Bürgerfest mit Udo Lindenberg und "No Angels"
Zehntausende besuchen Kanzleramt und Ministerien

Mehrere zehntausend Besucher haben am Wochenende in Berlin einen Blick hinter die Kulissen von Kanzleramt und Ministerien geworfen. Hauptattraktion an den Tagen der offenen Tür der Bundesregierung war das neue Kanzleramt, das nach seinem Bezug im Mai erstmals teilweise der Öffentlichkeit zugänglich war. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine Gattin Doris Schröder-Köpf mischten sich am Samstag bei sonnigem Wetter gut gelaunt unter die Besucher. Auch die meisten anderen Bundesminister empfingen die Bürger in ihren Amtssitzen, standen Rede und Antwort und schrieben geduldig Autogramme.

rtr BERLIN. Nachdem schon am Samstag 18 000 Besuchern gekommen waren, rechneten die Organisatoren im Kanzleramt mit insgesamt rund 40 000 Bürgern, die sich in der Schaltzentrale der Macht umsahen. Auch mehrere Stunden Wartezeit vor dem Einlass in das vom Volksmund "Waschmaschine" getaufte Kanzleramt schreckte die Besucher nicht ab. Ihnen standen allerdings nur die untere Etage sowie die Parkanlage offen. Ein Blick in die oberen Etagen, etwa in den Kabinettssaal, blieb einigen tausend Gewinnern mehrerer Preisrätsel vorbehalten.

Wie dem Kanzler denn seine neue Arbeits- und Wohnstätte gefalle, wollte ein Besucher wissen. "Ich habe mich daran gewöhnt und sehr gerne inzwischen", antwortete der Kanzler. "Aber?", fragte eine Besucherin nach offenbar in Anspielung auf Unbehagen, das Schröder vor dem Umzug ins neue Kanzleramt über die Größe des Gebäudes geäußert hatte. "Nix aber, kein Aber", sagte Schröder, der im Laufe des Rundgangs sein Jackett auszog und mit den Besuchern auch über das bevorstehende Fußball-Länderspiel Deutschland-England in München flachste. "Wenn wir verlieren, sind Sie dran Schuld", rief ein Mann dem Kanzler zu. "Weil er nicht kommt", lachte eine ältere Dame. "Nee, weil ich nicht mitspiele", antwortete Fußball-Fan Schröder und erntete schallendes Gelächter der Umstehenden. Der erste der beiden Besuchstage wurde mit einem Bürgerfest vor dem Kanzleramt abgeschlossen, auf dem am Abend Rockstar Udo Lindenberg und die Popgruppe "No Angels" spielten.

Eichel signierte Geldscheine

Großer Andrang herrschte auch im Finanzministerium, wo Hausherr Hans Eichel (SPD) am Sonntag eine Stunde lang den Bürgern Rede und Antwort stand. Das Hauptinteresse der Besucher galt dem Euro, der in vier Monaten die D-Mark endgültig ablöst. Eichel mühte sich, Skepsis gegenüber der Gemeinschaftswährung abzubauen. Der Euro sei vom Außenwert her stärker als die Mark. "Sie schütteln den Kopf, aber es ist so", sagte der Minister. Die Besucher konnten erstmals die deutschen Euro-Münzen anfassen, deren Auslieferung an Banken und Sparkassen am Samstag angelaufen war. Viele Besucher ließen sich von Eichel D-Mark-Scheine signieren, um so eine ganz besonderes Andenken mitzunehmen. Auf die Frage, ob man denn den Kauf neuer Geldbörsen von der Steuer absetzen könne, antwortete Eichel mit Nein. Die Euro-Scheine sind zum Teil höher und schmaler als die D-Mark-Scheine und passen daher in viele alte Portemonnaies nicht hinein.

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