Bündnis für Bildung
Politiker und Bildungsexperten für neue Bildungsreform

Rau kritisiert zu geringe Ausgaben für Wissensangebote. Reform könne nur als "Projekt der ganzen Gesellschaft" gelingen

Berlin, 14. Juli (AFP) - Führende Politiker und Bildungsexperten haben sich für eine Bildungsreform ausgesprochen. Bundespräsident Johannes Rau sagte am Freitag zum Auftakt des ersten Kongresses des Forums Bildung in Berlin, erfolgreich könne diese allerdings nur als "Projekt der ganzen Gesellschaft" sein. Er kritisierte, dass die öffentlichen Ausgaben für Wissensvermittlung geringer seien "als wir uns das leisten können". Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte auf der Konferenz, sie erwarte von dem Forum bis Ende 2001 Empfehlungen zur Qualitätssicherung und Zukunftsfähigkeit des deutschen Bildungswesens. Das "Bündnis für Bildung" habe einen hohen Stellenwert in Deutschland. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Bemühungen grundsätzlich, forderte aber "endlich" konkrete Schritte.

Laut Rau ist eine Bildungsreform notwendig, die sich nicht darauf beschränkt, Erkenntnisse der Organisationslehre und der Betriebswirtschaft auf Schulen und Hochschulen zu übertragen. Bildung sei kein "Gebiet" und keine politische Zuständigkeit wie viele andere. "Was heute reformiert wird, darf nicht morgen schon wieder nachgebessert werden müssen. Die Schule taugt nicht als permanentes Experimentierfeld." Als bleibende Ziele von Bildung nannte Rau die Entwicklung der Persönlichkeit, die Teilhabe an der Gesellschaft und die Vorbereitung auf den Beruf.

Bulmahn sagte, das Bildungssystem müsse leistungsfähiger werden, indem es zu einer "lernenden Organisation" umgestaltet werde. Dabei sollten die Voraussetzungen für individuelle Leistungen verbessert werden, damit Kreativität und Eigenverantwortung "gefordert und gefördert" werden. Bulmahn mahnte, alle Menschen auf dem "Bildungsweg" mitzunehmen. Auch Rau warnte davor, ein "Bildungsproletariat" zu schaffen, das den sozialen Anschluss verliere. Besonders schwer hätten es junge Ausländer. Häufig blieben gerade sie ohne Schul- und Berufsabschluss. "Hier brauchen wir eine gezielte Förderung", sagte Rau.

Bulmahn nannte als Beispiel für gleichberechtigte Bildungschancen den gleichen Zugang zu den Neuen Medien. Jugendlichen dürfe nicht der Weg in zukunftsträchtige Berufe verschlossen bleiben, nur weil ihnen die finanziellen Mittel für Hard- und Software oder den Internet-Zugang fehlen. In Zukunft spielten Lehr- und Lernsoftware die gleiche Rolle wie heute Schulbücher oder die Wandtafel, so die Bildungsministerin. "Die Ausstattung aller Bildungseinrichtungen mit Computern und Internetzugängen ist daher nur ein erster Schritt. " Daten und Informationen müssten aber weiterhin mit Wissen und Wertmaßstäben verknüpft bleiben. Rau sagte, der Computer sei ein "wunderbarer und intelligenter Knecht", aber er ersetze nicht menschliche Begegnungen oder Lebenserfahrung.

Die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange erklärte, Bildungspolitik dürfe sich nicht alleine an den Interessen der Wirtschaft orientieren, sondern müsse soziale Ausgrenzung verhindern und Chancengleichheit vom Kindergarten bis zur Weiterbildung umsetzen. Die Kultus- und Wissenschaftsministerien seien jetzt gefordert, für eine "qualitative Bildungsreform" konkrete Handlungsschritte einzuleiten. "Sie müssen endlich mit der seit Jahren diskutierten Bildungsreform Ernst machen." Stange bot Mitarbeit bei der Umsetzung der Pläne an.

Auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst Ludwig Winnacker, unterstützte im Deutschlandradio Berlin ein "Bündnis für Bildung". Die Hochschulen müssten Strukturreformen umsetzen, bräuchten aber auch Geld. "Es muss dringend etwas geschehen", sagte Winnacker. Besonders die Perspektiven für junge Wissenschaftler müssten durch neue Karrierewege wie Juniorprofessuren und veränderte Wege zur Habilitiation verbessert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%