Bündelung politischer Energie
Hohe Erwartungen an den Millenniums-Gipfel der UN

150 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt treffen sich ab Mittwoch in New York. UN-Generalsekretär Kofi Annan hofft auf Unterstützung im Kampf gegen die Massenarmut.

ap NEW YORK. Das Chaos auf den Straßen New Yorks ist vorprogrammiert, wenn die Staats- und Regierungschefs und Delegationen aus mehr als 150 Staaten sich vom kommenden Mittwoch an zum UN-Millenniums-Gipfel treffen. Doch das ist Nebensache, wie Werbespots den Einwohnern der Metropole zu erklären versuchen: "Hier wird Geschichte gemacht", verkündet der Sänger Harry Belafonte den New Yorkern in den im Fernsehen ausgestrahlten Einblendungen. Die Vereinten Nationen haben sich nicht weniger vorgenommen, als die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupacken.

Generalsekretär Kofi Annan hofft in New York auf klare Unterstützung der mehr als 150 Entscheidungsträger aus aller Welt für die drängendsten sozialen Ziele: bis 2015 mehr als eine Milliarden Menschen aus ihrer extremen Armut zu befreien, allen Kindern den Besuch der Grundschule zu ermöglichen und die Aids-Epidemie einzudämmen. Die Verhinderung von Kriegen und Konflikten und der Schutz der Umwelt liegen den UN ebenso am Herzen.

"Es ist leicht, solche Treffen zynisch abzutun und zu sagen: "Ach, sie bringen ja sowieso nichts'", sagt Annans Stellvertreterin Louise Frechette. "Aber viele dieser Zusammenkünfte haben wirklich etwas gebracht, indem sie die politische Energie gebündelt und den politischen Willen gestärkt haben." Der zweite große Block des Gipfelprogramms umfasst das Thema Informationstechnologie. Annan warnte in einem Bericht im April davor, dass die revolutionären Entwicklungen in diesem Bereich nicht Milliarden Menschen in Elend zurücklassen oder gar stürzen dürften.

"Wir erleben dramatische Veränderungen in den internationalen Beziehungen, und es wächst das Gefühl, dass diese Organisation Anleitung von höchster Ebene braucht", beschreibt Frechette den Hintergrund für den dreitägigen Gipfel. Die 188 UN-Mitgliedsstaaten kämen mit den Auswirkungen der Globalisierung auf die Struktur der Weltpolitik, die auf einzelstaatliche Entscheidungen gerichtet sei, nicht zurecht, meint der britische UN-Gesandte Jeremy Greenstock.

Ob der New Yorker Gipfel, bei dem jeder Staats- oder Regierungschef eine fünfminütige Rede halten und an einer etwa dreistündigen Diskussion teilnehmen darf, einen Ansatz für die komplexen Probleme findet, bleibt abzuwarten. Einige Diplomaten äußerten bereits die Befürchtung, es werde zu Millionen Worten kommen, aber nur zu wenigen Taten.

Im Rahmen des Millenniums-Gipfels werden die Staats- und Regierungschefs der Sicherheitsratsmitglieder am 7. September über Friedensmissionen der UN sprechen, und viele Mini-Gipfel der führenden Politiker sind geplant. Frechette rechnet mit mehreren hundert solcher Unterredungen. Unter anderem will sich US-Präsident Bill Clinton mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak zu getrennten Gesprächen treffen, um dem Friedensprozess im Nahen Osten neuen Schwung zu geben.

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