Bürgerinitiative trotzt Appellen der Grünen-Führung
Atomgegner planen größere Blockaden von Castor-Transport

Die Atomgegner schlagen die Appelle der Grünen-Führung zum Verzicht auf Proteste gegen den bevorstehenden Castor-Transport in den Wind. Die Bürgerinitiative im niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg, wo das Atomlager Gorleben liegt, kündigte vielmehr eine deutliche Ausweitung ihrer Aktionen an.

ap FRANKFURT/MAIN. Das gilt allem für Blockaden des Schienennetzes, wie der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolfgang Ehmke, der "Bild am Sonntag" sagte. Die Berliner Grünen wollen den niedersächsischen Landesverband bei den Anti-Atom-Demonstrationen unterstützen.

Die Bundesgrünen wollen jetzt verstärkt Gespräche mit Bürgerinitiativen suchen, wie der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Reinhard Loske, am Sonntag in Berlin sagte. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne), die designierte Parteichefin Claudia Roth und Fraktionschef Rezzo Schlauch haben bereits mehrfach mit Hinweis auf den Atomausstieg von Demonstrationen abgeraten.

Transport in der letzten März-Woche

Sechs Castor-Behälter mit verglastem Atommüll sollen frühestens in der letzten Märzwoche aus La Hague nach Gorleben transportiert werden. Die Atomgegner wollen diesmal nicht nur die letzten Straßenkilometer, sondern auch die gesamten 56 Bahnkilometer zwischen Lüneburg und Gorleben blockieren. "Die ganze Transportstrecke ist für uns Aktionsfläche", sagte Ehmke. "Bild am Sonntag" zufolge rechnen die Initiatoren während der heißen Phase des Transports mit bis zu 15 000 Demonstranten täglich.

Auch das niedersächsische Innenministerium erwartet trotz des geplanten Atomausstiegs massive Proteste. Ministeriumssprecher Jürgen Wittenberg sagte dem Blatt: "Wir richten uns auf einen ähnlichen Einsatz wie beim letzten Mal ein." Vor vier Jahren mussten 30 000 Polizisten sechs Castoren schützen. Die Gesamtkosten des Einsatzes beliefen sich dem Bericht zufolge auf 111 Mill. DM.

Nach Angaben des Chefs der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, will die Polizei den Castor-Transport mit rund 20 000 Einsatzkräften schützen. Bereits jetzt würden Bahnstrecken gesichert, sagte Freiberg im Saarländischen Rundfunk.

Mitglieder der Grünen kündigen Teilnahme an Protesten an

Eine Teilnahme an den Protestaktionen kündigte die Berliner Grünen-Chefin Regina Michalik an. Sie sagte im Radio F.A.Z. 93.6 Berlin, dass ihr Landesverband einen Bus chartern und Informationen weitergeben werde, wann die Castoren in Gorleben eintreffen. Auch Blockaden seien denkbar, aber nur als "symbolisches Mittel", und sie müssten friedlich bleiben.

Auch die schleswig-holsteinischen Grünen erklärten friedliche Demonstrationen gegen die Nutzung der Atomkraft für gerechtfertigt, akzeptierten jedoch die Castor-Transporte auf einem kleinen Parteitag in Kiel mit großer Mehrheit.



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