Bündnis der EU mit den USA erneuern
Drehbuch für Europas Zukunft gesucht

Frederick Kempe analysiert die Folgen der Nato-Erweiterung und des Terroranschlags von Madrid. Aus seiner Sicht hat der 11. März für Europa keine geringere Bedeutung als der Angriff auf Pearl Harbor und der 11. September für Amerika.   Zur englischen Version

WSJ/HB NEW YORK. Sieben neue Mitglieder hat die Nato vergangene Woche aufgenommen, fast die Hälfte davon aus dem ehemaligen Ostblock. Auch die EU wird in drei Wochen um zehn Staaten wachsen, darunter ehemalige Sowjet-Republiken. Mit beiden historischen Ereignissen findet der Polit-Thriller zur Geschichte Europas im 20. Jahrhundert sein "Happy End".

Doch noch bevor der Abspann läuft, haben Terroristen in Madrid schon ein neues Drama eröffnet. Und Extremisten im Kosovo erinnern uns, dass die Geschichte Europas nicht zu Ende erzählt ist. Der neue Film zum neuen Jahrhundert wird komplexer und unübersichtlicher ausfallen als der alte mit seinen beiden Weltkriegen und einem Kalten.

Da inzwischen Nahost das zentrale Schlachtfeld geworden ist, fällt der EU eine größere Rolle zu als viele wahrnehmen. Europa liegt näher am Nahen Osten als Amerika und hat einen höheren muslimischen Bevölkerungsanteil. Die Madrider Anschläge vom 11. März haben für Europa keine geringere Bedeutung als der Angriff auf Pearl Harbor und der 11. September für Amerika. Doch während Pearl Harbor und der 11. September bei uns eine Mobilisierung auslösten, ist das Fazit von Madrid noch unklar.

Das Problem ist, dass die EU so sehr mit internem Zank beschäftigt ist, dass sie sich nicht durchringen kann, die wachsende äußere Bedrohung anzupacken. Den Grund dafür sehen einige Europäer darin, dass die Gemeinschaft inzwischen zu groß und damit brüchig geworden ist. Der wahre Grund aber ist: Der Sinn ist verloren gegangen. Mit einem Ziel vor Augen wären Reformen leichter anzugehen. Hilfreich wären jetzt gute Drehbuchautoren, mit Ideen für ein "Happy End".

Als alternative Autoren empfehlen sich die "Vilnius 10", eine Gruppe hochkarätiger Politiker und Think-Tanker aus den Beitrittsländern. Ihnen geht es um drei Dinge: Erstens, dass ihre Partnerschaft in EU und Nato eng und dauerhaft ist. Zweitens, dass die EU den "Großraum Europa" im Auge behält und weitere Beitritte nicht ausschließt. Drittens wollen sie mit Washington externe Bedrohungen wie den globalen Terror angehen. Sie setzen auf die USA als Sicherheitsgaranten, solange Europa dieser Aufgabe noch nicht gewachsen ist. Der Einfluss des "New Europe" ist noch gering. Manche Europäer definieren die EU lieber als Gegenstück zu Washington denn als Partner in neuer Mission. Scheinbar müssen erst noch schlimmere Terroranschläge geschehen, damit die EU zu entschlossener Politik zusammenrückt. Die Beitrittsländer sind diejenigen, deren Befreiung am kürzesten zurückliegt. Ihnen ist noch am besten in Erinnerung, wie hoch der Preis für Untätigkeit ist - und wie groß der Lohn für Engagement.

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