Bürger und Banken sehen Konjunkturerholung skeptisch
Mittelstand plant mehr Einstellungen

Hoffnungsschimmer am Konjunkturhorizont: Die Jobmaschine Mittelstand gewinnt langsam wieder in Fahrt. Auch die Einkommenserwartungen der Bundesbürger liegen über dem Langzeitdurchschnitt. Dennoch ist die Kaufbereitschaft deutlich gesunken. Noch ist unklar, wann die Konjunktur wieder anzieht.

pbs DÜSSELDORF. Der Mittelstand könnte zum Hoffnungsträger für die Konjunkturerholung in Deutschland werden. Anzeichen dafür liefert der Indikator "Jobmaschine Mittelstand" der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach planen die von der Bank geförderten mittelständischen Investoren die Zahl der Arbeitsplätze um durchschnittlich 7,9 % zu erhöhen - das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im Monat zuvor. Erstmals seit September 2001 haben die Beschäftigungspläne damit im Vormonatsvergleich wieder zugelegt. Vor allem Industrie, Bau und Handel wollen mehr Personal einstellen.

Dagegen beurteilen die Bundesbürger die Konjunkturentwicklung noch pessimistisch. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist die Stimmung der Konsumenten trüb. Die Mitte 2000 eingebrochenen Konjunkturerwartungen lägen fast auf dem Stand der Rezession in den Jahren 1992/1993. Allerdings werde die eigene Einkommenssituation wieder besser eingeschätzt. Der Indikator für "Einkommenserwartung" liege über dem langjährigen Durchschnitt. Grund dafür sei die Steuerreform des Jahres 2001. Im laufenden Jahr könnten allerdings höhere Krankenkassenbeiträge, Ökosteuer und die schwierige Arbeitsmarktlage zu einer Eintrübung führen.

Den Pessimismus der Konsumenten teilen Deutschlands Ökonomen nicht. Allerdings sind sie uneins, wann und wie stark der Konjunkturmotor wieder brummen wird. Während die Volkswirte der Deutschen Bank im ersten Quartal noch einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 % gegenüber dem Vorquartal erwarten, rechnet das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) bereits mit einem Plus von 1,5 %. Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn, schätzt, dass die wirtschaftliche Auslastung ihren Tiefpunkt im zweiten Quartal erreichen werde. Zugleich bekräftigte er seine Prognose, derzufolge das BIP 2002 um 0,6 % steigen wird. Damit liegt das Ifo-Institut am unteren Ende der Konjunkturerwartungen der Institute, die zwischen 0,6 und 1,2% liegen.

So verschieden die Konjunkturprognosen, so unterschiedlich die Empfehlungen an die Europäische Zentralbank: Während Sinn gestern energisch Zinssenkungen forderte, betonte IfW-Konjunktur-Experte Carsten-Patrick Meier, die Zinsen seien niedrig und die Wirtschaft befinde sich bereits auf dem Weg der Erholung.

Eher skeptisch äußerten sich die deutschen Privatbanken. "Deutschland hat sich zu einem Belastungsfaktor für die Wirtschaft in der Euro-Zone entwickelt", heißt es im Konjunkturbericht des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Ohne den merklichen Konjunktureinbruch in Deutschland hätte sich der Euro-Raum 2001 mit einem realen Wirtschaftswachstum von 2 % vergleichsweise resistent gegenüber der Abschwächung der Weltwirtschaft gezeigt. Um Deutschland wieder auf Wachstumskurs zu bringen, seien vor allem Strukturreformen auf dem Arbeitsmarkt und bei der Sozialversicherung notwendig.

Den Beginn eines Aufschwungs in der Euro-Zone sieht der BdB noch keineswegs gesichert. Selbst wenn das BIP in der Euro-Zone "unter sehr optimistischen Annahmen" im zweiten Halbjahr mit einer jährlichen Verlaufsrate von rund 31/2 % expandieren sollte, würde der schwache Einstieg in das Jahr bewirken, dass im Jahresdurchschnitt 2002 die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate mit ein bis 11/4 % noch unter der Zuwachsrate des vergangenen Jahres (+1,4 %) läge.

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