Bürger auf Distanz zur Riester-Rente
Weg frei für neue attraktive Betriebsrente

Die Vorsorge wächst in eine neue Dimension. Jetzt kommen Angebote für attraktive Betriebsrenten an den Markt. IG Metall-Chef Zwickel empfiehlt, Weihnachtsgeld für eine Zusatzrente anzulegen.

BERLIN. Die private Riester-Rente hat weitere Konkurrenz bekommen. Die Umwandlung von Entgelt zu Anwartschaften für eine betriebliche Altersvorsorge wird nun vermehrt auch über Pensionsfonds von Betrieben angeboten. Darauf wiesen am gestrigen Mittwoch der erste Vorsitzende der IG Metall, Klaus Zwickel, und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in einer gemeinsamen Pressekonferenz hin. Auch in anderen Branchen werden Betriebsrenten-Modelle umgesetzt. Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) verspricht sich von dem neuen Modell der Entgelt-Umwandlung einen Schub für die kapitalgedeckte Zusatzversorgung.

Die Rentenreform 2001 sieht verschiedene Förderwege für die kapitalgedeckte Zusatzvorsorge vor. Bei der sogenannten Riester-Rente gibt der Staat derzeit einen Zuschuss von 38 Euro im Jahr zuzüglich 46 Euro je Kind. Falls es günstiger ist, können Beiträge von bis zu 525 ? im Jahr als Sonderausgabe vom steuerlichen Einkommen abgezogen werden. Trotz großen Werbeaufwand haben bisher nur etwa zwei Millionen von 32 Millionen möglichen Begünstigten einen solche Riester-Vertrag abgeschlossen.

Mit der Rentenreform wurde auch die Möglichkeit geschaffen, Teile von Löhnen und Gehältern zu Beiträgen für eine betriebliche Altersvorsorge umzuwandeln. Dieser Weg sei für die große Mehrheit der Arbeitnehmer "die attraktivste Möglichkeit zum Aufbau einer zusätzlichen betrieblichen Altersvorsorge", sagte Zwickel. Auf diesem Weg können die Arbeitnehmer schon in diesem Jahr bis zu 2 160 ? steuerfrei für eine solche Zusatzvorsorge ansparen. Zusätzlich sparen die Arbeitnehmer gut ein Fünftel Sozialbeiträge, soweit ihr Entgelt nicht über der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung liegt. Die gleiche Beitragsersparnis hat auch der Arbeitgeber. Hinzu kommt, dass durch Gruppenverträge die Konditionen deutlich besser sind als bei Einzelverträgen.

Voraussetzungen jetzt erfüllt

Dass die attraktiven Betriebsrentenmodelle erst jetzt die Marktreife erlangen, hat vor allem drei Gründe: Die Entgeltumwandlung wurde in vielen Branchen zunächst in neuen Tarifverträgen geregelt. Dann galt es neuartige Pensionskassen und Pensionsfonds zu gründen und über die Zulassungshürden zu bringen. Schließlich müssen Außendienstler, Arbeitgeber und Betriebsräte über die neuen attraktiven Möglichkeiten informiert werden, um sie an die Frau oder an den Mann zu bringen.

Diese Klippen sind nun für die Metallrente überwunden, erklärten gestern Zwickel und Kannegiesser. Sie stehe Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie, der Stahl-, der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie von Wäschereien, chemischen Reinigungen und in der Holz- und Kunststoffbranche offen. Auch Arbeitgeber anderer Branchen könnten sich dem Modell anschließen, betonte Zwickel.

Nach dem Gesetz ist es Sache des Arbeitgebers, diese Form der Zusatzrente zu organisieren, der Arbeitnehmer muss sie finanzieren. Kannegiesser betonte, dass die Durchführung der Zusatzrente über die Branchenlösung kostengünstig und administrativ pflegeleicht sei. Er wirbt daher in einem Brief an seine Unternehmerkollegen, sich dem Branchenmodell anzuschließen. Die Metallrente wird aus einem Konsortium von Allianz, Victoria, BHW und WestLB abgewickelt. Ähnliche Branchenlösungen gibt es inzwischen auch für die Chemie, die Bauwirtschaft oder vom Deutschen Beamtenbund (DBB).

Kannegiesser und Zwickel empfahlen, sich jetzt zügig über die Angebote des Arbeitgebers zu informieren. Unter www.metallrente.de stehe im Internet ein "Förder-Rechner" bereit, mit dem man die jeweils günstigste Lösung finden könne. Zwickel erwartet noch in diesem Jahr allein bei der Metallrente mehr als 400 000 Abschlüsse. Meist würden dabei Sonderzahlungen wie Teile des Weihnachtsgeldes in einen Beitrag für eine betriebliche Altersvorsorge umgewandelt. Auch Riester geht davon aus, dass sich "der Markt sehr stark auf die betriebliche Altersvorsorge konzentrieren wird". Dies scheint auch dringend geboten, da das Interesse der Bürger an der Riester-Rente nach einer Forsa-Umfrage drastisch abnimmt.

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