Buchungen stark rückläufig
Tui erwartet erneut schwieriges Jahr

Europas größter Reisekonzern Tui erwartet infolge dramatischer Buchungsrückgänge in diesem Jahr weitere Gewinneinbußen im Touristikgeschäft. Nur dank guter Erträge in der Logistik und der Einnahmen aus dem Verkauf der Energiesparte will der Konzern sein Gesamtergebnis 2003 aber steigern.

Reuters HANNOVER. Der Rückstand der gebuchten Umsätze gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr habe sich konzernweit binnen zwei Monaten erheblich vergrößert, von minus sechs Prozent auf minus zehn Prozent Anfang Mai, teilte Tui am Mittwoch in Hannover mit. Als Grund nannte Tui den Irak-Krieg und die schwache Konjunktur. Während die Wintersaison 2002/03 auf Vorjahresniveau abgeschlossen habe, liege das normalerweise doppelt so umsatzstarke Sommergeschäft konzernweit 15 % unter dem schon schwachen Vorjahreswert. Besonders betroffen mit einem Rückgang von mehr als 16 % ist Deutschland, wo Tui auch für die kommenden Monaten wegen der anhaltenden Konsumzurückhaltung skeptisch bleibt.

Verhaltener Ausblick

Konzernchef Michael Frenzel verzichtete angesichts der unsicheren Entwicklung in der Reisebranche auf einen detaillierten Ausblick für 2003, kündigte aber bereits Gewinneinbußen für die Touristik an. Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) in der wichtigsten Tui-Sparte werde sowohl im ersten Quartal als auch im gesamten Geschäftsjahr unter dem Vorjahr liegen, sofern es nicht noch starke Nachholeffekte gebe.

Für die ersten drei Monaten erwartet Tui nach Worten Frenzels einen deutlich höheren Verlust als im Vorjahr, als das operative Ergebnis auf minus 29 Mill. ? zurückging. Dennoch will Tui im Gesamtjahr das Ebta des Vorjahres übertreffen, das 2002 um 25 % auf 608 Mill. ? gesunken war. Allein aus den Verkäufen werde Tui 800 Mill. ? Ertrag erwirtschaften. Ebenso werde die Logistiksparte wegen steigender Frachtraten ihr Ergebnis verbessern, sagte Frenzel.

Für die Touristik blieb der Tui-Chef skeptisch. Vor dem Irak-Krieg hatte die Touristikbranche stets erklärt, man setze auf einen starken Nachholbedarf nach Kriegsende. Den leichten Aufwärtstrend bei den Reisebuchungen in den vergangenen zwei Wochen wollte Frenzel jedoch nicht überbewerten. Dies sei noch keine verlässliche Basis für einen entsprechend positiven Ausblick.

Konzerngewinn um 90 Prozent eingebrochen

Bereits im vergangenen Jahr ging das operative Ergebnis in der Touristik noch stärker zurück, als nach den ersten Bilanzzahlen zu 2002 Ende Januar erwartet worden war. Dieses fiel um 37 % auf 332 Mill. ?. Der Tui-Konzerngewinn schrumpfte 2002 infolge von Sonderabschreibungen und höherer Steuern um 90 % auf 41 Mill. ?. Die Ursachen lagen unter anderen in Belastungen aus dem Verkauf von Immobilien in Salzgitter. Die Dividende soll dennoch mit 0,77 ? je Aktie stabil bleiben.

Hinsichtlich der mittelfristigen Perspektive von Tui zeigte sich Frenzel trotz der schwierigen Lage in der Touristik unverändert optimistisch. "Wir werden die nächsten Monate zur Verbesserung unserer Ertrags- und Finanzkraft nutzen", kündigte er an. Die Umsetzung des Sparprogramms von 260 Mill. ? in diesem Jahr und der Abbau von 2000 Stellen laufe planmäßig. Ziel sei, die Verschuldung von 5,4 Mrd. ? Ende 2002 in diesem Jahr wie geplant unter vier Mrd. ? und bis Ende 2004 auf unter drei Mrd. ? zu senken. Die Gespräche über den Verkauf der Handelssparte in den USA (AMC, US Steel) sollten noch 2003 abgeschlossen werden.

Künftig steht Frenzel an der Spitze eines von sieben auf vier Mitglieder reduzierten Vorstandes. Am Vortag hatte Tui das Ausscheiden der beiden für Touristik zuständigen Vorstandsmitglieder Ralf Corsten und Charles Gurassa bekannt gegeben. Der Aktienkurs war daraufhin stark zurückgegangen. Frenzel rechtfertigte den Schritt als Mittel zu mehr Effizienz in der Konzernführung. Für die Touristik seien jetzt mehrere Bereichsvorstände verantwortlich.

Der tiefgreifende Wandel der Touristikbranche biete für Tui die Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen, sagte Frenzel. Die Gründung der neue Billigmarke Discount Travel in dieser Woche sei ein solcher Schritt. Tui schließe damit eine Marktlücke. "Das Kerngeschäft von Tui bleibt auch in Zukunft die qualitativ hochwertige Pauschalreise", sagte Frenzel zu dem Vorwurf, mit Discount-Reisen sei kein Geld zu verdienen. Auch den Trend zu individuell zusammengestellten Reisen werde Tui in Kürze mit einem Hotelportal im Internet bedienen.

Die Tui-Aktie lag am Mittag in einem knapp behaupteten Gesamtmarkt rund ein Prozent im Minus bei 14,25 ?.

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