Reinhard Mohn.

Spekulationen, denen zufolge der Sohn des Firmen-Patriarchen künftig für eine zentralere Rolle im Konzern vorbereitet werden soll, wies Christoph Mohn, Chef des Internetportal Lycos Europe, zurück. "Ich bin Vorstandsvorsitzender von Lycos Europe und da gibt es eine Menge zu tun, um das Geschäft jetzt in die Gewinnzone zu bringen. "Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich keine Pläne etwas anderes zu machen", sagte er dem Handelsblatt.

Auch nach dem Wechsel an der Konzernspitze "will der Bertelsmann-Konzern seine Beteiligung an Lycos Europe nicht verkaufen", sagte Mohn. Zudem sei man trotz der Verluste für Bertelsmann keine Last. "Der Barmittelbestand von rund 260 Mill. Euro ist weit mehr als wir brauchen, um den Cash-flow von Lycos Europe positiv zu bekommen", so Mohn weiter. Auch werde er auf absehbare Zeit das Unternehmen weiter leiten. Mohn zeigte sich überzeugt, dass das Internet in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das von ihm geführte Internetportal Lycos-Europe musste im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang um 25 % auf 30 Mill. Euro hinnehmen.

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