Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen will Festnetzsparte bei Freenet einbringen
Börse honoriert Mobilcom-Umbau nicht

Gerhard Schmid baut die Mobilcom AG, Büdelsdorf, zu einem lupenreinen UMTS-Mobilfunk-Anbieter um. Dabei will der Vorstandschef die Festnetzsparte mit 350 Mitarbeitern abtrennen und in die ebenfalls börsennotierte Internet-Tochter, Freenet AG, einbringen. "Die Modalitäten stehen aber noch nicht fest", sagte ein Mobilcom-Sprecher.

lip HAMBURG. Die Transaktion soll per Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage erfolgen, wobei sich der Mobilcom-Anteil an Freenet von 77 % auf 80 % bis 90 % erhöhen würde. Der Deal soll von den Freenet-Aktionären auf der kommenden Hauptversammlung im April abgesegnet werden. "Von unserer Seite ist dies zeitlich machbar", sagte Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr dem Handelsblatt.

Die Notierungen beider Gesellschaften profitierten von den Umbauplänen nicht. Die Mobilcom-Aktie sank am Montag um 5 % auf 24,12 ?, der Freenet-Kurs knickte sogar noch deutlicher um fast 8 % auf 11,65 ? ein.

Mit der Festnetzsparte würde Freenet seinen Umsatz von knapp 25 Mill. auf 500 Mill. ? vervielfachen. Damit würde die Internetgesellschaft zum drittgrößten Anbieter von Telefon- und Datendiensten im deutschen Festnetz aufsteigen, nach den Marktführern Deutsche Telekom und der Vodafone-Tochter Arcor. Offen ist derzeit vor allem, mit welchem Wert die Festnetzsparte bei Freenet eingebracht werden soll. "Wir gehen von einem Betrag von unter 100 Mill. ? aus", sagte Spoerr. Der Festnetzbereich umfasste Mitte 2001 rund 930 000 Pre-Selection-Kunden, die alle Ferngespräche über Mobilcom führen, und erzielte ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 5,1 Mill. ?.

Möglicherweise Beginn weiterer Transaktionen

Die Abgabe des Festnetzbereichs ist möglicherweise der Beginn weiterer Transaktionen innerhalb des Mobilcom-Konglomerats: Danach könnte Großaktionär (40 %) und Vorstandschef Schmid einen Teil des Aktienpakets von Freenet an den Mobilcom-Großaktionär France Telecom (FT, 28,5 %) oder deren Internettochter Wanadoo veräußern. Als Gegenleistung könnte er dafür von der FT-Mobilfunk-Tochter Orange deren Münsteraner Mobilfunkunternehmen Hutchison Telecom übernehmen.

Dahinter steht auf Seiten von FT und Orange das Ziel, beide Mobilfunkbeteiligungen in Deutschland unter einem Dach zu vereinen. Bislang hat Schmid aber die mit Orange vereinbarte Übernahme Hutchisons nicht umgesetzt. Der Mobilcom-Chef will die Münsteraner ohne den Einsatz von Barmitteln möglicherweise über eine Kapitalerhöhung finanzieren. "Dies ist eine denkbare Variante", sagte ein Mobilcom-Sprecher.

Dass ein oder mehrere institutionelle Investoren bei Freenet einsteigen, hält auch deren Vorstandschef für möglich. "Es ist denkbar, dass über eine weitere Kapitalerhöhung ein Freenet-Anteil bei Investoren platziert wird", sagte Spoerr. Wer als Interessent in Frage kommt, wollte er nicht sagen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%