Buchungsflaute stärkt Low-Budget-Bereich: Tui setzt nun auch auf Billigreisen

Buchungsflaute stärkt Low-Budget-Bereich
Tui setzt nun auch auf Billigreisen

Als Reaktion auf die anhaltende Buchungsflaute im Tourismusmarkt will der weltgrößte Reisekonzern Tui (Hannover) neben seinen Billigflügen künftig auch Billigreisen anbieten.

HB/dpa HANNOVER. "Es wird in Zukunft ein ganz einfaches Basisprodukt geben, zu dem der Kunde dann einzelne Leistungen - etwa Transfer zum Hotel, Catering im Flugzeug etc. - hinzubuchen kann", sagte Tui-Chef Michael Frenzel der Zeitschrift "Touristik Report" vom Donnerstag.

"Das Thema Reisen wird heute sehr stark vom Preis getrieben." Es habe eine dramatische Veränderung beim Konsumentenverhalten gegeben, die ein Reflex auf die wirtschaftliche Situation in Deutschland und "kein vorübergehendes Phänomen" sei.

Offen sei, ob die bisherige Billigmarke des Konzerns 1-2-Fly neu positioniert oder ein neuer Veranstalter gegründet werde. Die Kernmarke Tui werde weiterhin die führende Marke bleiben. "Wir müssen aber auch erkennen, dass in diesem Segment die Wachstumsraten begrenzt sind." Die Nachfrage im mittleren Segment werde kleiner werden. "Im Low-Budget-Bereich müssen wir uns dagegen strukturell ganz sicher verstärken. Und das wird auch passieren", sagte Frenzel.

Kein Verzicht auf Reisebürovertrieb

Für die Vermarktung werden die Tui aber nicht wie bei der eigenen im Herbst 2002 gegründeten Billigfluglinie Hapag Express-Lloyd (Hlx) vorwiegend auf das Internet setzen. Es wäre töricht, bei dem Verkauf von Low-Cost-Pauschalreisen auf die Macht des Reisebürovertriebs zu verzichten, sagte Frenzel. "Wir brauchen ein Produkt, das ohne großen Beratungsaufwand in den Reisebüros verkauft werden kann."

Frenzel betonte, beim hauseigenen Charterflieger Hapag-Lloyd Flug (Hlf) sei keine Verkleinerung der Flotte geplant. Er kündigte aber an, die Kostenschraube massiv anzuziehen. "Die Charterfluggesellschaften (...) müssen sich in ihren Kostenstrukturen mit den No-Frills-Airlines messen lassen", sagte er. Die Produktivität der neuen Billigfliegern sei die Messlatte. Tui hatte im vergangenen Herbst mit Hlx eine eigene Billigfluglinie gegründet, die deutlich preiswerter als der klassische Ferienflieger arbeitet. Ein Grund ist vor allem, dass es bei Hlx nicht die tarifliche Regelungsdichte für Arbeitszeiten und Gehälter gibt.

Zusammenarbeit möglich

Zwischen dem Ferienflieger und der neuen Billiglinie werde möglicherweise in Teilen auch zusammengearbeitet, sagte er. Ohnehin werde Hlx weiter wachsen. "Ich schließe nicht aus, dass wir Übernahmemöglichkeiten wahrnehmen, um dadurch auch europäisch schneller zu wachsen." Im Blick sei aber eine Expansion aus eigener Kraft. "Die Leasingraten für Flugzeuge sind im Moment sehr günstig. Diese Gelegenheit werden wir nutzen." Bislang fliegt Hlx mit vier von der Berliner Fluggesellschaft Germania geleasten Maschinen.

Um seine rund 150 000 Hotelbetten besser auszulasten, werde der Konzern künftig die Zimmer auch direkt vermarkten. Dies "war in der Branche lange Jahre tabu, aber es wird kein Weg daran vorbeigehen", sagte Frenzel. "Wichtig ist, dass wir auch bei der Einzelvermarktung von Hotels die Preishoheit haben und steuern können."

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