Buchungen 10 Prozent unter Vorjahr
Thomas Cook erstmals in roten Zahlen

Europas zweitgrößter Touristikkonzern Thomas Cook schließt angesichts der anhaltenden Krise der Reisebranche einen deutlich stärkeren Personalabbau als bisher geplant nicht mehr aus. Bislang sehe das Sparprogramm bei Cook europaweit den Wegfall von 500 bis 600 Stellen vor.

Reuters FRANKFURT/M. "Als Ergebnis unseres Sparprogramms werden es vielleicht auch etwas mehr sein", sagte Pichler am Mittwoch in Neu-Isenburg bei Frankfurt anlässlich der Bilanzpressekonferenz. "Ohne energisches Gegensteuern wäre es wesentlich schlimmer gekommen", sagte Pichler. Das bisherige Sparprogramm der gemeinsamen Touristiktochter von Karstadt und Lufthansa sieht für 2003 rund 250 Millionen Euro niedrigere Kosten vor. Nach dem am Mittwoch bekannt gegebenen hohen Verlust von fast 122,8 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2001/2002 solle das Sparprogramm das Ergebnis wieder "deutlich verbessern".

Sommerbuchungen bei Cook neun bis zehn Prozent unter Vorjahr

Bei den Buchungen in der für die Touristik entscheidenden Sommersaison liege Thomas Cook derzeit konzernweit noch neun bis zehn Prozent unter dem Vorjahresstand. Die Wintersaison bewege sich auf dem bereits schwachen Vorjahresniveau, sagte Pichler. Für eine verlässliche Prognose zum Gesamtjahr sei es zu früh. "Dafür ist die weltpolitische Unsicherheit zu groß", sagte der Cook-Chef. Die Reiseflaute hat sich nach Einschätzung Pichlers in diesem Jahr auf ganz Europa ausgeweitet. "Politische Verunsicherung und mangelndes Vertrauen in die Zukunft sind kein rein deutsches Phänomen mehr, sondern spiegeln generell die Stimmung der Bevölkerung in Europa wider", sagte Pichler. Seit Jahresbeginn drücke die Irak-Diskussion auf die Reiselust. "In den Köpfen der Menschen hat der Irak-Krieg schon begonnen."

Ziel von Thomas Cook bleibt weiterhin die Börsenfähigkeit

Ungeachtet der aktuellen Probleme der Touristikbranche hält Pichler an dem Ziel fest, Thomas Cook auf einen möglichen Börsengang vorzubereiten. "Börsenfähig zu sein heißt für uns, einen entsprechenden Professionalisierungsgrad zu haben. Über einen Börsengang müssen die Gesellschafter entscheiden", betonte Pichler. Konkrete Pläne von Karstadt oder Lufthansa sind dafür bislang nicht bekannt. Zur künftigen Strategie gehöre auch der Aufbau neuer Wachstumsmärkte vor allem in China und Indien. In fünf Jahren sollten dort 20 Prozent der Umsätze gemacht werden.

Thomas Cook ist im Geschäftsjahr 2001/2002 tief in die roten Zahlen gerutscht. Grund sind nach Angaben von Konzernchef Stefan Pichler der Einbruch bei den Buchungen vor allem in Deutschland und einmalige Sonderausgaben des Konzerns.

Für das am 31. Oktober zu Ende gegangene Geschäftsjahr weise Thomas Cook einen Konzernverlust (nach Anteilen Dritter) von 122,8 Millionen Euro aus, nach einem Gewinn von 25,4 Millionen Euro im Jahr zuvor, teilte Pichler am Mittwoch in Neu-Isenburg bei Frankfurt mit. Zwar stieg der Gesamtumsatz durch die erstmalige Einbeziehung der britischen Konzerntochter um gut drei Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) sei jedoch um 60 Prozent auf 62,2 Millionen Euro eingebrochen, teilte Pichler mit. Trotz der weiterhin unsicheren Lage strebe der Konzern für das Geschäftsjahr 2002/2003 eine deutliche Ergebnisverbesserung an, sagte Pichler, nannte zunächst aber keine konkreten Zahlen.

Besonders schwer getroffen wurde Thomas Cook im heimischen Markt. Der Geschäftsbereich Deutschland trug nur noch 1,0 Millionen Euro zum Ergebnis bei, nach 68,3 Millionen Euro im Vorjahr. Nach dem Anschlag im tunesischen Djerba und dem Hochwasser in Ostdeutschland habe es eine größere Kaufzurückhaltung gegeben. Die Fixkosten für Flugzeuge und Hotels seien nicht in gleichem Tempo verringerbar gewesen.

Konzernweit sank die Gästezahl um 9,3 Prozent auf 13,2 Millionen. Der Umsatz wuchs wegen der erstmals ganzjährigen Einbeziehung der britischen Tochter auf 8,1 Milliarden Euro nach 7,8 Milliarden Euro. Eine seriöse Ergebnisprognose für das laufende Jahr sei derzeit nicht möglich, sagte Pichler. Vor allem der deutsche Absatzmarkt bleibe schwierig. Nur wenn es nicht zu einem Irak-Krieg komme, sei ein Umsatzwachstum von drei bis vier Prozent realistisch. Unter dieser Voraussetzung sei für dieses Geschäftsjahr unter dem Strich ein positives Ergebnis zu erwarten. Im ersten Quartal (November bis Januar) wurde vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein operativer Verlust von 212,8 Millionen Euro (Vorjahr: minus 203,4 Millionen Euro) ausgewiesen. Die Gästezahl lag mit 1,5 Millionen leicht über dem Vorjahreswert von 1,4 Millionen, der aber bereits schwer von den Folgen der Terroranschläge in den USA getroffen war. Rote Zahlen im ersten Quartal sind in der Branche üblich.

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