Büdelsdorfer prüfen Klage gegen France Télécom
Franzosen rücken von Mobilcom ab

Der französische Staat hat offenbar France Télécom aufgefordert, die Beziehung zu Mobilcom zu beenden. So will Paris verhindern, dass der Schuldenberg des Telefonriesen weiter anwächst.

abo/lip/slo PARIS/HAMBURG. France Télécom S.A., Paris, (FT) steht offenbar unter dem Druck von Aktionären, seine Beziehung zu Mobilcom schnell und mit möglichst geringen Kosten zu beenden. Vor allem der französische Staat, der rund 54 % an dem Telefonriesen hält, drängt France-Télécom-Vorstandschef Michel Bon in diese Richtung, heißt es in Firmenkreisen. Dies gilt sowohl für den Fall, dass Bon Mobilcom mehrheitlich erwirbt als auch für einen Ausstieg. France Télécom hält 28,5 % der Mobilcom-Aktien.

In der Umgebung des FT-Chefs werden beide Versionen nicht ausgeschlossen. Alle mit Mobilcom zusammenhängenden Investments könnten dann zügig abgeschrieben werden. "France Télécom hat nicht mehr die Wahl: Sie muss aus dem deutschen Schlamassel zu möglichst geringen Kosten heraus", zitiert die Pariser Zeitung "Libération" einen Berater des französischen Finanzministers Laurent Fabius. Hintergrund des Streits sind die bevorstehenden Milliardeninvestitionen im Zuge der Einführung des Mobilfunkstandards UMTS.

Weder das Ministerium noch das Unternehmen nahmen hierzu offiziell Stellung. Der Aktienkurse der Kontrahenten, die durch das Zerwürfniss in den letzten Wochen eingebrochen waren, legten am Mittwoch leicht zu.

Bereits am Vortag war der Streit mit FT eskaliert: Danach drohte Mobilcom, die Kooperationsvereinbarung zu veröffentlichen. Damit will das Unternehmen aus Büdelsdorf bei Hamburg belegen, dass sich die Franzosen nicht aus ihrem Mobilfunk-Engagement in Deutschland herausziehen können.

Hingegen geht man bei France Télécom davon aus, dass eine Auflösung der Patt-Situation nach den Verträgen möglich ist, ohne dass man Großaktionär und Firmengründer Gerhard Schmid zu Höchstkursen von vor zwei Jahren auskaufen müsste. "Beim aktuellen Börsenwert und angesichts der hohen Verschuldung hat Mobilcom derzeit einen Wert nahe Null", meint ein Manager aus der Telekombranche.

Schlimmstenfalls müsse France Télécom einen Paketaufschlag auf den Durchschnittskurs der letzten Wochen zahlen. Dieser Betrag würde dann samt den Schulden des Unternehmens als Einmalaufwendung in der Konzernbilanz konsolidiert - und voraussichtlich zu einem drastischen Verlustausweis führen.

Dies würde zu Spekulationen in Pariser Finanzkreisen passen, dass der operativ profitable, aber mit mehr als 50 Mrd. Euro verschuldete französische Telefonriese den überhöhten Wertansatz der für über 40 Mrd. Euro erworbenen Mobilfunk-Tochter Orange S.A./Plc. aus seiner Bilanz tilgen könnte. FT würde damit im Konzern erstmals seit der Teilprivatisierung einen hohen Jahresfehlbetrag ausweisen. Anfang des Jahres rechneten Analysten noch mit einem Gewinnausweis von bis zu 2 Mrd. Euro.

Eine Sofortabschreibung wäre für den Konzern aber finanziell ein Kraftakt: Damit würden die Eigenmittel schrumpfen und die Verschuldungsquote steigen. Folge: Das Kreditrating verschlechtert sich. Um die verfügbaren Mittel nicht zu schmälern, erwägt France Télécom, seine Dividende in 2002 mit Aktien zu zahlen.

Unterdessen prüft Mobilcom eine Klage gegen France Télécom, weil sie über eine indirekte Beteiligung von 30 % an der New Radio Tower Company Mobilfunkaktivitäten in Deutschland betreibt, erklärt ein Mobilcom-Sprecher. Dies verstoße gegen einen Vertrag, der den Büdelsdorfern ein Exklusivrecht einräumt.

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