Budget Großbritannien: Kommentar: Subtile Warnung vor dem Euro

Budget Großbritannien
Kommentar: Subtile Warnung vor dem Euro

Denn auch wenn die britischen Zahlen gut sind - die britische Wirtschaft dürfte auch in diesem Jahr das dritthöchste Wachstum unter den Industrienationen aufweisen.

Schatzkanzler Gordon Brown hat die Budget-Rede zu einer kaum verhohlenen Warnung gegen den Euro-Beitritt genutzt. Zwar erwähnte der britische Finanzminister die Gemeinschaftswährung in seiner knapp einstündigen Rede vor dem Parlament nur einmal direkt. Doch die Art und Weise, wie er die Entwicklung der britischen Wirtschaft mit der Euro-Zone verglich, machte die Warnung des Finanzministers nur zu deutlich. Ob bei der Wachstumsprognose für das kommende Jahr ("doppelt so hoch wie in der Euro-Zone"), beim Stand der Arbeitslosigkeit ("fast die Hälfte des europäischen Durchschnitts") oder den Schulden ("wesentlich höher in der Euro-Zone"). Der Schatzkanzler ließ kaum eine Gelegenheit aus, die großen Unterschiede zwischen der heimischen Wirtschaft und dem Zustand der Euro-Zone herauszustellen.

Gordon Brown machte dabei freilich aus der Not eine Tugend. Denn auch wenn die britischen Zahlen gut sind - die britische Wirtschaft dürfte auch in diesem Jahr das dritthöchste Wachstum unter den Industrienationen aufweisen: Absolut sind sie längst nicht mehr so, wie sie einst waren. So musste der Schatzkanzler das erwartete Wachstum des Bruttoinlandsproduktes wie erwartet auf 2 bis 2,5 % deutlich nach unten revidierten. Auch die Schuldenaufnahme deutet einen riskanteren Kurs an: Ging der Kanzler im November noch von 24 Mrd. Pfund für das Fiskaljahr 2003 /04 an neuen Ausleihungen aus, so verkündete er gestern einen Anstieg um 3 auf 27 Mrd. Pfund. Das erwartete Konsum-Wachstum von 3 bis 3,5 % konnte nicht verhehlen, dass die Briten vom weltweiten Abwärtstrend betroffen ist. Der bedrohliche Anstieg der Hauspreise kann noch immer zu einem plötzlichen Crash führen, von dem die heimischen Konsumenten und damit die Volkswirtschaft deutlich stärker betroffen ist als irgendeine andere in Europa.

Zwar hat der Schatzkanzler das gemerkt und umfangreiche Initiativen für kleine und mittlere Unternehmen angekündigt. Doch bei allen Hinweisen darauf, dass die zum 7. Juni anstehende Entscheidung über den Euro-Beitritt zu einer weiteren Verschiebung der endgültigen Entscheidung führt, könnte Brown auch eine Gelegenheit verpassen. So ist längst nicht klar, ob die Briten beim nächsten möglichen Zeitpunkt dann noch in einer ähnlich starken Position befinden.

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