"Bürgermeister zum Anfassen"
Portrait Henning Scherf

Henning Scherf ist ein populärer Regierungschef ohne Allüren.

HB/dpa BREMEN. Eigentlich wollte sich Henning Scherf, der Ende Oktober 65 Jahre alt wird, mit der Bürgerschaftswahl aus dem politischen Geschäft zurückziehen. "Vor vier Jahren habe ich gesagt: Dies ist meine letzte Legislaturperiode", erinnert sich Bremens SPD - Regierungschef. Doch dann habe er von allen Seiten "dringliche Anfragen" bekommen. "Alle - die SPD-Leute, die CDU-Leute, die Handelskammer, die Gewerkschaften, die Betriebsräte - haben mich gebeten: Bitte mache weiter und halte dieses Land zusammen. Und nun mache ich's."

Das war noch vor der Wahl. Nach dem SPD-Triumph vom Sonntag steht fest: Der in Bremen über die Parteigrenzen hinweg populäre Sozialdemokrat lässt sich weiter für sein Land in die Pflicht nehmen. Seit 1995 steht er hier als Bürgermeister an vorderster Front. In der großen Koalition aus SPD und CDU, die das Land seitdem regiert, ist er eine Art Übervater. Den Wahlausgang sieht er als "klaren Auftrag zum Fortsetzen der großen Koalition".

Der Jurist zog 1971 in die Bürgerschaft ein, ein halbes Jahr später wurde er SPD-Landeschef. In die Regierung trat Scherf 1978 ein. Zunächst war der gebürtige Bremer Finanz-, später Sozial- und dann Bildungssenator. Zeitweise war er für Bildung und Justiz zugleich zuständig. Nach dem Platzen der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP 1995 avancierte er zum Bürgermeister. Er übt zudem das Amt des Justizsenators aus.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass diese acht Jahre ein Segen für unser Land waren", sagt der SPD-Politiker, der einst den Ruf eines überzeugten Rot-Grün-Anhängers hatte, im Rückblick auf die acht Jahre Rot-Schwarz. Gemeinsam mit seinem CDU-Partner, Finanzsenator Hartmut Perschau, ist er sich sicher, dass die Sanierung des mit fast 10 Mrd.Euro verschuldeten Landes in einer anderen Konstellation nicht möglich wäre. Nach dem Sieg bei der Bürgerschaftswahl will er die große Koalition mit der CDU fortsetzen. "Das ist ganz klar ein Auftrag für das Projekt, das ich seit acht Jahren vertrete", sagte er am Sonntagabend.

Als "Bürgermeister zum Anfassen" erfreut sich der Zwei-Meter-Mann größter Beliebtheit. "Der Lange", wie er auch genannt wird, ist einerseits Asket, der am liebsten heißes Wasser trinkt. Andererseits entwickelt er eine für Politiker ungewohnte Herzlichkeit, die kaum jemanden vor seinen spontanen Umarmungen sicher sein lässt. Scherf sind Politikerallüren fremd. Auf Leibwächter verzichtet er ebenso wie auf eine gepanzerte Limousine. Auf einem Wahlplakat zeigte ihn die SPD so wie ihn die Bürger kennen: auf seinem Fahrrad fröhlich durch die Stadt radelnd.

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