Bürgerkrieg in Liberia
Heftige Kämpfe um Monrovia

Französische Soldaten haben am Dienstag ihre Rettungsaktion für die Ausländer in der heftig umkämpften liberianischen Hauptstadt Monrovia fortgesetzt. Bereits am Vortag hatten sie rund 500 Ausländer, überwiegend US-Amerikaner, EU-Bürger und Libanesen, mit Hubschraubern auf ein vor der Küste liegendes Kriegsschiff ausgeflogen.

dpa MONROVIA/NAIROBI. Unterdessen trafen zwei Vertreter der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS in Monrovia ein, um einen Waffenstillstand vermitteln.

Regierungstruppen des mit internationalem Haftbefehl gesuchten liberianischen Präsidenten Charles Taylor und die Rebellenbewegung LURD lieferten sich heftige Gefechte in den Vororten Monrovias. Die als grausam bekannten Rebellen der LURD ("Liberianer vereint für Versöhnung und Demokratie") sind nach Augenzeugenberichten unter heftigen Kämpfen bis auf weniger als zwei Kilometer auf die Stadtmitte vorgerückt.

Schwere Artillerie, Granaten- und Maschinengewehrfeuer waren weithin in der Hauptstadt zu hören. Bis zu 100 000 Bewohner sind nach Schätzungen des Roten Kreuzes aus den umkämpften westlichen Vororten in das Stadtzentrum geflüchtet. 12 000 Flüchtlinge kampieren dort nach Angaben von Hilfsorganisationen in einem Sportstadion.

Die beiden Vermittler, der ECOWAS-Sekretär Mohammed ibn Chambas und Ghanas Außenminister Nana Akufo-Addo begaben sich nach ihrer Ankunft zu Taylors Präsidentssitz. Der Weltsicherheitsrat hatte sich am Montagabend "tief besorgt" über die Lage in Liberia gezeigt. Uno-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an Rebellen und Regierungstruppen, die Zivilbevölkerung in Monrovia nicht in ihre Kämpfe zu verwickeln. Der Sicherheitsrat forderte die Kriegsparteien auf, internationales Menschenrecht zu achten und dem Frieden eine Chance zu geben. Die Rebellenbewegung LURD hatte am Sonntag Präsident Taylor aufgefordert, innerhalb von 72 Stunden zurückzutreten. Andernfalls werde die LURD die Hauptstadt stürmen.

Dort spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab, nachdem die Uno und die Hilfsorganisationen ihre Mitarbeiter wegen der Kämpfe weitgehend abgezogen haben. Ein Mitarbeiter der britischen Hilfsorganisation Merlin schätzte, dass zwischen 300 000 und 700 000 Menschen aus dem Umland und Vororten Monrovias ins Zentrum Monrovias geflüchtet sind. Dort irrten sie obdachlos ohne Nahrung, Wasser oder Decken herum. Nach Angaben des Welternährungsprogramms sind derzeit 70 Prozent Liberias mit seinen drei Millionen Einwohnern unsicheres Gebiet. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk sprach von einem totalen Chaos.

Ghana kündigte die Entsendung eines Kriegsschiffs zur Rettung seiner Bürger an. Die belgische SN Brussels, die einzige europäische Fluggesellschaft, die Liberia anflog, setzte angesichts der Lage in dem afrikanischen Land ihre Flüge nach Monrovia bis auf weiteres aus.

Die Rebellen in Liberia versuchen seit vier Jahren, den gewählten Staatschef Charles Taylor zu stürzen. Taylor wird seit vergangener Woche mit internationalem Haftbefehl gesucht. Das Uno-Tribunal für das Nachbarland Sierra Leone wirft ihm vor, für dort verübte Kriegsverbrechen verantwortlich zu sein.

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