Bürgermeister hält Festlegung für verfrüht
Zweifel an Unfall-These zur Explosion in Toulouse

Eine Woche nach der verheerenden Explosion in Toulouse mit 29 Toten gibt es Zweifel an der offiziellen Version eines Unfalls.

ap TOULOUSE. Bürgermeister Philippe Douste-Blazy sagte, er sei wie alle Bürger seiner Stadt davon überrascht gewesen, dass die Staatsanwaltschaft nach nur kurzen Ermittlungen zu 99 Prozent von einem Unfall ausgehe. Auch die Zeitungen "Le Monde" und "Le Figaro" bezeichneten die Darstellung in ihren Freitagausgaben als nicht glaubwürdig.

Douste-Blazy sagte der Zeitung "La Croix": "Ich habe Zweifel an den Ursachen der Explosion." Um die 200 bis 300 Tonnen Ammoniumnitrat zur Explosion zu bringen, hätte die Temperatur in dem offenen Lager auf 160 bis 200 Grad steigen müssen. Er ziehe es vor, den Abschluss der Untersuchungen abzuwarten, um den Menschen die ganze Wahrheit zu sagen, erklärte der Fraktionsvorsitzende der bürgerlichen UDF in der französischen Nationalversammlung.

Staatsanwalt Michel Bréard hatte am Montag einen Anschlag ausgeschlossen und erklärt, die Explosion vom Freitag sei mit fast 100-prozentiger Sicherheit auf einen Unfall zurückzuführen. Er sprach von einen chemophysikalischen Prozess, der sich möglicherweise über Jahrzehnte hingezogen habe. Viele Menschen in Toulouse stehen dieser Erklärung skeptisch gegenüber. "Le Monde" sprach von einem weiter bestehenden Rätsel über die Unglücksursache. Auch "Le Figaro" berichtete unter Berufung auf Fachleute, die offizielle Erklärung sei in einigen Punkten nicht haltbar.

Unterdessen haben mehrere Einwohner Klagen gegen den Ölkonzern Total-Fina-Elf eingereicht, dem die explodierte Chemiefabrik AZF gehört. Am Freitag wurde Premierminister Lionel Jospin in Toulouse erwartet.

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