Buenos Aires
Mutmaßlicher Reemtsma-Entführer Drach an Deutschland ausgeliefert

Vier Jahre und vier Monate nach der spektakulären Tat ging Drach in Begleitung deutscher Kripobeamter in Buenos Aires an Bord einer Lufthansa-Maschine nach Deutschland. Der Löwenanteil des Lösegeldes von 30 Mill. DM bleibt weiter verschwunden.

dpa BUENOS AIRES/HAMBURG. Der mutmaßliche Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist am Freitag von Argentinien an Deutschland ausgeliefert worden. Vier Jahre und vier Monate nach der spektakulären Tat ging er in Begleitung deutscher Kripobeamter in Buenos Aires an Bord einer Lufthansa-Maschine nach Deutschland. Der Jumbo wurde nach einem 13-stündigen Flug an diesem Sonnabendvormittag in Frankfurt erwartet.

Das bestätigte auch die Hamburger Polizei. "Damit ist es gelungen, den letzten der vier Entführer (...) den deutschen Ermittlungsbehörden zu überstellen", hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Voraussichtlich am Sonnabendnachmittag werde Drach dann in Hamburg eintreffen. Weiter verschwunden blieb jedoch der Löwenanteil des Lösegeldes von 30 Mill. DM.

Interviews mit Drach sind während seiner mehr als zweijährigen Auslieferungshaft nicht bekannt geworden. Er lehnte sogar die jedem im Ausland festgenommenen Deutschen zustehende konsularische Betreuung ab. Ob er sich bei den Vernehmungen in Deutschland gesprächiger zeigen wird, bleibt abzuwarten.

Nach einem kurzen Fototermin auf dem Flughafen wurde Drach bereitstehenden Kripobeamten aus Deutschland übergeben. Sie brachten den Rheinländer unmittelbar anschließend in die erste Klasse der Lufthansa-Maschine. Die kleine Kabine auf dem Oberdeck des Flugzeugs hat nur 16 bequeme Sessel. Sie waren nach Auskunft von Lufthansa alle ausgebucht.

Von Frankfurt aus sollte der Rheinländer am Samstagvormittag aus Sicherheitsgründen in einem Hubschrauber nach Hamburg geflogen werden. Die Behörden befürchteten einen Fluchtversuch. Da der Löwenanteil des Lösegeldes bis heute verschwunden blieb, wurde auch eine Entführung Drachs nicht ausgeschlossen.

Drach hatte nach Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft im März 1996 den Hamburger Multimillionär Jan Philipp Reemtsma entführt und nach der Zahlung des Lösegeldes nach 33-tägiger Geiselhaft freigelassen. Der heute 40-Jährige war zwei Jahre nach der Tat in Argentinien verhaftet worden. Er beteuert seine Unschuld. Bereits verurteilte Komplizen belasten ihn jedoch schwer.

Drach hatte noch im letzten Augenblick Verfassungsklage eingereicht, die jedoch zurück gewiesen wurde. Der Oberste Gerichtshof Argentiniens hatte die Auslieferung bereits Ende Juni abgesegnet. Vergangene Woche unterzeichnete dann auch Präsident Fernando de la Rua ein entsprechendes Dekret. Zugleich stellte er ein argentinischen Strafverfahren gegen Drach ein. Bei seiner Festnahme hatte der Deutsche 1998 einen falschen britischen Pass vorgelegt.

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